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Eindrucksvolle Fotos und Kurzfilme aus der Unterwasserwelt bekamen die gut 130 Besucher im Lenggrieser Alpenfestsaal zu sehen. 

 Forscher aus Lenggries hält Vortrag in seiner Heimat

Unterwasser-Archäologe Florian Huber: Der Mann, der aus der Kälte kam

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Forschungstaucher Florian Huber ist weltweit unterwegs - als Unterwasserarchäologe hat er sich einen Namen gemacht. In seiner Heimat Lenggries zeigte er jetzt bei einem Vortrag faszinierende Bilder.

Lenggries– Einige Lenggrieser kennen ihn wohl noch, vermutet Florian Huber. „Als Lausbua und als Linksaußen im Nachwuchs des Lenggrieser SC.“ Der Lausbua blitzte bei seinem kurzweiligen Dia-Vortrag im Alpenfestsaal stellenweise durch, den sportlichen Herausforderungen ist der 43-Jährige treu geblieben – unter Wasser: Huber, der in Lenggries aufwuchs, als Unterwasser-Archäologe aber ans andere Ende Deutschlands nach Kiel zog, ist einer von wenigen Forschungstauchern, die auch unter schwierigsten Bedingungen in weitverzweigten Höhlensystemen oder großer Tiefe zurechtkommen. Anhand vieler Fotos nahm er die gut 130 Besucher im Alpenfestsaal mit auf eine Reise zu seinen verschiedenen Forschungsprojekten von Nord- und Ostsee über Mexiko bis Mikronesien und zurück zum Walchensee.


Huber begleitete die eindrucksvollen Fotos und Kurzfilme über 70 Minuten lang mit Zahlen und praxisnahen Fakten. Um 80 Meter unter der Wasseroberfläche nach Schiffswracks tauchen zu können – für einen Sporttaucher sind schon 40 Meter viel –, seien eine besondere Ausrüstung und viel Training erforderlich. „Da unten ist es stockdunkel, es wächst nichts, dafür ist es saukalt, man muss sich extrem einpacken, braucht mehrere Tauchflaschen“, sagte Huber. 80 Kilogramm Ausrüstung kommen da leicht zusammen. Nur so konnten er und sein Team beispielsweise das Kriegsschiff „Mars“ mit seinen 120 Kanonen in der Ostsee erforschen. Mithilfe unzähliger Fotos und 3-D-Technik gelang es ihnen mittlerweile sogar, ein Modell von dem Wrack anzufertigen.

Vor Helgoland in der Nordsee stieß Huber auf ein U-Boot, das nach dem 1. Weltkrieg bei einer Überführung nach England unter mysteriösen Umständen gesunken ist. Huber klärte dieses Rätsel auf – mithilfe etlicher Tauchgänge, bei denen sich der Verdacht erhärtete, die UC 71 sei absichtlich versenkt worden. Erst anhand eines Tagebuchs wurde Gewissheit daraus: „Es war der Wille der Mannschaft, dass das Schiff nicht übergeben wird“, sagt Huber, der die Ereignisse in seinem aktuellen Buch „Kein Engländer soll das Boot betreten!“ spannend darlegt.

Genauso spannend waren seine Dokumentationen von den 1000 Kilometer langen Höhlensystemen in Yucatán/Mexiko. Dort gibt es 3000 Wasserlöcher, in die sich erfahrene Höhlentaucher hineinbegeben und die Kavernen erkunden. „Höhlentauchen sieht schön locker aus, ist aber extrem schwierig“, sagte Huber. „Aber mit einer langwierigen Gefahrenanalyse kann man das Risiko minimieren.“ Bei den Tauchgängen entdeckten Huber und sein Team viele Dinge, „die an Land niemals so lange überdauert hätten“. Feuerstellen, eine Ansammlung menschlicher Schädel, wahrscheinlich ein Friedhof der Mayas, Überreste ausgestorbener Tiere wie Riesenfaultier oder Mammut. Auch diese Entdeckungen zeigte Huber in beeindruckenden Bildern.

Bei seiner Expedition nach Mikronesien und den dortigen Schiffswrack-Tauchgängen wurde ihm ein weltweites Problem bewusst: „Unter Wasser liegen Tausende Schiffe mit Munition, Treibstoff und Öl an Bord“, sagt Huber. Durch Salzwasser setzen die Eisenteile und -Fässer Rost an. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es dadurch an vielen Stellen im Meer zu Umweltverschmutzung kommt.“

Interessante Entdeckungen machte Huber auch im Walchensee nahe seiner Heimat. Im bis zu 190 Meter tiefen, meist kristallklaren Wasser unternahm er einige Tauchgänge mit dem Tauchboot Jago in extremer Tiefe. „Das mache ich gerne noch einmal.“ Vielleicht, wenn es ihn wieder in den Süden zieht: „Irgendwann komme ich wieder zurück nach Lenggries.“ 

Lesen Sie auch: „Tauchgang ins Totenreich“

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