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Viele Großeinsätze hat Karl Murböck (re.) als Kreisbrandrat absolviert. Einer der letzten war der Waldbrand am Graseck/Jochberg an Neujahr 2017, als Landrat Josef Niedermaier (Mi., mit Kochels Bürgermeister Thomas Holz) den Katastrophenfall ausrief. Das Medieninteresse war enorm.

Dienstversammlung am 6. Januar

Das Ende einer Ära: Kreisbrandrat Karl Murböck hört auf

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Der Name Karl Murböck ist untrennbar mit der Feuerwehr verbunden. Seit 18 Jahren lenkt er als Kreisbrandrat die Geschicke. In der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbands am 6. Januar wird der 62-Jährige nun aber seinen letzten Jahresrückblick halten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Kreisbrandrat Karl Murböck ist kein Freund großer Worte, eher einer, der einfach macht, als lange darüber zu reden. Und er ist einer, der immer Ja sagte, wenn es darum ging, Verantwortung zu übernehmen. Das war zum ersten Mal so, als der stellvertretende Kommandant der Wegscheider Feuerwehr 1980 in der Versammlung erklärte, dass der nicht mehr antritt. „Und dann hat er gesagt: „Da drüben sitzt der Murböck Karl, der macht das.“ Fünf Jahre war der gelernte Zimmerer da schon bei den Floriansjüngern. „Bei uns war es normal, dass man zur Feuerwehr geht“, erklärt Murböck, der am 6. Januar sein Amt als Kreisbrandrat abgeben wird, seinen Beweggrund. Das sei auf dem Dorf übrigens noch heute so, deshalb gebe es dort auch meist weniger Nachwuchssorgen als in der Stadt.

Katastrophenhilfe an der Elbe

1985 übernahm er das Kommandantenamt bei den Wegscheidern, zwei Jahre später wurde er zudem Kreisbrandmeister und war damit schon für verschiedene Isarwinkler Wehren zuständig. Um den ganzen Süden des Landkreises kümmerte er sich ab 1998, als Karl Rieger die Altersgrenze erreicht hatte und Murböck fragte, ob er nicht als Kreisbrandinspektor kandidieren wolle. Der Berufsschul-Lehrer sagte einmal mehr Ja – und wiederholte das, als ihn der damaligen Kreisbrandrat Alfred Stangler als Nachfolger haben wollte. 2001 wurde er zum ersten Mal gewählt und zweimal im Amt bestätigt. Theoretisch hätte er noch ein weiteres Mal kandidieren und bis zum Erreichen der Altersgrenze in drei Jahren weitermachen können. „Aber das war für mich nie ein Thema. Irgendwann muss Schluss sein“, sagt der Vater von vier erwachsenen Kindern und Opa von fünf Enkeln.

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Die Aufgaben des Kreisbrandrats sind vielfältig. „Außenstehende denken in erster Linie an die Einsätze, aber die Hauptarbeit findet am Schreibtisch statt.“ Brandschutz-Stellungnahmen bei Bauleitplanungen gehören ebenso dazu wie das Aufstellen von Alarmierungsplänen und das Abnehmen von Brandmeldeanlagen. Dazu kommen viele Termine – vom Grußwort bei Feuerwehrversammlungen bis zur Teilnahme an der Beerdigung verdienter Kameraden. Dass er sich zumindest einen Teil seiner Arbeitszeit als Lehrer frei einteilen kann, kam Murböck hier entgegen. „Ob ich Arbeiten nachmittags oder spätabends korrigiere, ist schließlich egal.“

Tödliche Unfälle sind belastend

Zahlreiche Großeinsätze fielen in Murböcks Zeit als Kreisbrandrat. Dabei fand einer der ersten gar nicht im Landkreis, sondern in Dessau statt. 2002 brachen über 100 Einsatzkräfte nach Sachsen-Anhalt auf, um beim Elbhochwasser Katastrophenhilfe zu leisten. Diese überregionale Unterstützung, „das war schon außergewöhnlich“, sagt Murböck. Drei Jahre später kämpfte dann Bad Tölz mit der August-Flut. „Das war das erste Mal, das im Landkreis der Katastrophenfall ausgerufen wurde. Der Einsatz war der Wahnsinn“, erinnert sich der Kreisbrandrat. Die großen Waldbrände am Sylvenstein, am Herzogstand und zuletzt am Graseck/Jochberg forderten ihn genauso wie Bauernhofbrände oder auch heuer das Feuer in einer ehemaligen Reitschule in Icking mit zwei Toten. „Besonders schwierig“ seien oft die Einsätze bei tödlichen Verkehrsunfällen – „vor allem, wenn man die Betroffenen kennt“, sagt Murböck. Glücklicherweise sei die Betreuung der Einsatzkräfte nach solch traumatischen Erlebnissen, aber auch die Prävention besser geworden.

Dass die Gewalt gegen Einsatzkräfte zunimmt, beobachtet Murböck mit Sorge, sagt aber auch: „Ich glaube, dass wir hier im Landkreis noch eher verschont sind von diesem Problem.“

Künftig wieder im Löscheinsatz

Zu seinem Nachfolger wurde bereits im Juni Alfred Schmeide gewählt. Wie Murböck stammt auch er aus Lenggries. Gibt es Tipps, die er seinem Nachfolger mit auf den Weg geben will? „Unsere ehrenamtlichen Feuerwehren und deren Mitglieder sind sehr unterschiedlich. Man kann St. Heinrich nicht mit der Jachenau vergleichen, eine Stadt-Feuerwehr nicht mit einer kleinen Land-Wehr.“ Bei den einen stehe das Einsatztechnische im Vordergrund, bei den anderen der gesellschaftliche Teil. Diese Unterschiede müsse man akzeptieren. „Man kann nicht alle gleichmachen.“ Und man dürfe auch niemanden überfordern, in dem mehr und mehr Aufgaben auf die unteren Ebenen verlagert werden. „Auch die Kommandanten müssen das ehrenamtlich noch bewältigen können.“ Ein Kreisbrandrat muss für Murböck nicht nur die fachliche Eignung mitbringen. „Er muss ein Teamplayer sein, motivieren können und seine Mannschaft mit einbeziehen. Denn allein kann er nichts bewirken.“

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Seinen Jahresrückblick für die Dienstversammlung am 6. Januar im Kurhaus hat Murböck schon fertig. An seiner Rede zum Abschied feilt er noch. Letzteren sieht er aber eigentlich recht nüchtern. „Es überwiegt schon die Erleichterung, die Verantwortung jetzt abzugeben.“ Der Feuerwehr bleibt der 62-Jährige natürlich auch über den Termin hinaus erhalten. „Wenn die Wegscheider wollen, rücke ich künftig wieder mit ihnen aus.“ Dass er in den vergangenen Jahren nicht an jeder Übung teilgenommen hat, lag übrigens gar nicht so sehr an Murböck selber. Vielmehr fühlte sich wohl mancher Gruppenführer etwas unwohl beim Gedanken, dem Kreisbrandrat beim Üben Anweisungen zu geben, berichtet der Wegscheider und schmunzelt. „Sie haben gesagt, du brauchst nicht zu jeder Übung kommen, wir wissen schon, dass du es kannst.“

Ansonsten wird Murböck künftig mehr Zeit haben für seine Frau Barbara, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist. Ihr ist der Kreisbrandrat dankbar für die Geduld und die Unterstützung. „Denn die Frau und die Familie müssen natürlich mitmachen. Ohne das geht es nicht.“

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