Diesen Hinweis fand Günter Steindl: „Gegen Sie wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet.“

Sauer über Strafzettel für Parken im Naturschutzgebiet auf einem in der Karte ausgewiesenen Parkplatz

Parken im Naturschutzgebiet: „Hier geht’s ums Abkassieren“

Günter Steindl ist, gelinde gesagt, angefressen. Dem Dietramszeller droht seitens des Landratsamts ein Strafzettel über 55 Euro, weil er im Naturschutzgebiet Karwendel falsch geparkt hat.

Vorderriß – Den früheren Lehrer am Tölzer Gymnasium stört das happige Bußgeld weniger als vielmehr die Art und Weise, wie er da zur Kasse gebeten wurde. Er spricht von „rüder Gangart“ und von einem „unverhältnismäßigen Vorgehen“. Das Anliegen des Naturschutzes, dem sich der passionierte Bergsteiger zeitlebens verbunden fühlt, werde dadurch jedenfalls bestimmt nicht befördert. Der 70-Jährige parkte vor drei Wochen neben der Töl 24 von Vorder- nach Hinterriß auf einer breiten Kiesfläche und -straße, um das Galgenstangenjoch zu ersteigen. Die breite Forststraße nützen auch schwere Holzlaster. Der Platz nicht weit vor der „Oswaldhütte“ ist in der Karte des Alpenvereins von 2017 als Parkplatz ausgewiesen.

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„Woher der Alpenverein die Informationen für seine Karten nimmt, ist uns nicht bekannt“, schreibt Behördensprecherin Marlis Peischer in einer Stellungnahme. Die Fläche sei als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Nur auf den seit 2014 ausgewiesenen Parkplätzen sei das Parken erlaubt. Peischer lässt auch das Argument der „scheinbaren Geeignetheit einer Kiesfläche zum Parken“ nicht gelten. Auch Kiesflächen könnten Lebensraum geschützter Tiere und Blumen sein. Und wer hat den Strafzettel veranlasst? Peischers Antwort: „Verstöße gegen die Schutzgebietsbestimmungen werden sowohl von der Polizei als auch von den Rangern oder der Naturschutzwacht aufgenommen.“

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Günter Steindl räumt ein, dass er im Nachhinein neben der Straße in der Wiese ein seiner Meinung nach noch nicht all zu altes Hinweisschild auf ein Naturschutzgebiet mit zahlreichen Verbotssymbolen (Nicht zelten, Nicht parken etc.) gesehen hat. Und er gibt zu, dass an der Kiesfläche und breiten Zufahrt zu einer Forststraße kein ausdrückliches Parkerlaubnisschild steht. „Da habe ich wohl schlechte Karten.“

Aber er gehe seit vielen Jahre in die Berge, und dieses rigide Vorgehen der Behörde und Ranger gegen Falschparker sei ihm neu. Zumal die AV-Karte ja belege, dass der Platz von jeher als Parkfläche gedient habe. Man hätte also, sagt der Dietramszeller, einen Zettel ans Auto heften können, in dem um Verständnis für den Naturschutzgedanken geworben und auf den künftigen harten Kurs gegen Falschparker hingewiesen wird. Stattdessen werde auf dem Schreiben nur in Amtssprache mitgeteilt, dass „gegen Sie ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird“.

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„Ich habe mich so was von geärgert“, sagt der 70-Jährige. Das sei „unverhältnismäßig“. Da gehe gehe es nicht um den Naturschutz, „sondern ums Abkassieren“.

Bis zum gestrigen Donnerstag hat Günter Steindl noch keinen Bußgeldbescheid bekommen. Er werde aber auf jeden Fall Einspruch einlegen. Und er hofft, dass möglichst viele Wanderer und Bergsteiger im Karwendel durch die Berichterstattung vom neuen Kurs des Landratsamts erfahren. „Ich habe das jedenfalls nicht gewusst.“

Von Christoph Schnitzer

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