Glücklich in den Bergen: Fritz Erhard vor der Kulisse der Karwendel-Hauptkette.
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Glücklich in den Bergen: Fritz Erhard vor der Kulisse der Karwendel-Hauptkette.

Nachruf

Fritz Erhard gestorben: Er brannte für die Berge

Völlig überraschend ist der Lenggrieser Landschaftsarchitekt und engagierte Naturschützer Fritz Erhard gestorben. Die Trauer ist groß.

Lenggries - Fritz Erhards plötzlicher Tod lässt einen großen Freundes- und Bekanntenkreis fassungslos zurück, denn trotz seiner 76 Jahre war der studierte Diplom-Gartenbauingenieur noch immer voller Tatendrang und stand beruflich und privat mitten im Geschehen: als öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter und als Projektbetreuer für ökologische Baubegleitung im alpinen Bereich, als Sachverständiger im Naturschutzbeirat des Landkreises, als kunstsinniger Mensch und versierter Zitherspieler – und vor allem auch als begeisterter Bergsteiger, der sich in vielfältiger Weise beim Alpenverein engagiert hat.

„Bei allem, was er tat, war er überaus präzise und auch stets vom Kameradschaftsgedanken geleitet“, sagen Freunde wie Lu Raßhofer und Martin Kell über ihn. Obwohl er mit seinem Fachbüro beruflich stark eingespannt war, habe Fritz Erhard nie Nein gesagt, wenn man ihm wegen seines profunden Hintergrundwissens wieder mal ein „Schanzerl“, also eine ehrenamtliche Tätigkeit, angetragen habe. Aufgrund seines ausgeprägten Sinns für Ästhetik und Harmonie lag ihm auch die Gestaltung des besiedelten Lebensraums am Herzen, wenn er sich etwa für das Ortsbild seines Wohnorts Schlegldorf und im Förderverein Burgruine engagierte.

Bei vielen Forst- und Almwirtschaftswegen etwa im Vorkarwendel war Erhard der Garant für eine naturverträgliche bauliche Gestaltung, die sich möglichst harmonisch in das Landschaftsbild einfügt. Denn dass die Bergwelt trotz menschlicher Eingriffe möglichst wenig Schaden nimmt, dafür brannte er.

Als ambitionierter Alpinist suchte er in jungen Jahren auch das Extreme – zugleich aber immer davon beseelt, das Bergerlebnis mit anderen zu teilen. Fritz Erhard war Naturschutzreferent der AV-Sektion Lenggries, aber auch ein engagierter Tourenleiter, der sich im ganzen Alpenbogen zwischen Wien und Nizza auskannte, und in den Isarwinkler Bergen jeden alten Steig wusste, der heute in keiner Landkarte mehr eingezeichnet ist.

Legendär waren seine sorgfältig geplanten Sektionstouren zu außergewöhnlichen Bergzielen: mit Vorliebe in den Südalpen von den Julischen Alpen über Dolomiten und Bernina bis zum Bergell und zu vielen hierzulande nahezu unbekannten Gipfeln. Wild und weglos ging es mit ihm auf selten bestiegene Karwendelzinnen oder mit Jost Gudelius zu geheimnisvollen historischen Grenzsteinen.

Der Verstorbene entstammte einer Försterfamilie und ist zusammen mit sechs jüngeren Geschwistern in Vorderriß und Alt-Fall aufgewachsen. Er stand nicht nur für Naturliebe, sondern auch für Lebenskunst, für alles Kulturelle und gute Weine. Hinzu kam, dass seine Frau Rosemarie, mit der er fast 53 Jahre verheiratet war und zwei Söhne hat, im Freundeskreis den Ruf einer privaten Sterneköchin genoss. Bei seinen Freunden hinterlässt der Verstorbene nun ebenso wie in der Familie eine schmerzliche Lücke. (Rainer Bannier)

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