Ein Stück Isarwinkel in Afrika: Junge Straßenkicker in der senegalesischen Stadt Mbour kicken jetzt im leuchtenden Grün des SC Gaißach.

Verein "Straßenkinder Senegal"

Wie Gaißacher Trikots nach Afrika kamen

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Lenggries/Mbour - Es ist ein ungewöhnliches Bild von einem Stück Isarwinkel mitten in Afrika: Eine junge Straßenfußball-Mannschaft im Senegal trägt die leuchtend grünen Trikots des SC Gaißach. Die Geschichte hinter dem Foto dreht sich um ein bemerkenswertes privates Hilfsprojekt.

Wie sind die Trikots des SC Gaißach zu einer Gruppe Jugendlicher in die senegalesische Stadt Mbour gelangt? Die Antwort kennt der Lenggrieser Andreas Krieg. Der ist nämlich 2. Vorsitzender des Vereins „Straßenkinder Senegal“ und hat die Hemden auf einer Reise in den Osterferien verteilt. „Mein Nachbar Edi Hanakam ist Jugendleiter beim SC Gaißach und hat mir einen Satz Trikots mitgegeben“, berichtet der 45-Jährige. Abnehmer musste er im Senegal nicht lange suchen. „Wenn es ab 5 Uhr nachmittags etwas schattiger wird, sieht man in Mbour auf jeder Straße Jungs beim Kicken.“ Einer Gruppe überreichte Krieg die grünen Trikots, dazu ein paar Stutzen, Hemden und Torwarthandschuhe von Kriegs Sohn Marius (10). „Vorher hatte der Torwart ein paar Flip-Flops an den Händen“, sagt Andreas Krieg. Die Burschen waren begeistert von ihrer neuen Ausrüstung – die Bedeutung des Schriftzugs „Gaißach“ konnte ihnen Krieg in dem Trubel allerdings nicht vermitteln.

Die Trikotspende ist freilich nur ein kleiner Teil des Engagements, an dem der Lenggrieser in Afrika beteiligt ist. Der Verein „Straßenkinder Senegal“ hat sogar schon eine Schule gebaut. Zustande kam das Projekt über Kriegs Arbeitskollegen Algaf Sene, genannt Ali. Der Senegalese lebt seit 18 Jahren in Holzkirchen, wo er bei der Firma CCL Label in der Druckerei arbeitet. Krieg ist dort als Mediendesigner beschäftigt. Vor zehn Jahren gründeten beide den Verein.

Zunächst schickten sie Container mit Hilfsgütern in Senes Heimat, etwa Schulranzen, Bekleidung, Möbel und Kühlschränke – und auch etliche Trikotsätze von heimischen Fußballvereinen. „Das ist das Größte für die Straßenfußballmannschaften“, sagt Krieg.

„Irgendwann hat Ali gesagt, dass es sein Traum wäre, im Senegal eine Schule zu bauen.“ Zusammen überlegte man, wie aus dem Traum Realität werden könnte. „Wir haben überschlagen, dass wir etwa 50 000 Euro brauchen.“ Das große Glück: Der Arbeitgeber der beiden Männer steuerte eine Anschubfinanzierung von 20 000 Euro bei. Durch den Verkauf von senegalesischer Kleidung und von Kunsthandwerk auf Afrikamärkten, durch einen Spendenlauf und andere Aktionen hatte der Verein bald 35 000 Euro beisammen – genug um loszulegen. Vor Ort in Mbour, einer 200 000-Einwohner-Stadt an der Küste, etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt Dakar entfernt, gab derweil der Bürgermeister sein Okay, und Sene fand ein geeignetes Grundstück am Stadtrand. „Innerhalb von eineinhalb Jahren war die Schule gebaut“, sagt Krieg. Was sich einfach anhört, war mit viel Einsatz, Geduld und Arbeit verbunden. „Und es wäre nicht möglich gewesen, wenn wir nicht absolut vertrauenswürdige Partner vor Ort hätten.“

Zur Eröffnung der Schule war Krieg vor zwei Jahren zum ersten Mal im Senegal. Jetzt, bei der zweiten Reise in den Osterferien, konnte er schon die um eine Etage aufgestockte Schule besichtigen. Das kostete abermals 50 000 Euro. Diesmal organisierte der Verein aber 75 Prozent Fördermittel aus dem Entwicklungshilfe-Ministerium. „Wenn man die Schule sieht, läuft es einem schon kalt den Rücken hinunter, und man verdrückt das ein oder andere Tränchen“, sagt der Lenggrieser stolz. 110 Kinder gehen aktuell in die gebührenfreie Schule des Vereins, ab Herbst werden es etwa 230 sein.

Auf die Reise in den Senegal mit etwa einem Dutzend Vereins-Mitstreitern hat Krieg auch seine Frau Katrin und die Kinder Emilia (14) und Marius (10) mitgenommen. „Ich finde es wichtig, dass sie auch die andere Seite zu unserer Überflussgesellschaft sehen.“

Nun tüftelt der Verein am nächsten Projekt: dem Bau eines Ausbildungszentrums, wo Jugendliche Nähen, Holz- oder Metallarbeiten lernen können. „Vielleicht können wir dort aus dem Verkauf von Produkten dann eine Eigenfinanzierung schaffen, um dem Schülern ein Mittagessen bieten zu können.“ Davon will sich Krieg dann wieder selbst ein Bild machen – am besten bei der nächsten Reise in zwei Jahren.

Der Verein im Internet: strassenkinder-senegal.de

Verein aus dem Oberland hilft im Senegal

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