+
Ehemalige Empfangshalle als Ausstellungsraum: Mit seinen Plänen für die künftige Nutzung des Offiziersheims hat Wolfgang Haas (re.) in Michael Künkele sowie den Künstlerinnen (v. li.) Angela Elsenbruch, Marlen Sohr und Claudia Schneider Unterstützer gefunden.

Begegnungsstätte für Kunst, Kultur, Wirtschaft und Bürger

Kunst zieht in Kaserne ein

Lenggries –  Wolfgang Haas aus Gaißach möchte aus dem ehemaligem Offiziersheim eine Ateliergemeinschaft und einen Kreativen-Treffpunkt machen. Das befindet sich derzeit in der "Testphase".

So viel Leben herrschte in diesen Räumen schon lange nicht mehr: Rund 250 geladene Gäste nutzen vor wenigen Tagen die Gelegenheit, einen Blick ins ehemalige Offiziersheim der Lenggrieser Kaserne zu werfen. Knapp 100 Bilder, Skulpturen und Installationen von acht Künstlern waren dort bei einem „Tag des offenen Casinos“ zu sehen. Wenn es nach Organisator Wolfgang Haas aus Gaißach geht, wird aus den Räumen bald dauerhaft ein Treffpunkt der Kunst und Kreativität. Eine Genehmigung dafür hat er aber noch nicht.

Die weitläufigen leer stehenden Räume beflügeln Haas’ Fantasie: Vor seinem geistigen Auge sieht er schon, wie im früheren Ballsaal unter dem großen Leuchter eine Modenschau stattfindet, wie man sich im Kaminzimmer zum intellektuellen Austausch trifft, wie Maler, Keramiker und Bildhauer die früheren Offizierswohnungen bevölkern und sich hinter dem Haus zur Gartenparty um den noch zu erbauenden Grill im Hundertwasser-Stil versammeln. Unter dem Namen „Isar Ateliers“ will der 60-Jährige die 1800 Quadratmeter des Gebäudes in eine „Atelier- und Bürogemeinschaft für Künstler und kunstnahe Gewerbetreibende“ verwandeln, wie Haas in einem Faltblatt informiert. Eine „weltoffene Begegnungsstätte für Kunst, Kultur, Wirtschaft und Bürger“ solle es werden.

Wie das räumlich einmal aussehen könnte, davon vermittelt Haas den Besuchern im Erdgeschoss einen Eindruck. In der einstigen Empfangshalle und dem früheren Rauchsalon und Fernsehzimmer sind die Wände frisch gestrichen, die Räume sind stilvoll möbliert und beheizt. Andere Teile des Offiziersheims harren nach 13 Jahren Leerstand noch der Renovierung.

Eigentümer Peter Wasner habe ihm das Gebäude zunächst für ein halbes Jahr „Testphase“ zur Verfügung gestellt, sagt Haas. In dieser Zeit müsse er nachweisen, dass sein Konzept realistisch sei, sprich, dass er tatsächlich einen Gutteil der Räume vermieten kann. Einstweilen will Haas das ehemalige Offiziersheim durch diverse Veranstaltungen mit Leben füllen.

18 Einheiten stünden Mietinteressenten zur Verfügung, sagt Haas. Die einstigen Offizierswohnungen bestehen jeweils aus einem 18 bis 35 Quadratmeter großen Raum und einer eigenen großen Nasszelle. Zu einem „Mietpreis unter dem ortsüblichen Satz“ will Haas die Flächen anbieten und den Mietern die gemeinsame Nutzung von Ausstellungsräumen und des Gartens anbieten. Haas kann sich vorstellen, dass auch Fotografen, Grafikdesigner, Webdesigner oder Softwareentwickler einziehen. Erste Vorverträge gebe es schon.

Dass die Gemeinde dem – noch einzureichenden – Antrag auf Nutzungsänderung zustimmt, daran hegt der Unternehmensberater, ehemalige Generalstabsoffizier und militärische Berater kaum Zweifel – handele es sich doch um genau die gewerbliche Nutzung, die die Gemeinde im Bebauungsplan festgeschrieben habe.

Einige Lenggrieser hat Haas mit seiner Begeisterung angesteckt. Mit Rat und Tat steht ihm Unternehmensberater Michael Künkele zur Seite. „Das ist eine tolle Chance, das Haus hat so viel Potenzial“, sagt er. Seine Frau Anja, die ein Keramikatelier an der Marktstraße betreibt, zählte zu den Künstlern, die beim „Tag des offenen Casinos“ ausstellten – ebenso wie die Lenggrieser Bildhauerin Claudia Schneider. „Ich würde hier gern Workshops und eine offene Werkstatt für Kinder und Familien anbieten“, sagt sie. Haas’ Idee habe bei ihr „unglaublich gezündet“. Platz für Vorträge, Kontakte und Austausch: Das schwebt Angela Elsenbruch vor, die hier ihre farbintensiven Bilder von Krafttieren zeigte. Und für Malabende oder -Wochenenden mit Meditation würde Marlen Sohr die Räume gern nutzen. „Mir ist selbst schon oft durch den Kopf gegangen, dass wir ein Zentrum brauchen, wo sich Menschen treffen, um sich kreativ zu entfalten“, sagt sie. „Ich fände es sehr, sehr schön, wenn dafür ein großer Platz geschaffen würde.“ 

Andreas Steppan

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Leserfoto des Tages: Bunt ist‘s geworden am Kirchsee
Leserfoto des Tages: Bunt ist‘s geworden am Kirchsee
Termine des Tages: Das wird wichtig am Donnerstag
Termine des Tages: Das wird wichtig am Donnerstag
Termine des Tages: Das steht an am Donnerstag
Termine des Tages: Das steht an am Donnerstag
Tölzer Geburtshilfe: Was wäre, wenn?
Hopp oder topp: Am Freitag, 24. März, entscheidet der Kreistag, ob er sich finanziell an der Geburtshilfeabteilung der Tölzer Asklepios-Klinik beteiligen will. Was …
Tölzer Geburtshilfe: Was wäre, wenn?

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare