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Lagen gar nicht so weit auseinander: Die Vertreter des Vereins „Rettet die Isar jetzt“ und die gewerblichen Anbieter von Raftingtouren auf der Isar.

Gespräch mit Naturschutzverband

Gewerbliche Raftinganbieter auf der Isar: „Wir sind nicht die Buh-Männer“

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Der Verein „Rettet die Isar jetzt“ und gewerbliche Anbieter von Raftingtouren trafen sich zum Gespräch. Bei der Frage, wie die Nutzung des Wildflusses auf verträgliche Weise geregelt werden kann, gab es durchaus Gemeinsamkeiten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Druck auf die Isar wächst. An schönen (und weniger schönen) Tagen treiben gefühlt pausenlos Boote flussabwärts. Dazu kommen Stand-up-Paddler und andere. „Die Nutzung nimmt explosionsartig zu“, sagte Karl Probst, Vorsitzender des Vereins „Rettet die Isar jetzt“. „Aber um Klein-Kanada für halb Deutschland zu sein, ist das Gebiet nicht groß genug.“ Natürlich seien dafür nicht allein die gewerblichen Anbieter verantwortlich, aber „sie tragen zur Vermassung bei“, so Probst. Die Menge sei gewaltig, ergänzte Isarranger Kaspar Fischer. Der Wildfluss werde „gewerblich verramscht“.

Im Juli kündigte das Landratsamt eine Isar-Verordnung an, die den Bootsverkehr reglementieren soll. Für gewerbliche Anbieter könnte sie erhebliche Einschnitte bedeuten. Trotzdem waren sich die Vertreter von „Sportpiraten“, „Montevia“ und anderer Anbieter einig, „dass es eine Regelung braucht. Aber die sollte mit uns Profis gemeinsam gemacht werden“, sagte Martin Held, der mit Sibylle Braune als Sprecher fungierte. Das Gespräch sei bislang aber kaum gesucht worden. „Es gibt kein Miteinander“, beklagte Held. Dafür werde man immer zum Sündenbock gemacht. „Wir sind nicht die Buh-Männer“, ergänzte Braune. „Wir wollen etwas dazu beitragen, dass die Situation besser wird.“

Obwohl die Emotionen immer mal wieder hochkochten, entdeckten die beiden Parteien viele Gemeinsamkeiten, als es um die Forderungen des Vereins für die Nutzung der Isar ging.

Beispielsweise regen die Unternehmen die Vergabe von Lizenzen an. Vorbild könnte der slowenische Fluss Soca sein. Dort müssen selbst private Kapitäne Tagesgenehmigungen kaufen. „Jeder klebt da ein Pickerl auf sein Boot“, schilderte Heiko Fröhlich von „Montevia“. Die Einnahmen fließen in den Erhalt der Infrastruktur. Dass keine Schwarzfahrer die Regelung umgehen, müsse kontrolliert werden. „Die Stellen für die Isarranger müssten aufgestockt werden“, so Held. Zudem brauche es höhere Bußgelder für Verstöße gegen Verbote in Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Auch darin waren sich alle einig.

Bei Hochwasser wird nicht gefahren

Mit der Forderung, zwischen Oktober und April nicht zu fahren, können sich die gewerblichen Anbieter anfreunden. „Da fahren wir jetzt schon nicht.“ Weitere Zugeständnisse mit Blick auf Vogelbrutzeiten zu machen, sei eher schwierig. „Aber wenn wir im Hauptstrom bleiben und nicht anlanden“, so Held, dürften die Brutgebiete unberührt bleiben. Dass die Obere Isar und der Rißbach – „ein Juwel“, so Probst – vom Bootsverkehr freibleiben müssen, sehen die Unternehmer ähnlich. „Da sind wir ganz bei Ihnen. Wir sind Naturschützer“, so Fröhlich. Der Abschnitt zwischen Tölz und Wolfratshausen sei ebenfalls nicht interessant. „Da gibt es gefährliches Treibgut, während Lenggries bis Tölz eine supercleane Strecke ist.“ Und wie sieht es mit einer zeitlichen Beschränkung aus? „Nachts muss Ruhe sein“, sagte Probst. Das könne man mittragen, sagte Held. Man müsse sich nur bewusst sein, dass sich der Bootsverkehr in den Stunden, in denen man fahren dürfe, dann verdichte.

Dass ab Hochwassermeldestufe 1 nicht mehr gefahren wird, sei jetzt schon so, sagte Held zu einer weiteren Forderung. „Auch wenn wir das sowohl sportlich als auch unter dem Sicherheitsaspekt könnten. Aber wir wollen ein Zeichen setzen“, weil man um die Vorbildfunktion wisse. Mit Blick auf diese betonte er, dass auf den Touren bei Weitem nicht nur Halligalli angesagt sei. „Wir reinigen mit unseren Gästen auch die Isar von Müll.“ Die Guides hätten zudem einen Bildungsauftrag, würden beispielsweise erklären, wie man sich Fischern gegenüber verhält.

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Uneins sind sich Verein und Unternehmer beim Thema „kein Befahren bei Niedrigwasser“. „Selbst in diesem Sommer konnte man im Hauptstrom immer fahren“, sagte Held. Er wisse auch nicht, welche negativen Auswirkungen das habe. „Das müssen letztlich Sachverständige sagen“, erklärte Probst.

Held plädierte noch einmal dafür, eine gemeinsame Lösung zu finden, die den Firmen nicht die Existenzgrundlage raubt. „Wenn man beschließt, dass nur noch 30 Boote auf der Isar fahren dürfen, können wir zumachen.“

Karl Probst zog am Ende ein positives Fazit: „Wir sind heute näher zusammen- statt weiter auseinandergerückt.“

Wie der Sachstand bei der angedachten Isarverordnung ist, kann man hier nachlesen.

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