Wie geht es auf dem Kasernenareal weiter? Auch diese Frage beschäftigte die Freien Wähler am Freitagabend.S2072: „Krimineller“ZustandGesamtkonzeptfür den Verkehr

Verkehr ist Thema in Versammlung

Freie Wähler Lenggries: Staatsstraße ist in „kriminellem Zustand“ - Parksünder behindern Feuerwehr

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Ganz schön zur Sache ging es in der Jahresversammlung der Lenggrieser Freien Wähler. Im Mittelpunkt der Diskussion standen das Thema Verkehr sowie die künftige Nutzung der Kaserne.

Lenggries/Wegscheid – So lebhaft wurde schon lange nicht mehr bei einer Versammlung der Lenggrieser Freien Wähler diskutiert. War beim Jahresrückblick vom Vorsitzenden Markus Landthaler und von Fraktionschef Günter Haubner noch alles wie immer, gab es unter dem Punkt Verschiedenes eine über einstündige kontroverse Debatte. Ob eigentlich bei der Staatsstraße 2072 mal etwas vorwärts gehe, fragte ein Zuhörer. Die sei nämlich „in einem furchtbaren Zustand. Der ist kaum noch tragbar.“

Tatsächlich ist das seit Langem ein leidiges Thema. „Das Staatliche Bauamt weiß darum und will auch die Grasmüller-Kurve begradigen“, sagte Landthaler. Zwar sei das Problem mit dem FFH-Gebiet mittlerweile gelöst, „aber momentan scheitert es an den Grundstücksverhandlungen“, sagte Haubner. Man könne nur hoffen, „dass sich da was tut“, sagte der Fraktionschef mit Blick auf das Stück Richtung Wegscheid. „Das ist mittlerweile kriminell da raus.“ Auch Kreisbrandrat Alfred Schmeide forderte: „Dort muss eine Lösung gefunden werden.“ In der Vergangenheit sei die Feuerwehr immer wieder zur Verkehrsregelung hinzugezogen werden, wenn an schönen Wintertagen der viele Verkehr auf der sehr engen Strecke zu chaotischen Zuständen geführt habe. „Das wird es so nicht mehr geben. Das ist Aufgabe der Gemeinde, der Polizei oder des Straßenbaulastträgers“, sagte Schmeide.

Der betroffene Grundstücksbesitzer hat sich mittlerweile in der Redaktion gemeldet. Er bestreitet, dass es bislang überhaupt Gespräche mit ihm über Grundabtretungen für die Verlegung der S2072 gegeben habe. „Mit mir hat noch nie jemand gesprochen.“

Verkehrsproblem im Ort: „Viele parken auf den Gehsteigen“

Aber auch im Lenggrieser Ortskern gebe es gravierende Verkehrsprobleme. Die Münchner Straße sei oft so zugeparkt, dass Einsatzkräfte mit ihren Autos das Feuerwehrhaus nicht mehr erreichen, sagte Schmeide. „Wir haben eine Hilfsfrist von zehn Minuten. Die schaffen wir nicht, weil wir nicht zum Feuerwehrhaus kommen.“ Ähnliches hatte Kreisbrandmeister Anton Leeb bei der CSU vorgebracht. Auch an anderen Stellen führt das Parkverhalten zu Problemen. „Eigentlich ist die Situation im Ort untragbar. Wir haben Glück, dass bislang noch nichts passiert ist“, sagte Schmeide.

Auch Inklusionsbotschafter Markus Ertl wies auf viele Probleme hin. „Die Leute haben überhaupt kein Unrechtsbewusstsein und parken auf dem Gehsteig.“ Das stellt nicht nur für blinde Menschen wie Ertl ein unüberwindbares Hindernis dar, sondern auch für Senioren mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen.

Das Problem sei doch auch, dass viele der Parkplätze, die eigentlich von Kunden genutzt werden sollen, permanent von Mitarbeitern aus dem Geschäften belegt seien, sagte Ertl. „Und beim Kindergarten steht das Personal auf den Kurzzeit-Parkplätzen“, ergänzte Schmeide.

Überwachung des ruhenden Verkehrs „ist wohl unumgänglich“

„Das ist ein Problem, an das man ran muss“, sagte Haubner. Die Überwachung des ruhenden Verkehrs sei wohl unumgänglich. Die beiden Lenggrieser Gendarmen könnten das nicht leisten, betonte Landthaler, die beiden Verkehrsüberwacherinnen, die früher ab und zu mal in Lenggries unterwegs waren, seien in Rente. Daher müsse der Gemeinderat nun entscheiden, wie man in Sachen Verkehrsüberwachung weiter vorgehen will. „Man bringt die Parksünder nur weg, wenn man Knöllchen schreibt“, sagte Ertl.

Es seien aber nicht nur die Dauerparker das Problem, sondern auch die Autos, die kurzzeitig einfach irgendwo halten, ergänzte Heinz Gascha. Ein Nadelöhr ist für ihn die Postagentur an der Bahnhofstraße, „wo es Null Parkplätze gibt“. Und nur ein paar Meter weiter verschärfe die Gemeinde nun die Lage, durch die Ansiedelung von zwei Kindergartengruppen im ehemaligen „Post“-Hotel an der Marktstraße, sagte Heinz Gascha. Der Zugang zum Kindergarten erfolge aber nicht von der Marktstraße, sondern von der Rückseite des Gebäudes, und dort seien auch Parkplätze, entgegnete Haubner, bekannte aber auch, dass der Standort im Gemeinderat zu Debatten geführt hatte.

Kindergarten-Neubau auf dem Kasernen-Areal?

Alois Leichmann fragte sich, warum man in Sachen Kindergarten beständig „auf Flickwerk“ setze und nicht einmal „einen gescheiten, großen Kindergarten baut“. Die Kaserne könnte dafür der ideale Standort sein. Auch Schulen und Behörden könnte man dort oben ansiedeln und an den jetzigen Standorten mit Wohnungsbau nachverdichten, lauteten weitere Vorschläge aus der Versammlung. Für den Verkehr, so Eva Baumann, brauche es zudem ein Gesamtkonzept. „Das kann man nicht durch Einzelmaßnahmen lösen, sonst verschiebt man nur das Problem.“

Gemeinderat Peter Gascha bedankte sich nach über einer Stunde für die offene Diskussion. „Das ist gut, damit wir wissen, wo die Reise hingeht.“ Die Fraktion der Freien Wähler werde sich auf jeden Fall eingehend damit beschäftigen, wie man die Themen angehen könne. „Wir haben einen Riesentrümmerhaufen vor uns, der bewältigt werden muss.“

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