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Die Fachklinik Lenggries wird Ende Juni geschlossen.

Stimmungsbild der Mitarbeiter

Fachklinik Lenggries: Zusammenhalt bis zum Ende

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Lenggries - Trauer und Wut ist auf den Gängen der Lenggrieser Fachklinik zu spüren, seit Asklepios das Aus der Einrichtung verkündet hat. Die Angestellten wissen nicht, ob sie eine Abfindung bekommen und ob sie eine neue Arbeit finden.

Der Tag, an dem Asklepios-Geschäftsführer Dr. Joachim Ramming vor der versammelten Belegschaft der Lenggrieser Fachklinik ein gutes neues Jahr gewünscht und danach die Schließung bekannt gegeben hat, geht den Mitarbeitern nicht mehr aus dem Kopf. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier berichten sechs Angestellte aus verschiedenen Abteilungen, wie sie die Stimmung im Haus seitdem erleben. Sie alle möchten anonym bleiben, da sie Nachteile in den seit Freitag laufenden Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung über die Abfindungen befürchten.

Seit der Bekanntgabe, dass die Klinik Ende Juni schließt, hängt die Belegschaft der Fachklinik in der Luft. Die Stimmung ist „beschissen – und das ist noch geprahlt“, sagt ein Mitarbeiter. „Ich weiß gar nicht, wie es weitergeht“, ergänzt eine andere Pflegekraft. „Klar, ich könnte ganz woanders hin, aber hier habe ich meine Wohnung, Freunde und Familie.“ Ein Kollege sieht das ähnlich. „Ich könnte morgen woanders anfangen. Aber ich habe mir hier etwas aufgebaut“, sagt er und ringt um Fassung.

Für Bewerbungen sei es allerdings ohnehin noch zu früh. „Wir haben ja noch keine schriftliche Kündigung, kein Zwischenzeugnis und nichts“, sagt eine andere Angestellte. Sie will abwarten, was in den Sozialgesprächen ausgehandelt wird. Viel Hoffnung setzt sie allerdings nicht darauf. „Jeder hofft, dass etwas dabei rumkommt, aber so wie die sind, wird uns wohl noch was blühen.“

Am 30. Juni schließt die Fachklinik. Die Liegenschaft ist an eine Immo GmbH & Co. KG verkauft, hinter der sich unter anderem der Ex-Kasernen-Eigentümer Action Sports verbirgt. Was ab Juli kommt, ist ungewiss. Mit diesem Blick in die Zukunft fällt es schwer, sich zum Dienst zu motivieren. „Wenn ich aufgestanden bin, würde ich am liebsten gleich wieder ins Bett“, sagt eine Mitarbeiterin. Krankmelden sei trotzdem keine Option. „Die Leidtragenden wären ja die Kollegen.“ Man motiviere sich gegenseitig, um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten, sagt eine Angestellte. „Wir stehen zu unseren Patienten und Kollegen bis zum Ende. Nicht wie Asklepios.“ Das betont auch eine andere Pflegekraft. „Für uns sind die Patienten wichtig. Die können ja nichts dafür.“ Er versuche vielleicht sogar, noch härter zu arbeiten – für die Kranken, nicht für den Arbeitgeber, ergänzt er. „Ich hasse Asklepios nicht. Davon habe ich mich distanziert.“ Anders würde man es auch nicht aushalten.

Der Zusammenhalt der Belegschaft ist groß. „Wir sind zusammengewachsen über die Zeit, jetzt ist es, als würde eine Familie auseinanderbrechen“, sagt eine Therapeutin. Da mache man sich Sorgen um jeden Kollegen. Um die älteren Pflegekräfte, die vielleicht schwerer eine neue Arbeit finden, um die Angestellten der Servicegesellschaft, die keinen Betriebsrat haben und um die Mitarbeiter aus dem Ausland, die nicht wissen, ob sie weiter in Deutschland arbeiten können.

Die Patienten wurden über die derzeitige Situation informiert. „Sie waren total entsetzt und ihre Angehörigen entrüstet“, berichtet eine der Pflegekräfte. Den Angestellten gegenüber seien sie aber sehr verständnisvoll, sagt eine Therapeutin. „Sie verstehen, dass wir nicht 100-prozentig bei der Sache sind.“

Eigentlich haben diese Patienten ja noch Glück gehabt, sagt sie. „Sie haben noch eine Reha bekommen, vielen anderen wird das künftig verwehrt werden, im Münchner Süden gibt es wenig Angebote.“ Eine kleine Hoffnung setzen manche Angestellte in die Akut-Geriatrie, die in der Tölzer Asklepios-Klinik angedacht ist. Allerdings: „Unter diesen Bedingungen will keiner da weiterarbeiten“, vermutet eine Mitarbeiterin. Andererseits wolle aber auch niemand arbeitslos werden.

Die Art, wie Asklepios mit der Fachklinik-Familie umgegangen ist, ist das, was die Belegschaft einfach nicht versteht. „Jeder Bauer kümmert sich besser um seine Viecher“, heißt es über Ramming. Auch der neue Eigentümer kommt nicht gut weg. Christoph Hertwig – einer der Gesellschafter der Immo GmbH – sei im August in der Klinik gesehen worden. Auf Nachfrage habe es damals geheißen, dass es bei der Besichtigung nur um den Brandschutz gehe. „Da wurde uns ins Gesicht gelogen, das ist keine Art“, findet eine Mitarbeiterin. „Wir sind traurig und wütend ohne Ende. Das alles macht einfach fassungslos.“

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