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Hier muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Einer von Paul Klimas Adlern während des Flugs. Der Raubvogel trägt eine 100 Gramm schwere Mini-Kamera auf dem Rücken – so entstand diese Aufnahme.
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Adler sind die wahren Stars des Films "Wie Brüder im Wind" mit Jean Reno und Tobias Moretti. Auf dem Falkenhof in Lenggries bildet Paul Klima sie zu Film-Profis aus - mit Liebe und viel Fleisch.
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Adler sind die wahren Stars des Films "Wie Brüder im Wind" mit Jean Reno und Tobias Moretti. Auf dem Falkenhof in Lenggries bildet Paul Klima sie zu Film-Profis aus - mit Liebe und viel Fleisch.
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Adler sind die wahren Stars des Films "Wie Brüder im Wind" mit Jean Reno und Tobias Moretti. Auf dem Falkenhof in Lenggries bildet Paul Klima sie zu Film-Profis aus - mit Liebe und viel Fleisch.
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Adler sind die wahren Stars des Films "Wie Brüder im Wind" mit Jean Reno und Tobias Moretti. Auf dem Falkenhof in Lenggries bildet Paul Klima sie zu Film-Profis aus - mit Liebe und viel Fleisch.
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Adler sind die wahren Stars des Films "Wie Brüder im Wind" mit Jean Reno und Tobias Moretti. Auf dem Falkenhof in Lenggries bildet Paul Klima sie zu Film-Profis aus - mit Liebe und viel Fleisch.
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Adler sind die wahren Stars des Films "Wie Brüder im Wind" mit Jean Reno und Tobias Moretti. Auf dem Falkenhof in Lenggries bildet Paul Klima sie zu Film-Profis aus - mit Liebe und viel Fleisch.
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Adler sind die wahren Stars des Films "Wie Brüder im Wind" mit Jean Reno und Tobias Moretti. Auf dem Falkenhof in Lenggries bildet Paul Klima sie zu Film-Profis aus - mit Liebe und viel Fleisch.

Einzigartiger Kinofilm mit Lenggrieser Raubvögeln

Die Welt mit Adleraugen

Wie Brüder im Wind: So heißt der bildgewaltige Film, der jetzt in die Kinos kommt. Jean Reno und Tobias Moretti spielen mit, aber die wahren Stars des Streifens haben Flügel: Es sind Adler, die eigentlich auf dem Falkenhof in Lenggries leben. Dort bildet Paul Klima die Raubvögel mit Liebe und viel Fleisch zu Film-Profis aus.

Lenggries – Sobald Sky eine Kamera sieht, wird er zum Model: Auf dem Arm von Paul Klima, 44, präsentiert der Steinadler seine mächtige Flügelspannweite von 2,10 Metern. Er dreht den Kopf ein wenig nach links, dann wieder nach rechts. Schließlich schmiegt der Raubvogel sein Gesicht an die Wange seines Trainers und gibt leise, zufriedene Laute von sich. Klima streicht dem Tier über das Gefieder und raunt ihm beruhigend zu: „Alles ist gut, mein Süßer.“ 

Denn wenn Sky etwas gar nicht mag, dann sind das fremde Menschen, die seinem Trainer zu nahe kommen. „Steinadler sind da sehr eifersüchtig“, sagt Klima und grinst. Draußen in der Natur sei das etwas anderes, aber am Fuße des Braunecks stehe man quasi im Wohnzimmers von Sky – ein bisschen Respekt vor seinem Eigentum schadet da ebenso wenig wie ein kleiner Sicherheitsabstand. 

Denn für den Raubvogel mit 3,5 Kilo Kampfgewicht ist Klima weit mehr als nur ein Trainer. „Er sieht mich quasi als seinen Lebenspartner an“, erklärt der Tölzer, der Sky im Alter von sechs Wochen bekommen und selbst aufgezogen hat – eine Art Mini-Adlerhorst im Schlafzimmer inklusive, zumindest anfangs. So viel Nähe verbindet, der fast neun Jahre alte Raubvogel ist auf den Falkner geprägt. „Das möchte man heutzutage eher vermeiden“, sagt Klima. Denn diese Fehlprägung hat unter anderem zur Folge, dass Sky nicht wüsste, was er mit einem Adler-Weibchen anfangen sollte, wenn man ihm die Dame in seine Voliere setzen würde. Muss er aber eigentlich auch nicht, Sky hat schließlich genug andere Verpflichtungen. 

