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Berichtete bei der CSU über den Helferkreis Asyl: Ehrenamtskoordinatorin Annette Ehrhart. 

Gespräch über Asylbewerber in Lenggries

Sprache, Arbeit, Wohnung: So funktioniert Integration

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Lenggries – 151 Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge leben derzeit in Lenggries. Neue Zuweisungen gibt es seit Monaten nicht, sondern nur die eine oder andere Umverteilung.

 „Beispielsweise sind zwei syrische Paare aus der Jachenau zu uns gezogen, weil es ihnen dort zu einsam war“, berichtete Annette Ehrhart in der Versammlung der CSU. Die Lenggrieserin ist seit Januar Ehrenamtskoordinatorin, angestellt beim Verein Hilfe von Mensch zu Mensch, mit einem Büro im obersten Stock des Lenggrieser Rathauses.

Ihre Hauptaufgabe ist es, alle im Bereich Asyl aktiven Gruppen zusammenzubringen und richtig zu vernetzen. Beim Treffen der CSU im „Neuwirt“ stellte die 49-Jährige den Helferkreis vor, dem sich mehr als 100 Ehrenamtliche engagieren. Die 36 Paten helfen den Geflüchteten, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden und begleiten beispielsweise bei Behördengängen. „Für Familien ist es leicht, Paten zu finden, weil die Kinder süß sind. Für alleinstehende Männer ist das schon schwieriger“, sagte Ehrhart. Hilfe bei der Betreuung gibt es aber auch vom Sicherheitsdienst, für den die Lenggrieserin viel Lob übrig hatte. Als die Mutter eines Senegalesen nach einer OP in der Heimat gestorben war, „hat sich die Security die ganze Nacht um den jungen Mann gekümmert. Hier wird sehr viel aufgefangen“.

Viel zu tun haben die Helfer in der AG Sprache. 18 ehemalige oder aktive Lehrer bringen den Flüchtlingen Deutsch bei. Beim Unterricht werden durchaus auch deutsche Werte vermittelt. „Wer dreimal zu spät zum Kurs kommt, fliegt raus“, erklärte Ehrhart.

Sie hatte auch Erfolgsgeschichten mitgebracht – beispielsweise die von Abdulghafour aus Syrien. Der 33-Jährige, der mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem zwölfjährigen Bruder ein Zimmer in der Lenggrieser Containeranlage bewohnt, lernte praktisch Tag und Nacht Deutsch. Sehr gute Sprachkenntnisse waren nämlich die Voraussetzung dafür, ein privates Weiterbildungsinstitut in Nürnberg besuchen zu können. Dort arbeitet der Hämatologe nun hart dafür, auch in Deutschland als Arzt praktizieren zu dürfen.

Die AG Projekte organisiert vor allem Veranstaltungen. Unter anderem ein Frauenfrühstück oder einen Kegelabend für Herren. „Gehen Sie mal hin. Sie schmeißen sich weg“, sagte Ehrhart lachend. Am 9. Juli steht zudem der nächste Heimspielcup an, ein Fußballturnier für alle Interessierten. Für August ist ein Mitmachzirkus geplant.

Wichtige Hilfe leistet auch die AG Kleiderkammer. An jedem ersten und dritten Samstag im Monat öffnet die Ausgabestelle in der alten Post neben dem Bahnhof. Große Töpfe, alte Fernseher und Geschirr würden derzeit gesucht, sagte Ehrhart – genauso wie gebrauchte Mountainbikes. Die werden im Keller des Gebäudes auf Vordermann gebracht und an die Asylbewerber ausgegeben. Ein Radl bekommt aber nur, wer zuvor im Rathaus für 20 Euro einen Leihschein geholt hat.

Eine Voraussetzung dafür, dass Integration gelingen kann, ist aber nicht nur die Sprache, sondern vor allem auch die Möglichkeit zu arbeiten. „Das steigert das Selbstwertgefühl.“ Hier sei man für jeden Praktikumsplatz dankbar.

Wichtig ist auch eine eigene Wohnung. Bezahlbaren Wohnraum in Lenggries zu finden, ist aber schwierig. Daher gibt es derzeit unter den 151 Geflüchteten 61 Fehlbeleger. Sie haben eine Anerkennung und müssten eigentlich aus den Unterkünften ausziehen. Das geht aber nur, wenn sie eine Wohnung finden.

Die Entscheidung, neuen Wohnraum zu schaffen, müsse gut überlegt sein, betonte Bürgermeister Werner Weindl. Rechne man mit einer statistischen Belegung von 2,3 Personen, müsste man allein für die Fehlbeleger 26 neue Wohnungen bauen. Zum Vergleich: „Pro Jahr entstehen in Lenggries insgesamt nur 30 bis 50 neue Wohneinheiten“, so Weindl. „Da sind 26 schon viel.“ Zudem stelle sich die Frage, ob es hier genug Arbeitsplätze gebe. „Schnell lässt sich die Frage nach Wohnraum nicht lösen. Aber wir bleiben am Ball.“

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