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Fall, Brauneck und Walchensee: So bereiten sich die Lawinenkommissionen auf den Winter vor

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Immer wieder kommt es in Bad Tölz-Wolfratshausen zu Lawinenabgängen. Das Archivfoto zeigt, wie 2006 eine Lawine die B11 zwischen Urfeld und Walchensee verschüttete.
Immer wieder kommt es in Bad Tölz-Wolfratshausen zu Lawinenabgängen. Das Archivfoto zeigt, wie 2006 eine Lawine die B11 zwischen Urfeld und Walchensee verschüttete. © Archiv

Drei Bereiche im Landkreis sind besonders lawinengefährdet. Dort wacht jeweils eine Lawinenkommission über die Sicherheit. Für sie beginnt jetzt die Saison.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist schon Tradition, dass sich vor und nach jedem Winter die Lawinenkommissionen des Landkreises im Heilbrunner Gasthof Reindlschmiede treffen, um sich auf den Winter einzustimmen beziehungsweise Bilanz zu ziehen. Beim jüngsten Termin blickte man nun voraus auf den Winter 2022/23, von dem bislang niemand weiß, wie viel Schnee oder Lawinengefahr er bringen wird. Allerdings: Bereits am 27. September wurde nach einem unvermittelten Kälteeinbruch die Lawinenlage über 1800 Meter Höhe erfasst.

Drei Lawinenkommissionen in Bad Tölz-Wolfratshausen

Inzwischen ist aber wieder „Saure-Gurken-Zeit“, wie Florian Streidl, zuständig für den Katastrophenschutz im Tölzer Landratsamt, zu Beginn der einstündigen Zusammenkunft sagte. Im Mittelpunkt stand der Bericht von Thomas Feistl, Chef der Lawinenwarnzentrale in München, bei der alle Meldungen der Lawinenkommission im Südbayerischen Raum zusammenlaufen. Im hiesigen Landkreis gibt es die Lawinenkommissionen von Lenggries, wobei 16 Mitglieder unter Obmann Ralf Kirchgatterer den Bereich der beliebten Skiabfahrten vom und am Brauneck überwachen. Klaus Bruckschlegl kümmert sich mit weiteren vier Männern um den Lawinenschutz im Bereich von Lenggries-Fall, vor allem entlang der Bundesstraße 307, aber auch um die Mautstraße Vorderriß.

Stimmten auf den kommenden Winter ein: Florian Streidl (li.) vom Tölzer Landratsamt und Thomas Feistl von der Lawinenwarnzentrale in München.
Stimmten auf den kommenden Winter ein: Florian Streidl (li.) vom Tölzer Landratsamt und Thomas Feistl von der Lawinenwarnzentrale in München. © Bock

Ein großes Gebiet hat auch die Kochler Lawinenkommission mit Christian Held als Obmann zu betreuen, schließlich ist die Bundesstraße 11, die am Walchensee entlangführt, von Lawinen gefährdet, die bei entsprechender Schneelage am steilen Fahrenberg ausgelöst werden können. Auch der Bereich der Staatsstraße 2072 zwischen Urfeld und Sachenbach, der für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, wird von den 14 Mitgliedern überwacht und notfalls mit Schranken dicht gemacht.

Pläne für Auffangdamm am Krummen Graben

In diesem Zusammenhang erwähnte der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter Martin Herda vom Staatlichen Bauamt Weilheim die Planungen für den bereits seit 2016 diskutierten Auffangdamm am Krummen Graben. Da in diesem extremen Steilstück Aufforstungen nicht sinnvoll oder sogar unmöglich sind, hat man sich schon damals Gedanken über bauliche Maßnahmen am unteren Ende der Rinne gemacht. Denkbar wäre eine acht Meter hohe Mauer, die bis zu 10.000 Kubikmeter Schnee abfangen könnte, sodass die Bundesstraße nicht gefährdet wäre. Wenn in Bereichen, die nicht gesichert oder überdacht sind, Lawinenabgänge drohen, werden in Absprache zwischen Landratsamt und Gemeinden Straßensperren vorgenommen, auch Pisten können dann gesperrt werden.

Florian Streidl wies dabei auf den Unterschied hin: „Straßensperren können bei Missachtung eine Strafe nach sich ziehen, was bei Skiabfahrten nicht der Fall ist, da es dort keine polizeiliche Überwachung gibt.“ Dennoch sollte man schon aus Gründen der eigenen Sicherheit entsprechende Sicherheitsmaßnahmen beachten.

Lawinen: Experten sehen keine Probleme durch Skitourengeher

Erfreulich sei, so Thomas Feistl, dass es im sogenannten überwachten Raum, also den Pisten und Straßen in den Bayerischen Bergen zwischen Bodensee und Berchtesgaden, der von den Mitarbeitern des Lawinenwarndienstes jeden Winter überwacht wird, noch keinen Lawinentoten gegeben hat. Außerhalb der Bereiche kam es aber sehr wohl zu Unglücksfällen. So beklagte man im vergangenen schneearmen Winter vier Todesopfer, die die Gefahrenlage in den Bergen falsch eingeschätzt hatten.

Florian Streidl berichtete in diesem Zusammenhang, dass es aus Sicht des Tölzer Landratsamtes und der Lawinenkommissionen keinerlei Probleme durch das immer beliebter werdende Skitourengehen gebe. Gerade Bergbahnbetreiber klagen aber immer wieder über uneinsichtige Bergsportler, die spät abends oder früh morgens die Skipisten zum Aufstieg und zur Abfahrt benutzen, ohne daran zu denken, dass Lebensgefahr durch den Einsatz der Pistenraupen bestehe.

Hoffnung auf Winter mit viel Schnee und wenigen Einsätzen

Inzwischen sind auch bei den Männern – Frauen gibt es in den Lawinenkommissionen kaum – Smartphone und Internet tagtägliches „Werkzeug“. Damit können aktuelle Daten und Fotos nach München übermittelt und in die täglichen Berichte eingearbeitet werden. Feistl: Wir freuen uns über jede Meldung, auch wenn nichts los ist.“

Ansonsten hofft man auf einen Winter mit viel Schnee, aber wenigen Einsätzen, wie Florian Streidl abschließend sagte. Ob der nach Wunsch verlaufen ist, wird dann bei der Dienstbesprechung im kommenden Frühjahr an gleicher Stelle festgestellt werden.

Von Karl Bock

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