1 von 3
2 von 3
Hier ist die Erstbemoshung des Roßsteins vor zehn Jahren zu sehen. Ähnliche Erinnerungsbilder existieren mittlerweile von über 2000 Gipfeln.
3 von 3

Gipfelmoshen im Isarwinkel

Wenn auf dem Berg die Haare fliegen

Bad Tölz-Wolfratshausen - Sie nennen sich „Chiquita“, „Loquita“ und „grrr“, sie steigen zum Headbanging auf Berge. Als Metaler nennen sie das ganze „Gipfelmoshen“. Über eine Gruppe, die auf etwas andere Gipfelfotos steht. 

Mit dem Begriff „Moshen“ kann nicht jeder etwas anfangen. Vor allem Metal-Fans tanzen auf diese Art, springen wild gegeneinander. Besonders wichtig dabei: das Headbanging: Menschen schütteln den Kopf zum dröhnenden Takt der Musik, dass die Haare nur so fliegen. Aber warum eigentlich immer nur auf Konzerten oder auf Tanzflächen moshen? Vor zehn Jahren hatten drei Metaler eine verrückte Idee: Das Gipfelmoshen war geboren.

Die Freunde mit den Fantasienamen „Chiquita“, „Loquita“ und „grrr“ wollen anonym bleiben. Im richtigen Leben wohnen und arbeiten die 35- bis 40-Jährigen in München und im Oberland. Sie sind zwei diplomierte Ingenieure und eine Fotografin. Und sie sind begeisterte Bergsteiger und Metal-Fans. 2006 hatten sie auf einem Gipfel die spontane Eingebung, ihre Musik-Begeisterung auf einem lustigen Erinnerungsfoto zu verewigen. „Normale Gipfelfotos waren uns einfach zu langweilig“, sagen sie. So kam es zum ersten „Gipfelmoshen“.

„Normale Gipfelfotos waren uns zu langweilig“

„Die Berge sind mystisch und gigantisch, genau wie der Metal“, erklären die drei. Sie wollen „Sport treiben und das Vorurteil widerlegen, dass Metaler aggressiv sind und unsportliche Biertrinker“. Mittlerweile gehören der Szene weit über 100 Aktive an, darunter auch einige Mitstreiter aus dem Tölzer Land.

Wo die langhaarigen Gipfelmosher in ihren schwarzen Outfits auftauchen, erregen sie natürlich Aufmerksamkeit. Auf Kommando stellen sie sich in Pose, bearbeiten lautlos ihre Luftgitarren und schütteln minutenlang die Köpfe. „Wir können über uns selbst und über unsere hemmungslos peinlichen Auftritte lachen“, sagt Loquita.

Und wie reagieren andere Bergsteiger? „Die haben Spaß daran, uns zuzuschauen. Wir wollen ja niemanden erschrecken, haben keine politische Botschaft und wollen auch keine getragene Unterwäsche verkaufen. Wir sind friedlich und wollen einfach nur Spaß haben“, stellen sie klar. „Wenn wir loslegen, dann entwickeln sich am Gipfel die lebhaftesten Diskussionen.“ Manche würden sogar spontan mitmachen. „Nur ganz wenige regen sich auf und lehnen uns ab.“

Auf jedem Berg machen die Mosher von ihren Aktionen Fotos und stellen sie auf die Webseite www.gipfelmoshen.de. Gezählt werden aber nur „Erstbemoshungen von bis dahin noch jungfräulichen Gipfeln. Bis jetzt haben sie – ganz akkurat nach Höhe, Erstbemoshern und Datum sortiert – über 2000 Berge bemosht: von nahezu allen Gipfeln im Oberland über Eiger, Matterhorn und Kilimandscharo bis zu zwei Siebentausendern im Himalaya.

Rainer Bannier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Unfall in Bad Heilbrunn: Drei Verletzte
Unfall in Bad Heilbrunn: Drei Verletzte
Schlehdorf
Bobbycar- und Seifenkistenrennen in Schlehdorf: Bilder
Bobbycar- und Seifenkistenrennen in Schlehdorf: Bilder
Sylvenstein-Zufluss: Das nasse Ende einer Partynacht
Mit einem Großeinsatz endete am frühen Sonntagmorgen eine illegale Party an der Walchen nahe dem Sylvensteinsee. 
Sylvenstein-Zufluss: Das nasse Ende einer Partynacht
Bad Tölz
Das Tölzer „Summer Village“: Bilder
Das Tölzer „Summer Village“: Bilder

Kommentare