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Als Musiker kennen die meisten Menschen Sebastian Horn . In der Reihe „Lebenslinien“ verrät er aber noch ganz andere Details über sich selbst. Die Sendung wird voraussichtlich am 26. Februar ausgestrahlt. 

„Fishbones“-Sänger im Fernsehen

Die Lebenslinien des Sebastian Horn

In der BR-Sendung „Lebenlinien porträtiert zu werden, kommt einem „Seelenstriptease“ gleich. Der Isarwinkler Musiker Sebastian Horn, den die meisten mit den „Bananafishbones“ verbinden, hat trotzdem mitgemacht.

Lenggries„Ich kannte den Wastl als Sänger der Fishbones und als ,heimliche Stimme’ vom Nockherberg“, erzählt Regisseur Florian Danner. „Über ihn gibt es ja schon einige Filmbeiträge, aber die sind alle musikalischer Art. Wir sind über die Jahre in Kontakt geblieben und er hat jedes Mal ein bisschen mehr von sich erzählt. So ist dann irgendwann die Idee entstanden, dieses Porträt über ihn zu machen.“ Die Zustimmung dazu will wohl überlegt sein, denn „Lebenlinien bedeutet Seelenstriptease“, weiß Danner. „Alles steht und fällt mit der Offenheit des Menschen, der da porträtiert wird.“ Nicht nur Horn wurde dafür interviewt, es sind auch viele Wegbegleiter involviert: Musikerkollegen wie Gerd Baumann oder Florian Rein, Freunde und Familie; auch Archivmaterial kommt zum Einsatz.

„Ich hab mich umgehört, und alle sagten das, was ich selber auch finde: Das Format ,Lebenslinien’ ist die beste Sendereihe im BR. Ich hatte ein gutes Gefühl und außerdem sag’ ich zu allem ja – was nicht immer gut ist“, erinnert sich Sebastian Horn. Eins war klar: Ohne Familie geht es nicht, es gehört zum Konzept der Sendung, die privaten Seiten zu zeigen. „Für die Kinder waren die Dreharbeiten eigenartig, man ist ja in den normalsten Alltagssituationen nicht man selbst, wenn einer filmt. Aber sie haben sich schnell daran gewöhnt, dass ein paar Tage lang immer jemand da war und uns beim Kochen, Essen oder Dergleichem zugeschaut hat.“ Es seien sehr sympathische Leute gewesen, erinnert sich Horn, die eigentlich gar nicht weiter aufgefallen seien. Zwölf Drehtage in zwei Monaten waren angesetzt, Beginn war im vergangenen September.

„Es war spannend“, sagt Horn. Nur die Konfrontation mit den Jugendtagen sei heftig gewesen. „Durch die Interviews und Gespräche kamen Dinge hoch, an die ich schon lange nicht mehr gedacht hatte. Ich hab mich zwischendurch schon gefragt, ob das eigentlich irgend jemanden da draußen was angeht. Es ist ja erstaunlich, wie milde man manches durch diesen senilen Alterfilter sieht (er ist 47); und es war erstaunlich, was alles aufgebrochen wird, wenn man seine Jugend mal ehrlich betrachtet.“

Dennoch kamen die Sendung und die Aufnahmen dazu zum richtigen Zeitpunkt. „Klar hat das alles was mit mir gemacht“, sagt Horn. „2017 war sowieso ein sehr nachdenkliches Jahr.“ Sein Vater ist gestorben, er hat vieles infrage gestellt. „Ich hab versucht, ein neues Setup und neue Wege für mich zu finden, und ich glaube, dass ich langsam erwachsen werde. Das hat bei mir vielleicht ein bisschen länger gedauert als bei anderen.“ Die stärkste Erinnerung an die Arbeit mit den „Lebenslinien“ war der Drehtag an den Gumpen mit seinem besten Freund. „Das Wasser war eiskalt und das Team wollte immer wieder filmen, wie wir reinspringen, also sind wir immer wieder reingesprungen. Dabei hatten wir eine solche Gaudi. Man sollte so etwas viel öfter machen. Und einem guten Freund zeigen, wie wertvoll er einem ist.“

Ist er stolz darauf, dass ein Film nur über ihn gedreht wurde? „Nicht im eigentlichen Sinn. Ich selber seh’ mich ja überhaupt nicht als Künstler oder was Besonderes und ich steh’ nicht gerne im Mittelpunkt. Ich bin Mensch und ich bin Vater, und ich versuche, meine Umwelt positiv zu sehen und zu beeinflussen. Es macht mich oft nachdenklich, in welche Richtung diese Welt abdriftet.“ Auf der Bühne zu stehen, so empfindet er es, ist „wie eine Art Therapie. „Da darf ich schreien und alles rauslassen, dann geht es mir besser. Und stolz macht es mich allenfalls, wenn die Leute nach einem Konzert gut gelaunt und glücklich nach Hause gehen.“

Was die Ausstrahlung der Sendung angeht, „da bin ich total aufgeregt. Wahrscheinlich trau’ ich mich danach erstmal nicht mehr auf die Straße. Ich war ja sehr offen und ehrlich und es würde mir nicht gefallen, wenn das auf Drama gebürstet wird. Aber ich krieg es vorher zu sehen und hab ein Veto-Recht.“ Inzwischen ist der Film fertig geschnitten und bearbeitet; voraussichtlicher Sendetermin ist Montag, 26. Februar.

(Ines Gokus)

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