+
Künstlicher Geschiebetransport: Lastwagen kippen den Kies unterhalb der Schwarzenbachmündung in die Isar.

Geschiebeumsetzung 

Frischer Kies fürs Isarbett

  • schließen

Da muss sich die Isar kräftig ins Zeug legen. Unterhalb der Schwarzenbachmündung bei Wegscheid lässt das Wasserwirtschaftsamt Weilheim rund 5000 Kubikmeter Kies in das Flussbett kippen. Bei Hochwasser soll der Fluss das Geschiebe dann mitnehmen.

Lenggries – Seit Montag sind die schweren Lastwagen der Firma Rest im Einsatz. Das Unternehmen aus Benediktbeuern hat den Zuschlag für die sogenannte Geschiebeumsetzung bekommen. Bis zu sieben Vierachser schickt der Firmenchef auf die Straße. „Die Lkw sind pausenlos im Einsatz“, sagt Flussmeister Helmut Henkel. Die Laster, von denen jeder rund 12 Kubikmeter transportieren kann, bringen täglich bis zu 700 Kubikmeter vom Sylvensteinsee nach Wegscheid.

Durch den Speichersee ist die natürliche Geschiebeführung an der Isar unterbrochen, so Roland Kriegsch. Der Amtsleiter der Weilheimer Behörde hat alle Beteiligten bereits im November vergangenen Jahres bei einer Informationsveranstaltung im Tölzer Landratsamt über das sogenannte Sedimentmanagement informiert. „Die Details der einzelnen Maßnahmen wurden im Dezember vor Ort besprochen und festgelegt“, so Kriegsch.

Jetzt geht es an die Umsetzung. Dabei wird das Gesteinsmaterial, das die Dürrach in die Vorsperre des Sylvensteinspeichers geschwemmt hat, mit Lastwagen abtransportiert und nach Wegscheid gebracht. Gut mehr als 400 Fahrten sind notwendig. Entlang einer Außenkurve unterhalb der Schwarzenbachmündung kippen die Lkw den Kies ab. „Die Stelle ist ideal, weil die Strömung bei Hochwasser den Kies mitnimmt“, so Henkel beim Ortstermin.

Mit der Maßnahme will das Wasserwirtschaftsamt (WWA) die Gewässersohle stabilisieren. So will man zudem Seitengewässer wie den Schwarzenbach anbinden und die „Bildung von isartypischen Sohl- und Uferstrukturen fördern“, heißt es in einer WWA-Mitteilung.

Fischer und Naturschützer begrüßen den Eingriff. Der Landesfischereiverband unterstützt das Vorhaben, weil Isar, Fisch und Geschiebe untrennbar miteinander verbunden sind. Nicht nur das Gewässer leide unter dem Geschiebemangel, auch die Fischfauna gerate zunehmend unter Druck. „Geschiebe und Totholz sind von enormer Bedeutung für die Verbesserung der Verhältnisse für die Fische“, hatte Johanes Schnell vom Landesfischereiverein bei der Infoveranstaltung im vergangenen November erklärt. Die Stabilisierung der Flussohle sei ausschlaggebend, damit Jungfische die sogenannten Seitenhabitate wieder erreichen können. Neben dem Geschiebe müsse laut Schnell vermehrt auch Totholz umgesetzt werden.

Zum Schutz der Bestände haben Mitglieder des Lenggrieser Fischereivereins vor Beginn der Maßnahme die Außenkurve mit Elektrofischfangeräten abgefischt und die Forellen und ihre Artgenossen an anderer Stelle wieder eingesetzt.

Begrüßt wird die Geschiebeumsetzung auch von der Unteren Naturschutzbehörde am Tölzer Landratsamt. Dort wird dem Erhalt und der Verbesserung der natürlichen Flussdynamik und des Geschiebedargebots im „Managementplan des FFH-Gebiets Obere Isar“ und im Hotspotprojekt „Alpenflusslandschaften“ große Bedeutung beigemessen. „Diese sind für die Verbesserung der Lebensräume von Arten wie dem Huchen und der Deutschen Tamariske ausschlaggebend“, so Joachim Kaschek. Als Fachkraft für Naturschutz begleitet er das Sedimentmanagement. Der Huchen bevorzuge beispielsweise frischen Kies bei der Laichablage. Die Tamariske breite sich als sogenannte Pionierpflanze auf neu gebildeten Schotterflächen in Flüssen aus. Die Maßnahme an der Schwarzenbachmündung sei ein weiterer Beitrag, um das Geschiebedefizit zu verbessern.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Alm-Abtrieb: B 307 am Wochenende offen
Die B 307 ist vom Sylvensteindamm Richtung Kaiserwacht seit einer Woche gesperrt. Am Wochenende wird die Sperrung aufgehoben.
Alm-Abtrieb: B 307 am Wochenende offen
Heute Großübung von BRK und Feuerwehren im Loisachtal
Heute Großübung von BRK und Feuerwehren im Loisachtal
Lkw beim Abbiegen übersehen
Geduld brauchten am frühen Freitagnachmittag Autofahrer, die auf der B 472 unterwegs waren. Ein Unfall auf Höhe der Abzweigung in die Langau brachte den Verkehr zum …
Lkw beim Abbiegen übersehen

Kommentare