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Nahm die Gams-Krucken am Samstag unter die Lupe: Wildtierbiologin Christine Miller. 

Hegeschau in Lenggries

Gams-Daten und Gummibärchen

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Lenggries - Schwarz gekleidete Security auf einer Hegeschau? Das gab es am Wochenende in Lenggries. Verantwortlich dafür ist die Wildtierbiologin Dr. Christine Miller und ihre Jagd auf Gamswild-Daten.

Wie alt waren die Gämsen, die im abgelaufenen Jagdjahr geschossen wurden? Diese Frage möchte Wildtierbiologin Dr. Christine Miller beantwortet haben. Weil ihr die Unteren Jagdbehörden die für ihre Studie erforderlichen Daten nicht zur Verfügung stellen können, klappert die Rottach-Egerin derzeit die Hegeschauen ab und nimmt die Gams-Krucken selbst unter die Lupe –sehr zum Missfallen der Bayerischen Staatsforsten und so manchem Kreisjagdverband. Die Vorwürfe lauten unter anderem, dass die Forschung nicht ergebnisoffen sei und die Daten nicht unbedingt wissenschaftlich erhoben werden.

Am Samstag waren Miller und ihr vierköpfiges Team bei der Lenggrieser Hegeschau. Um punkt 13 Uhr gewährte ihnen Wolfgang Morlang, Chef der Jagdkreisgruppe, Zutritt zum Alpenfestsaal. Dort beleuchtete das Team mit Taschenlampen jede Gamstrophäe, um die Jahresringe zählen zu können. Dafür, dass Miller und ihre Mitstreiter dem Kopfschmuck nicht zu nahe kamen, sorgten Schilder: „Das Fotografieren und Berühren der Trophäen ist verboten“, lautete die Aufschrift. Außerdem patroullierten zwei Security-Mitarbeiter durch den Saal und behielten die Helfer im Auge. „Wir werden behandelt wie Staatsfeinde“, sagte einer von Millers Mitstreitern. „Das ist eine öffentliche Schau. Wozu braucht man Sicherheitspersonal?“ Miller verteilte derweil Gummibärchen, um die Gemüter zu besänftigen.

Tatsächlich musste sich die Wildtierbiologin aufs Zählen verlassen. Denn die Zeile „geschätztes Alter“ war auf den meisten Anhängern an den Gams-Krucken nicht ausgefüllt. „Wenn überhaupt keine Angaben dabei sind, bleibt immer ein Unsicherheitsfaktor“, sagte Miller mit Blick auf ihre Alterserhebung.

Eigentlich sei die Tölzer Schau immer recht schön gewesen, ergänzte sie. Doch dieses Mal erfülle die Untere Jagdbehörde am Landratsamt die Informationspflicht der Bevölkerung nicht. Daher wird Landrat Josef Niedermaier nun Post von Miller bekommen. Ihre Forderung: Wiederholung der Hegeschau mit allen Angaben oder wahlweise die Überlassung der von ihr geforderten Daten. Einen ähnlichen Brief hat der Miesbacher Landrat bereits erhalten.

Thema war Miller auch am Abend bei der offiziellen Eröffnung. Die Alterstruktur beim Gamswild gebe Anlass zur Sorge, betonte Kreisgruppenchef Morlang. Forschung sei wichtig. „Dies geht aber nur mit den Beteiligten, nicht gegen sie“, sagte er mit Blick auf Miller. Die Reaktionen, die es auf die Entscheidung der Kreisgruppe gab, die Gamsbewertung selbst vorzunehmen, „waren – gelinde gesagt – eine Unverschämtheit.“ 

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