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Unter der Schneelast brachen die Gewächshäuser zusammen.

Gärtnerei vor einem Scherbenhaufen

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Die Schneelast ließ seine Gewächshäuser in Lenggries einstürzen. Trotzdem blickt Inhaber Wolfgang Epp wieder optimistisch in die Zukunft.

Lenggries/Reichersbeuern – Etwa eineinhalb Monate, nachdem die Schneelasten schwere Schäden an seinem ehemaligen Geschäftsstandort in Lenggries angerichtet haben, blickt Gärtner Wolfgang Epp mittlerweile wieder optimistischer in die Zukunft. „Wir sind wohl halbwegs mit einem blauen Auge davongekommen“, bilanziert er heute. Zwar geht er nach wie vor davon aus, dass er auf einem materiellen Schaden „im großen Stil“ sitzen bleibt. Rückblickend ist ihm aber am wichtigsten, dass beim Einsturz der Gewächshäuser am Bergweg kein Mensch zu Schaden gekommen ist.

Das Gärtnereigelände in Lenggries gleicht derweil noch immer einem Trümmerfeld. Wie berichtet war schon kurz nach Beginn der schweren Schneefälle in der Region Anfang Januar ein Teil der dortigen Gewächshäuser eingestürzt. Eine Woche später brachen weitere unter der Last auf den Dächern zusammen. Aufräumarbeiten seien bislang nicht möglich gewesen, erklärt Epp auf Anfrage. „Dazu muss der Schnee weg sein, und es darf nicht mehr zu kalt sein.“

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Wenn es einmal losgehe, werde es aber relativ schnell gehen – nach Schätzung der angefragten Fachfirmen innerhalb von rund zwei Wochen. Letztlich gehe es nur noch um die Entsorgung und Trennung des Materials – Eisen, Aluminium und Glas, wobei das Eisen zunächst per Magnet herausgezogen werde. „Wir hoffen, dass wir möglichst schnell anfangen können“, sagt Epp. „Denn wenn man nach Hause kommt und jeden Tag auf einen Trümmerhaufen schaut, ist das nicht schön.“

Was die Schadensabwicklung angeht, sei er noch immer in Gesprächen mit der Versicherung, sagt der Gärtner, geht aber davon aus: „Es wird wehtun.“ Er stellt fest: „Was der Schnee heil gelassen hat, das hat anschließend die Kälte kaputt gemacht.“ So hätten bei strengem Frost die ungeschützten Wasserleitungen weiteren Schaden genommen.

Als Glück im Unglück betrachtet es Epp, dass sich der Schadensfall zu einem Zeitpunkt ereignete, als der Standort in Lenggries nicht mehr in Betrieb war. Zwei Monate zuvor hatte die Familie Epp ihre Gärtnerei in Lenggries geschlossen und Ende November 2018 in einem Neubau an der B 13 bei Reichersbeuern unter dem Namen „Epp’s Blumen Cult“ neu eröffnet. So kann nun wenigstens dort der Geschäftsbetrieb relativ nahtlos weitergehen – abgesehen von einer zweiwöchigen Schließung, weil die Inhaber vorübergehend ganz von dem Schaden in Lenggries in Anspruch genommen waren.

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In der neuen Reichersbeurer Gärtnerei gab es laut Epp wegen der Schneelasten ebenfalls Schäden. Die hätten sich aber wegen der modernen Abtautechnik an den Gewächshäusern in Grenzen gehalten. „Es sind nur ein paar Scheiben zu Bruch gegangen.“ Sich durch Abschaufeln der Gewächshausdächer im Vorfeld zu schützen, sei dagegen unmöglich gewesen. „Die Glasdächer sind nun einmal nicht dafür gemacht, dass man draufsteigt.“

Epp weiß, dass er längst nicht der einzige Gärtner ist, der diesen Winter einen Schneelastschaden zu beklagen hat. Einem betroffenen Kollegen aus einem benachbarten Ort gewährt er sogar bis heute „Asyl“: Er durfte in Reichersbeuern einen Teil seiner Pflanzen unterstellen.

Was Familie Epp dieser Tage aufbaut, ist, dass das neue Geschäft in Reichersbeuern im wahrsten Sinne floriert. „Es tut gut zu sehen, wie toll dort alles wächst“, sagt Epp. Der Standort an der Bundesstraße sei „genial“. Ein großer Teil der Kunden hätte der Gärtnerei über den Umzug hinweg die Treue gehalten. „Und es sind viele dazugekommen, gerade aus dem Münchner und Holzkirchner Raum.“

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