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Amtsgericht

18. Geburtstag hat ein gerichtliches Nachspiel

Lenggries/Wofratshausen – Auf der Feier zum 18. Geburtstag seiner Tochter lernt ein Lenggrieser (44) einen heute 22 Jahre alten Greilinger kennen. Das war Ende März vorigen Jahres. 15 Monate später sahen die beiden sich wieder – als Angeklagte vor dem Jugendrichter.

Am Ende des Festes, das im Keller des Offiziersheims in der ehemaligen Kaserne in Lenggries stattgefunden hatte, sollen die zwei sich geprügelt haben. Jedenfalls steht es so in der Anklageschrift, die auf den Aussagen beruht, die die zwei nach dem Vorfall bei der Polizei gemacht haben. Der junge Mann soll den anderen in den Schwitzkasten genommen und drei Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben; der ältere soll seinerseits dem jüngeren drei Schläge verpasst haben – weshalb sich nun beide wegen Körperverletzung verantworten mussten.

Vor Gericht konnten sich beide Angeklagten an solche Details nicht erinnern. Der 22-Jährige machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und schwieg zunächst, während sein Nebenmann versuchte, den Hergang kurz und bündig aufzuklären. Gegen fünf Uhr in der Früh, als fortschreitende Alkoholisierung („viele hatten zu viel getrunken“) immer wieder zu Reibereien unter den jungen Leuten führte, hätten er (der für die Räumlichkeit geradestehen musste) und seine Ehefrau (die sich als Chauffeurin der Jugendlichen zur Verfügung gestellt hatte) beschlossen, die Feier zu beenden. Der damals 20 Jahre alte Mitangeklagte sei der Bitte zu gehen auch murrend nachgekommen, draußen aber von einem anderen Partygast von hinten angesprungen worden. Das schaute sich der Lenggrieser nicht tatenlos an, sondern schritt ein, um die Sache zu beruhigen. „Ich habe ihn an der Schulter gepackt und zurückgezogen. Ich habe ihn gehalten, er hat mich gehalten. Dann sind wir in ein Schlammloch gefallen“, sagte der 44-Jährige. „Dann war auch schon wieder Schluss.“

Dass es anders gewesen wäre, ließ sich auch nach eineinhalb Stunden Verhandlung nicht feststellen. Weder die zwei jungen Damen, die damals ihren Geburtstag feierten, noch die Ehefrau des 44-Jährigen, noch der Gast, der die Polizei alarmiert hatte („vorsorglich, falls die Sache eskaliert“), hatten von einem Streit zwischen den zwei Herren auf der Anklagebank etwas mitbekommen. Schließlich meldete sich auch der 22-Jährige zu Wort: „Ich plädiere auf Freispruch, da niemandem ein Faustschlag nachgewiesen werden konnte.“ Damit konnte sich Richter Urs Wäckerlin so spontan nicht anfreunden. „Dann machen wir weiter und hören uns beim nächsten Mal den Polizeibeamten an, der damals ihre Aussage zu Protokoll genommen hat“, erinnerte der Richter daran, dass die Zusammenkunft im Sitzungssaal ja nicht ohne Grund stattfand. Aber er hatte einen anderen Vorschlag: „Wir stellen das Verfahren wegen geringer Schuld ein.“ Weil auch das keinen Eintrag im Führungszeugnis nach sich zieht, stimmten beide Angeklagten diesem Vorschlag zu. 

Rudi Stallein

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