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Der Grundschul-Chor unter d er Leitung von Michael Strobl eröffnete die 50-Jahr-Feier in der Mehrzweckhalle.

Jubiläum

„Einschneidendes Ereignis“ groß gefeiert

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Mit zahlreichen Anekdoten von Lehrern und Schülern wurde am Freitag der 50. Geburtstag des Schulkomplexes an der Geiersteinstraße in Lenggries gefeiert. 

Lenggries – Strikte Trennung nach Geschlechtern und samstags Unterricht: Werner Weindl erinnert sich noch gut an das Schuljahr 1967/68. Nicht nur, weil er damals eingeschult wurde. Der Lenggrieser Bürgermeister gehörte zu dem ersten Jahrgang, der den neugebauten Schulkomplex an der Geiersteinstraße beziehen durfte. „Das fanden wir unwahrscheinlich cool. “ 50 Jahre ist das nun her. Den runden Geburtstag feierten die Schulfamilien von Grund- und Mittelschule am Freitag mit einem Festakt in der Mehrzweckhalle.

Das erste Schulhaus in Lenggries entstand bereits 1785, wie die Festgäste in einer kurzweiligen Powerpoint-Präsentation von sechs der aktuell 580 Schülern erfuhren. Das Gebäude befand sich direkt neben der Kirche, der Lehrer arbeitete gleichzeitig als Mesner. Bei Hochzeiten oder anderen Anlässen war der Lehrer also erst einmal weg, erzählten die Kinder: Er musste die Glocken läuten.

Ebenfalls via Powerpoint-Präsentation kamen ehemalige Schulleiter, Lehrer und Schüler zu Wort. Der spätere Schulamtsleiter Norbert Weinhuber beispielsweise erzählte, wie er als junger Lehrer dazu verdonnert wurde, Flötenunterricht zu geben. Den Einwand, dass er dieses Instrument gar nicht beherrsche, ließ die damalige Schulleitung nicht gelten. „Ich war meinen Schülern immer gerade mal eine Stunde voraus“, sagte Weinhuber unter dem Gelächter der Festgäste.

Viele Lacher erntete auch der Liad-Gstanzl-Jodler „Sie hab’n a Schui baut“, geschrieben von Mittelschullehrer Klaus Mayr. Zusammen mit einigen Kollegen, Schülern und zu den professionellen Klängen der Volksmusiker Sepp Kloiber sowie Hubert und Seppi Neumüller kleidete er die Geschichte der Schule in launige Verse. „Der Gemeinderat hat es beschlossen, der Kämmerer hat sich erstmal besoffen“, hieß es da zum Beispiel in Anspielung auf die Kosten in Millionenhöhe. Abschließend äußerten die Sänger die Hoffnung, dass sich die Gemeinde auch weiterhin finanziell nicht lumpen lässt.

„Das Geld wird weiterrollen“, versprach Bürgermeister Werner Weindl. Schon jetzt hingen in vielen Klassenzimmern statt Kreidetafeln interaktive Smartboards. Er selbst habe damals mit Schiefertafel und Setzkasten gearbeitet. Künftig werden die Erstklässer wohl eher iPads benutzen, orakelte der Rathaus-Chef. Er bezeichnete die Einweihung des Schulkomplexes im September 1967 als „einschneidendes Ereignis“ für Lenggries. Es hatte etwa zur Folge, dass die Schulen in Fleck und Fall aufgelöst wurden.

Mittelschulleiter Bernd Kraft und Grundschulrektorin Ursula Neff betonten in ihrer gemeinsamen Rede die Weitsicht, mit der die Gemeinde den Schulkomplex damals geplant habe. Zwar waren Buben und Mädchen bis Anfang der 1970er-Jahre in zwei verschiedenen Häusern untergebracht – die Jungen in der heutigen Mittelschule, die Mädchen in der jetzigen Grundschule. Der Campus aber sei eindeutig darauf ausgerichtet gewesen, bei Bedarf erweitert werden zu können.

Bereits 1972 war es soweit: Die Bagger rückten erneut an. Nötig wurde die Erweiterung unter anderem wegen der Angliederung von Schulklassen aus Wegscheid und der Jachenau. Heute bestünde laut Weindl auf dem ehemaligen Brauereigelände die Möglichkeit für die Schulen, sich zu vergrößern.

Nach dem kirchlichen Segen begann der gesellige Teil mit einem großen Spielefest für die Kinder. Die Erwachsenen konnten historische Pläne, Fotos und Auszüge aus der Schulchronik bestaunen oder etwas essen. Die meisten Besucher gaben am Ende wohl dem Grundschul-Chor Recht. Der hatte zu Beginn des Festakts in der Mehrzweckhalle gesungen: „Eines ist sonnenklar, dieser Tag wird wunderbar.“

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