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Im Mittelpunkt des Streits zwischen dem Wasserwirtschaftsamt und Kraftwerksbetreiber Eberhard Pichler ist die gut zwei Kilometer lange Restwasserstrecke nach dem Flecker Wehr. Unser Foto zeigt den Beginn eben dieses Abschnitts. Das Wasser in diesem Bereich ist deutlich flacher, was für die Fische ein Problem ist. Die Streitfrage ist: Wie viel Wasser muss im Flussbett verbleiben, damit die Ökologie nicht durcheinander kommt?  

Flecker Wasserkraftwerk

Hitziger Streit ums Isarwasser

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Lenggries – Schwere Vorwürfe der Staatsregierung:   Betreiber des Flecker Wasserkraftwerks lässt zu wenig Restwasser übrig. Die Fische drohen dort zu ersticken.

In den Streit um die Restwassermengen am Flecker Wehr kommt Bewegung: Nachdem das Bayerische Umweltministerium der Isar in diesem Bereich einen „unbefriedigenden ökologischen Zustand“ attestiert hat, sieht sich Kraftwerksbetreiber Eberhard Pichler zunehmend unter Druck – zumal ihm eine Geldbuße von bis zu 50 000 Euro droht, wenn er sich nicht an die gültigen Richtlinien hält. Kontrollen haben ergeben, dass Pichler im Jahr 2015 bis zu 28 Prozent mehr Wasser aus der Isar ausgeleitet hat als er eigentlich dürfte.

Dass er die zulässigen Höchstwerte so stark überschritten haben soll, kann sich Pichler kaum vorstellen. „Natürlich versuchen wir, immer an der obersten Grenze zu fahren und so das Optimum herauszuholen“, gibt der 48-Jährige zu. „Aber fast 30 Prozent mehr – so viel Wasser ginge gar nicht durch die Maschinen.“ Das Problem sei laut Pichler, dass das Wasserwirtschaftsamt Weilheim seine Kontrollen direkt an der Schleuse durchführe, während er erst kurz vor der Turbine messe. In dem Kanal zwischen Wehr und Kraftwerk versickerten aber unzählige Liter im Boden. Diese Verluste will Pichler ausgleichen, indem er zum Teil mehr Wasser ausleitet als die erlaubten 7,6 Kubikmeter pro Sekunde.

Zum Hintergrund: Am Flecker Wehr zweigt Pichler Isarwasser ab, das durch einen Kanal – dem Mühlbach – zu seinem Kraftwerk geleitet wird. In Konsequenz bildet sich nach dem Flecker Wehr eine gut zwei Kilometer lange Restwasserstrecke im Flussbett der Isar, die vor allem in den Niedrigwasserzeiten zwischen Oktober und Februar sehr wenig Wasser führt.

An dieser Restwasserstrecke stören sich im Sommer nicht nur Bootsfahrer, die ihre Boote zum Teil bis zum nördlichen Ortsende von Fleck tragen müssen, wo der Kanal nach dem Kraftwerk wieder in die Isar mündet. Auch den Fischern ist der Abschnitt ein Dorn im Auge, weil Bachforelle, Mühlkoppe, Huchen und Co. dort keine guten ökologischen Bedingungen vorfinden. Schlimmstenfalls könnten die Fische ersticken, da in dem niedrigen Restwasser der Sauerstoffgehalt rascher zurückgeht. Das liegt zum einen daran, dass sich das Wasser in diesem Bereich schneller erwärmt. Zum anderen ist die verminderte Fließgeschwindigkeit das Problem.

Nicht nur deshalb sagt Karl Probst: „Das Flecker Wehr kann auf keinen Fall so bleiben.“ Der Vorsitzende des Vereins „Rettet die Isar jetzt“ bemängelt vor allem drei Punkte. Da wäre zunächst einmal der Schutz der Fische, der durch den Einbau eines Rechens am Wehr selbst verbessert werden soll. Bislang gibt es nur kurz vor dem Kraftwerk eine entsprechende Vorrichtung. Außerdem fordert Probst, der in den Verhandlungen zwischen den Behörden und Pichler vermittelt, eine neue Fischtreppe, um die sogenannte Durchgängigkeit der Isar zumindest bis zum Sylvensteinspeicher zu gewährleisten. Die vorhandene Aufstiegshilfe funktioniert nicht, so dass die Fische die Isar nicht durchwandern können, worauf sie aber genetisch programmiert sind.

Bezüglich dieser beiden Punkte sieht Probst die Verhandlungen auf einem guten Weg, zumal Pichler betont: „Ich will nicht, dass die Isar oder die Fische darin zu Schaden kommen.“ Aus diesem Grund ist der Kraftwerksbetreiber unter anderem bereit, für mehrere 100 000 Euro eine neue Fischtreppe zu bauen.

Der Knackpunkt in den Verhandlungen ist die Restwassermenge: Ein möglicher Kompromiss wäre, dass Pichler mehr als die erlaubten 7,6 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausleiten dürfte, wenn die Isar ohnehin viel Wasser führt. Im Gegenzug müsste der Kraftwerksbetreiber in Niedrigwasserzeiten aber auch dafür sorgen, dass deutlich mehr Restwasser in der Isar bleibt als die bislang erlaubten 500 bis 1000 Liter pro Sekunde. Das Problem: Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim fordert mit 2300 Liter pro Sekunde mehr als das Doppelte. „Für mich wären solche Mengen existenzbedrohend“, betont Pichler. „Ich sehe ja ein, dass sich etwas ändern muss, aber alles mit Augenmaß.“

Dem Kraftwerksbetreiber geht es jedoch nicht nur um seine Existenz, sondern vor allem um die Produktion von regenerativer Energie: „Je weniger Wasser ich durch das Kraftwerk laufen lassen darf, desto weniger sauberen Strom kann ich produzieren.“ Aktuell erzeugt das älteste Wasserkraftwerk im Süd-Landkreis jährlich 3,8 Millionen Kilowattstunden, womit ein Drittel der Lenggrieser Haushalte im Jahresmittel versorgt werden könnte.

Dennoch befürchtet der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn, der auch für den Landkreis zuständig ist, dass das Flecker Wasserkraftwerk „mehr Schaden anrichtet als es nutzt“. Das Thema ökologische Durchlässigkeit und die Restwassermengen in der Isar sind laut von Brunn derzeit ein großes Thema im Landtag, da der bayerische Restwasserleitfaden bis Ende des Jahres überarbeitet werden soll.

Vor diesem Hintergrund hatte der Politiker eine Anfrage an das Umweltministerium gestellt. In einem Antwortschreiben attestiert die Staatsregierung den anfangs erwähnten, „unbefriedigenden ökologischen Zustand“ der Isar. Bis spätestens 2021 muss Pichler entsprechende Maßnahmen – etwa eine neue Fischtreppe – ergreifen, um das zu ändern.

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