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Eine Gesetzesänderung trifft vor allem gewerbliche Anbieter von Touren. 

Einschränkungen beim Bootfahren

Gewerbliche Touren-Anbieter: Regeln retten die Isar nicht

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Die Bootfahrverordnung für private Kapitäne ist in Kraft, das Bayerische Wassergesetz hat sich geändert. Das betrifft vor allem gewerbliche Touren-Anbieter – die nicht erfreut sind.

Bad Tölz-Wolfratshausen Ein schwarzer Rahmen, ein schwarz-weißes Isar-Foto, das ein Schlauchboot zeigt. Darunter die Buchstaben „RIP“ – „Ruhe in Frieden“. So sieht die Homepage der „Isar-Piraten“ aus. Diese Firma hat laut Homepage „für immer geschlossen“.

Die „Isar-Piraten“ waren einer der Anbieter, die Schlauchboote für die Fahrt auf dem Fluss verliehen haben. Die sind nun von der Änderung im Bayerischen Wassergesetz (BayWG) betroffen. „Die Genehmigungspflicht wurde enger gefasst“, erklärt Marlis Peischer, Sprecherin des Landratsamts. Jetzt ist sowohl für das Anbieten von Touren als auch für das Verleihen von Booten eine Genehmigung notwendig. Insgesamt zehn Anträge seien eingegangen.

„Wir haben eine 80-seitige Diplomarbeit eingereicht“, sagt Heiko Fröhlich vom Anbieter „Montevia“. Erst später hätte er erfahren, dass das gar nicht notwendig gewesen wäre. Aber mit dem Dokument hätte „Montevia“ Aufklärungsarbeit leisten wollen. „Wir haben uns mit Untersuchungen ins Zeug gelegt“, so Fröhlich. Außerdem habe man darlegen müssen, in welchem Umfang man Touren anbiete, wie die Firma aufgebaut ist und wie etwa die Toilettensituation ist. Der TÜV habe die Boote abgenommen.

„Die krasseste Einschränkung für uns ist, dass wir erst ab 1. Juni loslegen dürfen“, so Fröhlich. Er und seine Mitarbeiter hätten ohnehin schon immer nach höheren Standards gehandelt, als jetzt festgelegt wurden. „Bei uns wurde schon immer ohne Alkohol gefahren und mit Schwimmwesten. Für uns Gewerbliche ist das kein Problem, sondern eine Selbstverständlichkeit.“

Er vermutet eher, dass die „Saufpartys“ weitergehen – und zwar geballt in einem kürzeren Zeitraum. „Da ist ja vieles nicht geregelt, und richtig kontrollieren kann man es auch nicht.“

Dass primär die gewerblichen Anbieter eingeschränkt werden, kann er nicht nachvollziehen. „Wir machen aktiven Naturschutz, wir könnten der verlängerte Arm der Isarranger sein. Wenn man wirklich Naturschutz machen wollte, würde die Verordnung anders aussehen.“

Abgewendet werden konnte vorläufig eine Benutzungsgebühr, die an das Wasserwirtschaftsamt hätte gezahlt werden müssen. „Das hätte uns das Genick gebrochen“, so Fröhlich. Er fürchtet aber, dass das Thema nicht vom Tisch ist – ebenso wenig, dass das Befahren ab 1. Juni auch im kommenden Jahr möglich sein wird. „Vielleicht ist es dann der 15. August. Für uns ist das kaum zu planen.“

„Wir haben nur noch vier Monate“

Auch für Annette Irzinger von „action & funtours“ ist die größte Einschränkung, dass nun nur von 1. Juni bis 15. Oktober gefahren werden darf. „Wir haben eigentlich also nur vier Monate Durchführungszeit.“ Das wirke sich auch auf die Partner wie Hotels, Busunternehmen und Gastronomie aus. „Man wird sehen, wie sich das dann entwickelt.“

Gravierend sei für ihr Unternehmen zudem, dass kein Bootsbetrieb zwischen Bad Tölz und Schäftlarn mehr möglich sei, da dort nun verschärft kontrolliert wird. „Da hatten wir relativ viel angeboten“, sagt  Irzinger. Das gewerbliche Befahren im Naturschutzgebiet war auch bislang eigentlich schon nicht gestattet, wurde aber toleriert.  Privatboote dürfen weiterhin fahren. „Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt.“ Eine Genehmigung hat sie beantragt und erhalten – die Boote sind jetzt alle geprüft, haben eine Nummer und die Touren seien genau reglementiert. Dass die neuen Regeln zielführend für eine Schonung der Isar sind, glaube sie nicht unbedingt, so Irzinger.

Nur noch fünf Schlauchboote hat Ruben Werner vom Jugendgästehaus Isarwinkel angemeldet, „für Gäste, die wirklich unbedingt fahren möchten. Die neuen Regeln zielen für mich darauf ab, Bootfahren zu dämonisieren.“ Dass sie wirklich etwas für den Umweltschutz bringe, glaube er nicht.

Touren seien im Grunde nicht mehr durchführbar. „Auch, weil man an Kiesbänken nicht mehr halten darf.“ Mit Schulklassen könne man aber nicht einfach nur die Isar runterfahren. Die ganze Umweltbildung, alle Erklärungen würden da wegfallen. Es sei auch eine Sicherheitsfrage, wenn man nicht mehr anlanden dürfe. „Das Problem auf der Isar sind auch eigentlich nicht wir Bootsfahrer. Das größere Problem ist das wenige Wasser und das fehlende Geschiebe.“ Für sich sieht er nur eine Konsequenz: „Ich bin überzeugt, dass wir nächstes Jahr keine Touren mehr anbieten werden.“

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