Sternstunde beim jüngsten Schafbockmarkt in Miesbach: Züchter Sebastian Exinger (re.) aus Lenggries verkaufte das Braune Bergschaf „Siegi“ an Josef Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen.
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Sternstunde beim jüngsten Schafbockmarkt in Miesbach: Züchter Sebastian Exinger (re.) aus Lenggries verkaufte das Braune Bergschaf „Siegi“ an Josef Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen.

Schafbockmarkt

Erfolg für Züchter aus Lenggries: Bergschaf „Siegi“ erzielt Rekordpreis

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Noch nie wurde in Deutschland ein Bergschaf für so viel Geld verkauft wie der Bock „Siegi“ aus Lenggries. Die Züchter Rosa und Sebastian Exinger sind von ihrem Erfolg selbst überrascht.

Lenggries – „Siegi“ hat beim jüngsten Schafbockmarkt in Miesbach Geschichte geschrieben. Der Bock wechselte dort zum Rekordpreis von 3600 Euro den Besitzer. Noch nie zuvor war in Deutschland ein so hoher Preis für ein Bergschaf gezahlt worden. Für die Züchter, Rosa und Sebastian Exinger aus Lenggries, ist das ein genauso ungewöhnlicher wie unerwarteter Erfolg.

„Ich hab’s gar nicht glauben können“, kommentiert Sebastian Exinger das Versteigerungsergebnis. „3600 Euro: Das kostet normalerweise eine gute Kuh.“ Für Bergschafe aber sei der Preis absolut außergewöhnlich. „Mit einem 1000er wäre ich eigentlich auch schon zufrieden gewesen“, sagt der Lenggrieser. Er habe aber Glück gehabt, dass sich mehrere Kaufinteressenten gegenseitig überboten und der Preis sich damit in die Höhe schraubte. Schließlich erhielt ein größerer Betrieb aus Garmisch-Partenkirchen den Zuschlag.

Das Braune Bergschaf ist eine bedrohte Rasse

Mehr als Glück war es freilich die züchterische Leistung des jungen Ehepaars, das zu dem herausragenden Verkaufsergebnis führte. Obwohl Sebastian Exinger erst 22 Jahre alt ist, hat er als Züchter schon viel Erfahrung. „Ich züchte Bergschafe, seit ich zehn bin“, sagt er. Professioneller betreibe er dieses Hobby seit etwa zwei Jahren.

Dabei konzentriert er sich auf das Braune Bergschaf. „Das ist eine heimische Schafrasse, die gut herpasst, robust und gut für die Alm geeignet ist“, sagt er. Zudem ist das Braune Bergschaf eine Seltenheit. „Es ist eine bedrohte Rasse, in Deutschland gibt es unter 1000 Zuchttiere“, erklärt der Experte.

Ab Mitte Mai leben die Braunen Bergschafe aus Lenggries auf der Alm

Früher hätten sich viele Adelige Braune Bergschafe gehalten, weil sie ihre Wolle für ihre Lodenmäntel brauchten. Heute werde nur noch weiße Wolle verwendet, die man dann färbt. Für die Wolle des Braunen Bergschafs sei im Verkauf kaum noch etwas zu erlösen. Sie sei aber bestens geeignet als Dünger für Tomaten, Blumenbeete und Geranien. Die Exingers geben sie im Familien- und Bekanntenkreis in Pelletsform ab.

Daheim im Lenggrieser Weiler Rauchenberg hält das junge Ehepaar um die 20 Zuchttiere, dazu die Lämmer, von denen im Frühjahr meist um die 40 zur Welt kommen. Nach fünf Monaten Tragzeit gebären die Schafe laut Exinger meistens Zwillinge. Im Winter stehen sie im Stall, Mitte April geht’s raus ins Freie, ungefähr Ende Mai weiter auf die Alm, wo die Tiere eine „super Landschaftspflege“ leisten, wie Sebastian Exinger sagt.

Fell, Bemuskelung und allgemeine Erscheinung als Bewertungskriterien

Was macht das perfekte Braune Bergschaf aus? Beim Verkauf auf dem Schafbockmarkt zählen drei Bewertungskriterien, wie der 22-Jährige erläutert. Da ist zum einen die Wolle, die schön lang, dicht und fettig und somit wasserabweisend sein muss. Sie muss sich auf dem Buckel des Tiers sauber scheiteln, damit der Regen gut abfließt. Seine Wolle schützt das Bergschaf davor, nass zu werden – in der rauen Bergwelt überlebenswichtig.

Zudem bewerten Experten auf dem Schafbockmarkt die Bemuskelung und die allgemeine äußere Erscheinung eines Bocks. „Er muss schön gerade dastehen, darf keine O- oder X-Beine haben, die Rückenlinie muss gerade sein. Vorne sollte der Bock eine Schaupe haben, das ist die Stirnwolle“, erklärt der Lenggrieser.

Bei „Siegi“ passte offenbar alles perfekt. Noch dazu konnte Exinger im „Herdbuch“ die exzellente Abstammung des Tiers nachweisen. Kein Wunder, dass der Bock aus Lenggries in die Wertklasse 1a eingestuft wurde. „Ein guter Züchter hat mir da schon gesagt: Okay, der wird richtig teuer“, berichtet Exinger. Das sollte sich bewahrheiten.

Exinger hält auch Bienenvölker und Altsteirische Hühner

Das richtige Gespür, welche Elternteile sinnvoll zusammenzubringen sind, dazu eine gute Fütterung mit Grummet, Heulage und etwas Gerstenbruch: Das sind laut Exinger Punkte, die ein guter Züchter beachten muss. Diese Art von Beschäftigung mit der Natur nimmt ihn schon lange in Beschlag. Auch als Kaninchenzüchter feierte er Erfolge, errang mit 19 Jahren den Titel des Deutschen Vizemeisters. Von den Langohren hat er sich mittlerweile verabschiedet, hält aber noch Bienenvölker sowie die seltenen Altsteirischen Hühner.

Seine Frau Rosa Exinger (21), mit der er seit dem vergangenen Jahr verheiratet ist, teilt seine Interessen – und die viele Arbeit, die damit verbunden ist. Für beide ist das aber letztlich ein Freizeitvergnügen. Sebastian ist hauptberuflich Zimmerer, Rosa macht eine Ausbildung als Käserin.

Eine weitere ganz besondere Schafrasse hält Agilof Perras in Wackersberg: das Walliser Bergschaf.

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