G7 Gipfel 2015 Schloss Elmau Grenzkontrollen
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Die Papiere, bitte: Die Polizisten (v. li.) Sven Hinrichs, André Saathoff und Carsten Weidanz kontrollieren an der Grenze. Dieses holländische Ehepaar reagiert hoch erfreut, als Weidanz sie in ihrer Landessprache begrüßt.

Berge statt Meer für ostfriesische Polizisten

G7-Kontrollen: Ein Tag bei den Grenzern vom Achenpass

Lenggries - Grenzkontrollen gehören eigentlich der Vergangenheit an. Dieser Tage aber haben sich auch am Achenpass wieder Polizisten postiert - wegen des G7-Gipfels auf Schloss Elmau. Wir haben die Beamten besucht. 

Ein rotes Warndreieck mit der Aufschrift „Einsatz“, daneben ein Schild, das ein Tempolimit von zehn Stundenkilometern verkündet – und im Hintergrund, an der Grenzstation, Männer mit blauer Uniform, weißen Polizeimützen und Bundesadler auf dem Ärmel: Es scheint ein Bild aus der Vergangenheit zu sein, das sich dieser Tage Autofahrern auf dem Weg vom Achensee in Richtung Sylvensteinsee und Kreuth bietet. 20 Jahre nach Inkrafttreten des Schengener Abkommens gibt es seit Dienstag wieder Grenzkontrollen am Achenpass.

An dem Kontrollhäuschen – heute sind dort antike Kachelöfen ausgestellt – müssen nun wieder einige Autofahrer anhalten statt wie gewohnt vorbeizufahren. „Der Schengener Vertrag sieht in Passus 23 vor, dass die Grenzkontrollen in bestimmten Fällen vorübergehend wiedereingeführt werden können“, erklärt Polizist Thomas Schweikl. Und so ein „bestimmter Fall“ ist jetzt der G7-Gipfel am 7. und 8. Juni in Schloss Elmau. Sieben Grenzstationen in der Region hat das Innenministerium in Betrieb genommen, um gewaltbereite Demonstranten an der Einreise zu hindern. Eine Besonderheit am Achenpass: „Die Grenzstation liegt auf österreichischem Gebiet“, erklärt Schweikl. Dass deutsche Polizisten hier Kontrollen durchführen dürfen, gehe auf ein Abkommen aus den 1950er-Jahen zurück. „Das hat noch Bestand.“

Die G7-Grenzpolizisten werden auch gern nach dem Weg gefragt

Der Polizist aus Niederbayern arbeitet derzeit für die Pressestelle des G7-Gipfels. So wie viele andere Kollegen von der Bundespolizei hat er sich freiwillig für den gut zweiwöchigen Einsatz beim G7-Gipfel gemeldet. „So ein Ereignis mit internationalem Bezug erweitert den Horizont, dienstlich und privat“, sagt sein Kollege Frank Steigerwald, der normalerweise Öffentlichkeitsarbeit für die Bundespolizei am Flughafen in Hannover macht – und rund um den G7-Gipfel.

Insgesamt tummeln sich aktuell über 15.000 Beamte aus allen Ecken Deutschlands in der Region. Auf den Straßen im Landkreis sieht man viele Polizeiautos, zumal etliche Einsatzkräfte ihre Unterkunft im Umkreis bezogen haben, etwa in Bad Tölz, im Arabella Brauneck Hotel oder in der Jugendsiedlung Hochland. Nicht in den Schutz des Großereignisses einbezogen sind dagegen die Kräfte der Polizeiinspektion Bad Tölz. Die haben zwar Urlaubssperre, „aber wir bleiben im Inspektionsbereich“, erklärt der Tölzer Dienstellenchef Bernhard Gigl.

