Ein außergewöhnliches Objekt: Die riesige Filzkugel von Barbara Urban (li.) steht an trockenen Tagen in ihrem Garten unter dem Apfelbaum. Birgit Haberl (re.) macht oft besondere Fotos von Urban in der Kugel.
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Ein außergewöhnliches Objekt: Die riesige Filzkugel von Barbara Urban (li.) steht an trockenen Tagen in ihrem Garten unter dem Apfelbaum. Birgit Haberl (re.) macht oft besondere Fotos von Urban in der Kugel.

Kunstwoche Lenggries

Ein Filz-Nest voller Geborgenheit: Das steckt hinter dem Exponat

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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„Kraftwerke“ lautet heuer das Motto der Lenggrieser Kunstwoche, die am 18. September beginnt. Ein ganz besonderes Exponat ist eine riesige Filzkugel von Barbara Urban. Zusammen mit Fotografin Birgit Haberl gibt sie ihr immer wieder neuen Raum.

Lenggries/Bad Tölz/Sachsenkam – Unter dem Apfelbaum hat sie einen passenden Platz gefunden: Die riesige Filzkugel von Barbara Urban zieht einen unweigerlich in den Bann. Wenn man behutsam mit den Fingern darüber streicht, fühlt es sich sehr flauschig an, und der Geruch von Schafwolle steigt in die Nase. Die Kugel ist stabil, aber trotzdem dehnbar. Die zierliche Künstlerin kann sich hineinlegen und dabei einrollen wie ein Embryo.

Zum Filzen kam die Tölzerin schon vor 30 Jahren

Zum Filzen hat die Tölzerin vor rund 30 Jahren gefunden. Ein Hut aus Filz faszinierte sie derart, dass sie das Handwerk unbedingt lernen wollte. Die Faszination hat Urban bis heute nicht losgelassen. Zwar fertigt sie auch Gebrauchsgegenstände zum Verkauf, doch in erster Linie arbeitet sie künstlerisch.

Als ob sie aus einem Nest schlüpfen würde, das an Land gespült wurde, legte sich Urban einmal an der Isar in die Kugel. 

An der Filzkugel hat sie zwei Jahre gearbeitet. „Ich wollte mit einem Objekt mal an die maximale Größe gehen.“ Es sollte eine Höhle werden, in die sich ein Mensch hineinlegen könnte. Das Besondere ist, dass die Kugel aus unbehandelter Rohwolle von verschiedenen Schafrassen besteht.

„Ich bin meiner inneren Stimme gefolgt“, sagt die Künstlerin

„Diese Rohwolle zu verfilzen, ist technisch gar nicht so leicht“, sagt Urban. Für das „normale“ Filzen verwende man gewöhnlich gekämmte und gewaschene Wolle. Bis Urban die Kugel fertig hatte, war es ein langer Prozess. Immer wieder hat sie die Rohwolle mit heißem Wasser befeuchtet, dann gerieben, gerollt und bewegt, dann wieder ruhen lassen und ein paar Tage später mit der Prozedur von vorne begonnen. Langsam wuchsen Form und Größe. Die Kugel hat außen eine Fellstruktur wie ein Schaf, innen ist sie aber relativ glatt.

Warum wurde es eine Kugelform? „Ich bin meiner inneren Stimme gefolgt“, sagt die Künstlerin. Heute bezeichnet sie die Kugel als „Heilraum“: Wenn sie sich hineinlege, fühle sie sich geschützt und abgeschirmt, sie könne darin entspannen und schlafen. „Filz bringt mich zu mir selbst“, sagt die Tölzerin. „Das Material lehrt mich, präsent zu sein.“

Außergewöhnliche Fotografien aus dem ganzen Isarwinkel

Urban ist das zweite Mal als eine der Gastkünstlerinnen bei der Lenggrieser Kunstwoche vertreten. 2014 zeigte sie sogenannte Filzflöten – die Gebilde erinnern an riesengroße Blütenkelche. Birgit Haberl fotografierte sie in ungewöhnlicher Perspektive vor dem Brauneck. „Ich finde es spannend zu sehen, wie meine Filzkunstwerke, die ja eigentlich in die Natur gehören, diese aber auch irritieren können“, sagt Urban.

Die beiden Frauen sind seit Jahrzehnten befreundet, künstlerisch verbunden sind sie durch Urbans Filzobjekte. Fotografin Birgit Haberl aus Sachsenkam hat ein Faible für künstlerische Umsetzungen. Wenn sie gemeinsam mit der Filzkugel in der Natur unterwegs sind, kennt ihr Einfallsreichtum keine Grenzen. Ob an der Isar, am Kirchsee oder an einer der zahlreichen Gumpen im Isarwinkel, gerne am Wasser, aber auch in Wiesen-Landschaften, entstanden außergewöhnliche Fotografien, auch im Winter bei Rauhreif. Urban hockt oder legt sich in verschiedenen Positionen in die Kugel. Die Aufnahmen symbolisieren Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit, aber auch Urvertrauen und Geborgenheit.

Kunstwoche findet zum ersten Mal in der ehemaligen Kaserne statt

Die großformatigen Bilder werden, zusammen mit der Filzkugel, bei der Kunstwoche zu sehen sein. Diese findet heuer bekanntlich zum ersten Mal in der Lenggrieser Kaserne statt. Interessant sei, sagt Haberl, zu sehen, was die Kugel in dem „kalten“ Kasernenraum ausstrahle. Die beiden Künstlerinnen sind schon gespannt auf Reaktionen der Besucher.

Weitere Infos: Die Lenggrieser Kunstwoche findet von 18. September bis 3. Oktober erstmals in der ehemaligen Kaserne statt. Wenn es die Pandemie-Regeln erlauben, wird am Freitag, 17. September, eine Vernissage veranstaltet. Informationen über alle Künstler auf www.kv-lenggries.de.

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