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„Sehr sympathisch und am Boden geblieben“: Robert Werner mit Campino auf der After-Show-Party.

Wahre Fanliebe

Für die Toten Hosen um den halben Erdball

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14 Stunden Flug, nur um die Lieblingsband einmal an einem ganz besonderen Ort zu erleben? So etwas machen nur eingefleischte Fans der „Toten Hosen“. So wie zwei Lenggrieser, die jetzt zu einem der Kultkonzerte der Punkrocker nach Buenos Aires flogen.

Lenggries/Buenos Aires– Seit er 13 ist, ist es um Robert Werner geschehen. Da überreichte ihm eine Freundin eine Kassette mit überspielter Musik. Auf der Rückseite entdeckte er unvermutet Lieder der Toten Hosen. Heute ist der Lenggrieser 45. Und noch immer ist für ihn klar, dass er den Punkrockern gemäß deren Band-Slogan die Treue halten wird: „Bis zum bitteren Ende“.


Oder, wie er seit Kurzem wohl auch auf Spanisch sagen müsste: „Hasta el amargo final“. Denn Robert Werner und seine Frau Ursula (43), ebenfalls glühender Hosen-Fan seit früher Jugend, haben sich einen Traum erfüllt. Die Inhaber des Lenggrieser „Altwirt“, die mit Hosen-Schlagzeuger Vom Ritchie auch persönlich befreundet sind, reisten zu einem Konzert der Kultband nach Buenos Aires.

Mit den Toten Hosen und Buenos Aires hat es eine besondere Bewandtnis: „Unter den Hosen-Fans gibt es eine Art Sprichwort“, erklärt Robert Werner. „Erst wenn man sie einmal in Argentinien gesehen hat, hat man sie wirklich gesehen.“ Am Río de la Plata genießen die Toten Hosen seit über 20 Jahren Kultstatus.

Ungefähr genauso lange hegt das Ehepaar Werner den Wunsch, einmal ihre Lieblingsband dort live zu erleben. „Diesmal war es so, dass unser Betriebsurlaub genau in die Woche gefallen ist, in der das Konzert in Buenos Aires war“, erzählt Robert Werner. „Da haben wir gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Rund 20 000 Fans im Hockeystadion

Die Reise hat sich nach der Schilderung der Lenggrieser gelohnt. „Das Publikum dort ist komplett anders“, sagt Robert Werner, und Ursula schwärmt: „Die Argentinier sind noch begeisterungsfähiger. Sie haben fleißig die Texte mitgesungen, selbst wenn sie die deutschen Texte gar nicht verstanden haben.“ Allgemein sei zu spüren gewesen, dass in Argentinien die Punkrock-Begeisterung größer und verbreiteter sei. Das habe sich auch daran gezeigt, dass der Frauenanteil im Publikum deutlich höher gewesen sei, während „bei uns meistens nur Männer ganz vorne stehen“, wie Ursula Werner feststellt. Rund 20 000 Fans jubelten den Toten Hosen in einem Hockeystadion zu. Etwa 300 Anhänger waren wie die Werners aus Deutschland angereist.

Gute Freunde: Ursula Werner mit Hosen-Schlagzeuger Vom Ritchie in einem Club in Buenos Aires.

Das Lenggrieser Fan-Paar mit besten Kontakten zur Band war auch zum Backstage-Besuch eingeladen. „Wie’s dort abläuft, ist schon um einiges abenteuerlicher als hier“, sagt Robert Werner, der schon etwa 100 Hosen-Konzerte miterlebt hat. Vertraut war den Lenggriesern allerdings die familiäre Atmosphäre unter der mittlerweile mehrere Generationen umspannenden Anhängerschaft der Punkrocker. „So ein Konzert lebt nicht von der perfekten musikalischen Darbietung, sondern vom Gesamtpaket und der Freundschaftlichkeit“, fasst es Ursula Werner zusammen.

Die drei Kinder mussten zuhause bleiben

Die eigenen Kinder der Werners, eine Tochter (16) und zwei Söhne (14 und 10), sind übrigens ebenfalls begeistert von den Toten Hosen. Sie mussten in diesem Fall allerdings zu Hause bei Oma und Opa bleiben.

Für das Ehepaar Werner war das Buenos-Aires-Abenteuer mit dem Konzert und dem anschließenden Feiern mit den Hosen in einer Bar freilich noch nicht vorbei. Zu ihrem „Punkrock-Holiday“, wie es Robert Werner nennt, gehörten innerhalb einer Woche noch fünf Auftritte der Band Cryssis, in der Vom Ritchie spielt. Dazu ging es in Clubs in verschiedenen Ecken der 14-Millionen-Einwohner-Metropole. „Auf diese Art sind wir ganz schön rumgekommen in Buenos Aires“, sagt Ursula Werner.

Vom Ritchie kennen die beiden seit sechs Jahren, als der Schlagzeuger zum Jubiläum der Musikschule Trommelfell eingeladen war und sich auf Vermittlung des Musiklehrers Sepp Müller beim „Altwirt“ einquartierte. Werners, die ihr ganzes Zuhause mit Postern, T-Shirts, Mützen, Schals und Fotos von den Toten Hosen verziert haben, hatten selbstverständlich gleich einen guten Draht zu dem aus England stammenden Musiker. „Eine Nacht an der Bar, und die Freundschaft war besiegelt.“

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Ritchie trat seither mehrmals mit Cryssis im Isarwinkel auf, feierte sogar seinen 50. Geburtstag im Tölzer „Jailhouse“. Auch die anderen Hosen-Mitglieder lernten die Werners schon kennen. Sie alle seien „sehr sympathisch und am Boden geblieben“. Das gelte genauso für Frontmann Campino.

In ihrer Woche in Buenos Aires blieb den Werners trotz des anspruchsvollen Nacht-Programms noch genügend Energie, um tagsüber die Stadt zu erkunden. Ob nun auf der Prachtstraße Avenida 9 de Julio oder an Evitas Grab bestand ihr Pflicht-Outfit aus der mitgebrachte Kollektion an Hosen-T-Shirts. Zu ihrem Erstaunen stießen sie damit auch im Alltag am Río de la Plata auf positive Resonanz. „In der U-Bahn oder vom Kellner: Wir wurden immer wieder auf die Toten Hosen angesprochen“, sagt Robert Werner.

Kurz nach der Rückkehr aus Südamerika haben die Werners ihre Idole übrigens schon bald wieder live erlebt: beim Ski-Opening in Schladming. „Da haben sie den Leuten bei minus drei Grad genauso eingeheizt wie ein paar tage vorher bei 30 Grad in Buenos Aires.“

Ein „großer Traum“ bleibt

Doch auch nach diesen Erlebnissen bleibt dem Isarwinkler Wirt noch ein „großer Traum“, wie er sagt. „Irgendwann müssen die Hosen mal in Lenggries spielen. Ein Wohnzimmerkonzert fehlt mir noch in meiner Sammlung.“

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