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Nicht nur zum Dirndl trägt Franziska Mader ihren Schmuck, auch zu Jeans und T-Shirt.

Existenzgründerin

„Dirndlzuckerl“ aus Lenggries: Mit altem Dirndlstoff zur eigenen Firma

  • Nora Linnerud
    vonNora Linnerud
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Den Spagat zwischen Muttersein, sozialem Engagement und Unternehmertum zu schaffen, ist schwierig. Aber: „Ich will immer alles“, sagt Franziska Mader lächelnd. Mit ihrer Firma „Dirndlzuckerl“geht das.

Wegscheid – Franziska Mader trägt ihre Ohrringe und Ketten nicht nur zum Dirndl. „Am meisten werde ich darauf angesprochen, wenn ich den Schmuck einfach mit Jeans und weißem T-Shirt trage“, sagt Mader. Die dreifache Mutter lebt mit ihrem Mann in Wegscheid und stieg 2013 ins Schmuckgeschäft ein. Ihr ältester Sohn Maxi (5) war da gerade geboren. Frisch in Elternzeit, gründete Mader „Dirndlzuckerl“.

Die 34-Jährige stellt Ohrringe und Kettenanhänger aus alten Dirndlstoffen her. Die Fassungen bestehen aus nickelfreien Silbermischungen und Glas. „Modeschmuck“, nennt Mader das. Doch die filigranen, romantischen Stücke wirken wie aus der Zeit gefallen und sehen hochwertig aus.

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Die Geschichte ihres Unternehmens begann – wie so oft – aus der Not heraus: Mader fand für sich keinen passenden Schmuck zum Dirndl. Günstiger Schmuck aus dem Kaufhaus langweilte sie. Auch traditioneller Trachtenschmuck kam nicht in Frage: „Das bin ich einfach nicht“, sagt Mader. Da kam ihr die Idee, den Schmuck für ihre Tracht einfach selbst zu machen – und zwar aus Tracht. Inzwischen hat sie eine Palette in allen Farben, die sie auf Märkten, im Internet und bei „Calvari“ in der Tölzer Nockhergasse anbietet: „Viele Stoffe finde ich auf dem Flohmarkt. So wunderschöne Rosen auf Stoffen aus den 1980er-Jahren gibt’s heute gar nicht mehr.“ Andere Stoffe bekommt sie geschenkt oder zugeschickt.

Alte Rosenstoffe aus den 1980er-Jahren findet Mader oft auf dem Flohmarkt.

Will eine Kundin Schmuck aus dem eigenen Dirndl- oder Hochzeitskleidstoff, bekommt sie von der Wegscheiderin einen Flyer, der auch als Briefumschlag fungiert. „Die Kunden legen da einfach ein Stück Stoff hinein, und ich fertige daraus, was sie haben möchten.“

Einmal schickte ihr eine Frau sogar eine ganze Kiste mit Dirndl-Stoffen. „Sie stammten von ihrer verstorbenen Mutter“, sagt Franziska Mader. Darunter befand sich auch der Stoff, aus dem die Verstorbene ihrer Tochter das allererste Dirndl genäht hatte. „Da habe ich verstanden, dass es auch Stoffe gibt, die es verdient haben, in Silber oder Gold gefasst zu werden.“ So kam ihr der Gedanke, auch eine „Veredelt“-Linie zu kreieren.

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Leben kann die Wegscheiderin von ihrer Kreativ-Arbeit noch nicht. Die Firma ist ein Nebenverdienst zum Einkommen ihres Mannes, der Schreinermeister ist. Auch ein eigener Laden ist momentan keine Möglichkeit. Denn Mader möchte möchte für Maxi (5), Lisa (3) und Thomas (sieben Monate) voll da sein. Dass ein Elternteil daheim bei den Kindern bleiben kann, sei in den meisten Familien nicht mehr möglich, sagt Mader. „Ich sehe das als Privileg.“ Ihre Geschäftsidee biete ihr die Möglichkeit, die Kinder, das soziale Engagement für den Erhalt der Geburtshilfe und kreative Ideen unter einen Hut zu bringen. Mader entwirft die Schmuckstücke, „wenn es der Rhythmus der Familie erlaubt“. Der Kreativität tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Eine neue Idee hat die 34-Jährige gerade umgesetzt, es ist ein Schultertuch aus Merinowalk mit raffinierter Schließbrosche.

Maders Dirndl-Schmuckkreationen haben sogar schon Nachahmer gefunden: „Die behaupten, sie hätten zufällig die gleiche Idee gehabt“, sagt die Wegscheiderin. Ärgerlich, aber natürlich auch ein Kompliment.  Nora Linnerud

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