"Nils-Holgersson-Perspektive"

Seit er 2007 als weltweit erster Adler mit einer hochauflösenden HD-Kamera auf dem Rücken beeindruckende Filmaufnahmen aus der „Nils-Holgersson-Perspektive“ für eine BR-Dokumentation lieferte, hat das Tier in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Bei der ZDF-Sendung „Terra X“ war er zu sehen oder dem Film „The Way of the Eagle“. Zuletzt stand der Raubvogel zusammen mit „Hera“ und „Bruno“ – zwei andere Steinadler vom Lenggrieser Falkenhof – erneut für eine große Kinoproduktion vor der Kamera: „Wie Brüder im Wind“ heißt das österreichische Drama, das die Freundschaft des zwölfjährigen Halbwaisen Lukas mit Adler „Abel“ erzählt. „Die Geschichte ist fiktiv“, sagt Klima, „könnte aber auch wahr sein.“ Denn – anders als zum Beispiel Falken – können Steinadler tatsächlich eine sehr enge Beziehung zu Menschen aufbauen. 

Wie tief diese Verbindung zwischen Mensch und Raubvogel werden kann, zeigt ein Erlebnis des Tiertrainers am Rande der Dreharbeiten für „Wie Brüder im Wind“: Klima war mit seinem Adler Bruno auf dem Ortler in Österreich, wo die Crew den Adler im freien Flug gefilmt hat. Nach Abschluss der Dreharbeiten waren Mensch und Tier für kurze Zeit allein, weil der Helikopter, der sie an diesen einsamen Ort in 3400 Metern Höhe gebracht hatte, woanders gebraucht wurde. „Bruno hat vor der untergehenden Sonne seine Kreise gezogen“, erzählt Klima. Trotz der grenzenlosen Freiheit und der grandiosen Landschaft um ihn herum kam Bruno schließlich von alleine zu seinem Trainer zurück. „Er hat sich auf meinen Arm gesetzt und an meine Schulter gelehnt“, sagt Paul Klima. Ein bewegender Moment für ihn. 

Schöne Momente und ein tragischer Zwischenfall

Während der Dreharbeiten, die überwiegend in Südtirol und im österreichischen Nationalpark „Hohe Tauern“ stattfanden, gab es noch viele schöne Momente wie diesen. Doch im Laufe der zweieinhalb Jahre kam es auch zu einem tragischen Zwischenfall, der Klima noch heute belastet: Rocky, einer seiner Adler, wurde von einem Bergbauern mit einer Mistgabel getötet, weil er ein Huhn gerissen hatte. Zuvor hatte sich das Tier verflogen, weil es während eines Trainingsflugs in Sterzing von Raben attackiert worden war. Rocky war erst ein knappes halbes Jahr alt und hatte wenig Erfahrung im Umgang mit so einer Situation. Denn mit seinen sechs Monaten befand sich das Tier noch mitten in der Ausbildung. 

Insgesamt hat Klima fünf Adler ein Jahr lang auf die Dreharbeiten vorbereitet – und das an sechs Tagen pro Woche. Selbst für den erfahrenen Tiertrainer, der bereits in rund 50 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt hat, ein Mammutprojekt. Bei seinen Übungseinheiten setzte Klima wie gewöhnlich ausschließlich auf positive Motivation – oder anders ausgedrückt: auf unzählige Fleischhäppchen und lobende Worte. Anders würde es auch nicht gehen: „Steinadler“, sagt er, „sind sehr intelligente Tiere, die sich zu nichts zwingen lassen.“ Eine Herausforderung für jeden Tiertrainer und für Klima der Grund, warum er von Kindheit an so fasziniert von Greifvögeln ist. „Falknerei ist die Kunst, ein wildes Lebewesen an sich zu binden, indem man ihm jeden Tag die Freiheit schenkt“, zitiert der zweifache Familienvater eine alte Falkner-Weisheit. 

