Für diese außergewöhnliche Kanne erhielt Markus Pollinger einen Preis für angewandte Kunst.
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Für diese außergewöhnliche Kanne erhielt Markus Pollinger einen Preis für angewandte Kunst.

Kultur

Ein Alltagsgegenstand ganz neu betrachtet: Preis für Markus Pollinger

  • vonInes Gokus
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Der Lenggrieser Künstler Markus Pollinger wird vom Bezirk Oberbayern für seine Objektreihe „Gefäße“ ausgezeichnet.

Lenggries – Eine Kanne ist ein Gebrauchsgegenstand – aber kann sie auch Kunst sein? Solchen Fragen widmet sich der Lenggrieser Künstler Markus Pollinger, und er hat Erfolg damit: Für seine Objektreihe „Gefäße“ hat er nun vom Bezirk Oberbayern den Förderpreis für angewandte Kunst gewonnen.

Sechs Stück seiner Werke kamen in die Beurteilung. Der Beginn von Pollingers Arbeiten liegt in industriellen Grundformen, die mit großen Pressen tiefgezogen und tausenfach vervielfältigt werden – eine Massenware, wenn man so will. Ursprünglich war die Form seiner Gefäße also mal ein Motorabdeckungsteil der Firma Bugatti. Er durfte bei einer Zuliefererfirma selbst mitgebrachte Bleche in diese Form pressen. „In der Kunst muss man immer neue Wege gehen“ sagt Pollinger. „Es gibt unzählige Möglichkeiten, ein Gefäß zu schaffen.“ In der Weiterverarbeitung mit Rohren, Stegen und Öffnungen wird der industriellen Grundform ein neues, anderes Leben eingehaucht. Der Lenggrieser gibt so der ursprünglich industriell gedachten Form eine Möglichkeit, anders zu sein, und somit natürlich auch ein Unikat zu schaffen.

Als Verbindungstechnik wählte Pollinger das Wolfram-Inertgasschweißen. „Damit möchte ich die Verbindung von Industrie und Handwerk aufzeigen und die neuen Möglichkeiten, die sich durch eine Kombination aus beidem ergeben.“ Seine Gefäße können also als reine Kunstobjekte gesehen werden, sind aber voll funktionsfähig. „Man kann etwas hineinfüllen und wieder ausgießen, doch bei diesen Stücken stellt sich da durchaus die Frage: Will man das?“, sagt der 36-Jährige schmunzelnd.

Seine Werkstatt ist in der Lenggrieser „Ankerschmiede“. Pollinger ist in seiner Arbeit auch durchaus handfest unterwegs. Bevor er seinen Abschluss auf der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und München machte, lernte er den Beruf des Gold- und Silberschmieds. Pollinger kreiert unter anderem Schmuckstücke auf Bestellung; fertigt Schneidwerkzeuge und Damaszenerklingen und gibt Goldschmiede- und Messerschmiedekurse. Sein Herzblut steckt er aber in seine Kunstobjekte, fast mit einer philosophischen Intension. Pollinger taucht tief in seine Werke. Er betrachtet die Dinge und das, was er daraus schaffen will, gerne mal aus einer auf den Kopf gestellten Perspektive. Oft kommt er dabei auf das zurück, was ihm auch in der Gesellschaft und im Leben als Idealzustand immer wieder begegnet, nämlich „weniger ist mehr“. In normalen Zeiten findet man Pollinger und seine Kunstwerke immer wieder auf Ausstellungen, doch derzeit ist alles anders. So kann er sich aber seinen anderen Ideen widmen, für die er sich die Inspiration gern in der freien Natur holt.  

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