Am Posten am Achenpass sind heute zufällig drei Ostfriesen im Einsatz. Carsten Weidanz etwa ist in seinem Arbeitsalltag am Hafen in Emden (Niedersachsen) tätig. Sein Aufgabengebiet: „hauptsächlich Schiffskontrollen“, erklärt er. Hier, am anderen Ende Deutschlands, genießt er die Abwechslung. „Was will man mehr?“ sagt er über seinen G7-Einsatz. „Andere Leute machen hier Urlaub.“ Und bei den Kontrollen blicken ihn hauptsächlich freundliche Gesichter an. Viele halten im Vorbeifahren unaufgefordert den Personalausweis oder Reisepass aus dem Fenster, manche fangen an zu plaudern. „Ich sehe immer die Sendung ,Schneller, als die Polizei erlaubt‘ auf Vox, da bewundere ich immer Eure Geduld“, ruft ein Schweizer. Ein holländisches Ehepaar in einem Cabrio ist begeistert, als Weidanz sie in fließendem Holländisch anspricht. „Ich habe zehn Jahre an der holländischen Grenze Dienst getan und damals VHS-Kurse belegt“, erklärt der blonde Beamte mit der modernen Hornbrille. Ein Münchner fragt nach dem Weg zur Rauchstuben-Alm – die norddeutschen Polizisten bedauern.

G7-Gipfel-Grenzkontrollen: Manche Reisende beschleicht eine Art Nostalgie

Die Autofahrer haben mit der ungewohnten Kontrolle kein Problem. „Das ist sogar eine nette Abwechslung – und Sicherheit geht nun mal vor“, sagt der Münchner Mujdat Gocek. Der Trambahnfahrer hat an seinem freien Tag eine Motorradtour unternommen. Auch Margit und Josef Mahler, die nach dem Urlaub im Zillertal auf dem Heimweg nach Unterfranken sind, reagieren verständnisvoll. „Wir haben im Radio von den Grenzkontrollen gehört, aber ein bisschen überrascht waren wir jetzt schon, weil der Gipfel ja erst nächste Woche ist“, sagt Beifahrerin Margit. „Auf alle Fälle ist es in Ordnung – bei der ganzen Lage in der Welt.“ Einige scheint gar etwas wie Nostalgie zu beschleichen. „Viele sagen: ,Wie früher‘“, berichtet Polizist Sven Hinrichs.

Etwas mehr Geduld könnte aber am Wochenende gefragt sein, wenn auf der Route mehr Verkehr herrscht. „Und wenn der Gipfel näher rückt, werden wir auch etwas intensiver kontrollieren“, kündigt Schweikl an. Noch aber winken er und seine Kollegen den Großteil der Autos durch – freilich nicht ohne einen kurzen Blick ins vorbeirollende Fahrzeug. Eigentlich haben sie heute kaum einen Anlass, ein Fahrzeug näher unter die Lupe zu nehmen. Einheimische sind für sie eher uninteressant, und fast alle anderen Grenzgänger sind meilenweit als harmlose Urlauber oder Ausflügler zu erkennen, meist älteren Semesters – wohl keine gewaltbereiten Gipfelgegner.

Container mit Equipment an den G7-Gipfel-Grenzposten

Fast exotisch ist da schon der bordeauxfarbene Audi mit ungarischem Kennzeichen. Der junge Polizeiobermeister André Saathoff spricht den Fahrer an: „Do you speak English?“, und dann, mit hörbar norddeutscher Sprachfärbung: „Ah, auch ein bisschen Deutsch!“ Er arbeite in Innsbruck, gibt der Fahrer Auskunft. Jetzt sei er auf dem Heimweg über München nach Ungarn. Saathoff möchte in den Kofferraum schauen – der ist voller Reisegepäck. Die Erklärungen des Ungarn scheinen dem Beamten schlüssig, auch der Datenabgleich anhand des Ausweises ergibt keine Auffälligkeiten. Technisches Equipment und Büros der Beamten sind in Containern untergebracht, die eigens neben der Grenzstation aufgestellt wurden. „Mit dem Server der Bundespolizei sind wir über eine Satellitenanlage verbunden“, sagt Saathoff. Der Ungar darf weiterfahren. Und Carsten Weidanz freut sich schon auf den Schichtwechsel: „Heute Nachmittag mache ich eine Fahrradtour am Tegernsee.“

Zu Besuch bei den G7-Gipfel-Grenzkontrollen - Fotos

G7-Grenzkontrollen am Achenpass - Fotos

Von Andreas Steppan

G7-Gipfel: Themenseite, News-Blog und die wichtigsten Fakten

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

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