Bis zu 250 Stundenkilometer sind beim Steinadler drin

Um dieses Ziel zu erreichen, muss Klima mit den Greifvögeln kommunizieren. Er arbeitet vor allem mit visuellen Reizen und Zeichen. Die Tiere wurden auf ein auffälliges Blau geprägt, deshalb trägt Klima beim Training immer eine blaue Jacke. Hinzu kommen entsprechende Signale oder Bewegungen: Zum Beispiel kreist Klima mit dem Arm, um dem Tier zu signalisieren, dass es kommen soll. Versteckt der Trainer seinen Arm mit dem Falkner-Handschuh hinter dem Rücken heißt das: Freiflug. Der ist vor allem vor Drehbeginn ein Muss, damit sich seine „Könige der Lüfte“ erst mal austoben können. Einem Adler dabei zuzusehen, ist ein beeindruckendes Erlebnis: Bis zu 250 Stundenkilometer kann so ein Steinadler schnell werden, wenn er will. Im Sturzflug sind es sogar über 300 km/h. 

Als Mensch ist es schwer zu glauben, dass die Tiere dann noch viel von ihrer Umgebung wahrnehmen. Doch der Sehsinn ist bei diesen Raubvögeln extrem gut ausgebildet: Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wie gut, muss nur durch ein hochwertiges Fernglas schauen. „Das ist ungefähr vergleichbar“, sagt Klima. Bei zahmen Adlern ist der Trainer ein wichtiger Orientierungspunkt für die Vögel während eines Freiflugs in unbekanntem Gelände: Verliert der Adler ihn aus den Augen, fängt er an zu suchen. Denn die Tiere wollen zurück zu ihrem „Papi“, wie sich Klima gerne mal augenzwinkernd selbst nennt. Weit weniger gern mag er die Bezeichnung „Vogelflüsterer“, wie er immer mal wieder bezeichnet wird. 

Bei aller Liebe handelt es sich um Raubvögel

30 Jahre Falknerei haben dem gebürtigen Niederbayern aber nicht nur viel Ruhm, sondern auch einige Verletzungen eingebracht. „Das passiert im Eifer des Gefechts, vor allem wenn Futter im Spiel ist“, sagt Klima und zeigt auf seine linke Hand, wo die scharfen Krallen der Greifvögel einige Narben hinterlassen haben. Sie erinnern den Tiertrainer daran, dass es sich bei seinen Schützlingen bei aller Liebe um Raubvögel handelt, die mit ihren mächtigen Klauen ohne Probleme einen ausgewachsenen Steinbock von einem Berggrat stürzen können, um ihn danach zu fressen. 

Eine solche Szene hat tatsächlich einmal ein Adler mit einer Miniaturkamera gefilmt, die auch bei den Dreharbeiten zu „Wie Brüder im Wind“ zum Einsatz kam. „Die Eagle-Cam wiegt unter 100 Gramm und wird von dem Adler auf dem Rücken getragen“, erklärt der gelernte Schreiner Klima. Diese innovative Technik ermöglicht es den Zuschauern, quasi auf dem Rücken des Adlers mitzufliegen und ihm über die Schulter zu blicken. Das Ergebnis sind spektakuläre Naturaufnahmen – aus der wahrhaftigen Vogel-Perspektive, die im Film durch Aufnahmen von wild lebenden Adlern ergänzt werden. Und natürlich von der fiktiven Geschichte um Lukas und Adler Abel. Die „Eagle-Cam“, also die Adler-Kamera, hat Paul Klima zusammen mit dem Fraunhofer-Forschungsinstitut entwickelt. 

Lieber aufs Brauneck als auf den Roten Teppich

Im Film, der nächste Woche in die Kinos kommt, spielen namhafte Schauspieler wie Tobias Moretti und Jean Reno mit. Getroffen hat Klima die beiden aber noch nicht, da die Dreharbeiten erst nach Abschluss der Naturaufnahmen begonnen haben. Das dürfte sich am Sonntag ändern: Dann feiert „Wie Brüder im Wind“ Weltpremiere in Wien. Auch Klima wird mit seiner Lebensgefährtin vor Ort sein, allerdings ohne Sky, Hera und Bruno. Das sei zwar prinzipiell möglich, sagt er. Ein Ausflug mit „Papi“ aufs Brauneck dürfte den Adlern aber deutlich lieber sein als der Rote Teppich.

Der Adler-Film

Der Film „Wie Brüder im Wind“ läuft ab Donnerstag, 28. Januar, in den deutschen Kinos. Die aufwändigen Natur- und Tieraufnahmen begannen bereits 2011, die restlichen Szenen mit den Schauspielern wurden erst später gedreht. Wer Sky und Co. live erleben möchte, findet im Internet unter www.vogeljakob.de die Adresse und die Öffnungszeiten des Lenggrieser Falkenhofs.

Silke Scheder

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