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Kurz vor der Fertigstellung: Die Falkenhütte im Karwendel wird nach dreijähriger Umbau- und Renovierungszeit heuer eröffnet.

Vorbereitungen zur Wiedereröffnung laufen

Falkenhütte vor dem Neustart

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Die dreijährige Umbauphase der Falkenhütte ist fast. Nun steht auch fest, wer die neuen Pächter sind. 

Lenggries/Hinterriß– Seit fast drei Jahren ist die Falkenhütte in Hinterriß geschlossen. Nun müssen sich die Wanderer und Mountainbiker nur noch ein paar Wochen gedulden, ehe sie in dem Berghütten-Juwel wieder einkehren dürfen: Die Bauarbeiten sind so gut wie abgeschlossen, und die neuen Pächter stehen auch fest: Claudia Rackwitz-Hartmann (39) und ihr Ehemann Robert Rackwitz (42): „Wir sind stolz, dass wird diese Aufgabe übernehmen dürfen“, kommentiert Robert Rackwitz die Entscheidung der Alpenvereins-Sektion München und Oberland. „Wir empfinden dies als Auszeichnung.“

Die beiden neuen Pächter sind im Isarwinkel bestens bekannt – und blicken auf einen ungewöhnlichen beruflichen Werdegang zurück. Claudia Rackwitz stammt aus Kleinhartpenning, absolvierte eine Ausbildung in einem Reisebüro und arbeitete 20 Jahre bei der Lufthansa als Stewardess. Aufgrund der Corona-Krise bot ihr die Fluglinie an, bis 2023 unbezahlten Urlaub zu nehmen. Rackwitz-Hartmann sagte zu – und übernimmt nun die Falkenhütte.

Neue Pächterfamilie: Robert Rackwitz mit seiner Frau Claudia Rackwitz-Hartmann und den Töchtern Emilia (li.) und Lilli.

Robert Rackwitz ist gelernter Schreiner, arbeitete neun Jahre lang bei der Bundeswehr und schulte zum Kaminkehrer um. Anschließend übernahm er die Roß- und Buchsteinhütte, später die Florianshütte am Brauneck. Vor fünf Jahren suchte Rackwitz eine neue Aufgabe in einem Skigebiet mit mehr Schneesicherheit, und so beschloss er, die Enzianhütte im Skigebiet Saalbach-Fieberbrunn in Österreich zu kaufen. Von der Größenordnung her ist dies eine ganz andere Hausnummer: Die Enzianhütte bietet Platz für 1000 Menschen, um die sich 32 Angestellte kümmern. Ab 16 Uhr ist Ramba-Zamba beim Après-Ski angesagt. Die Saison beginnt am 1. Dezember und endet am 31. März, im Sommer ist zugesperrt.

Da die Falkenhütte mit einer Bewirtungszeit von Mitte Juni bis Mitte Oktober die perfekte Ergänzung ist, beschloss die Familie, sich zu bewerben. Dies erwies sich allerdings als nicht so einfach wie es klingt. Kurz vor dem Vorstellungstermin war die Grenze von Österreich nach Deutschland geschlossen worden. Die Rackwitz’ konnten somit nicht in die Alpenvereins-Zentrale nach München reisen. „Daher haben wir uns per Video-Konferenz beworben“, erinnert sich der 42-Jährige

Später folgten doch noch zwei persönliche Treffen, zum einen in München, zum anderen auf der Falkenhütte. Schließlich bekam die Familie den Zuschlag. „Da haben wir uns natürlich gefreut“, sagt Rackwitz, der schmunzelnd ergänzt: „Unser Bankberater war ganz schön überrascht, als wir ihm gesagt haben, dass wir eine Hütte neu eröffnen wollen. Er hat gesagt, dass sonst nur Leute zu ihm kommen, die Kredite zum Überleben brauchen.“ Natürlich wisse man nicht, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt: „Aber es bringt doch nichts, wenn man in dieser Situation nur die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und gar nichts mehr macht. Auch die Corona-Zeit wird irgendwann vorbeigehen.“

Drei Köche und drei Servicekräfte arbeiten mit

Die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung der Hütte laufen auf Hochtouren. Rackwitz ist gerade damit beschäftigt, Speisekarten und Inventarlisten zu erstellen – „vom Seifenspender über den Mülleimer bis hin zur Biertisch-Garnitur“. Drei Köche und drei Servicekräfte aus der Enzianhütte werden die Familie auf die Falkenhütte begleiten.

Rackwitz ist bewusst, dass ihn eine alles andere als leichte Aufgabe erwartet. Schon alleine wegen der Logistik. Die nächstgelegene Tankstelle ist beispielsweise eine Fahrstunde entfernt. „Da sollte man immer einen Ersatzkanister im Auto haben, sonst hat man ein Problem“, sagt Rackwitz. Ebenso müssen die beiden Töchter im Alter von sechs und 15 Jahren im Tal zur Schule gehen. „In Österreich haben wir neun Wochen Sommerferien – das geht schon“, sagt Rackwitz. „Es ist aufregend, aber wir haben uns das gut überlegt.“ Der Testbetrieb soll im August starten. Rackwitz: „Da pressiert nichts. Wir machen das lieber ruhig und gescheit.“

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