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Stephan Bammer (Förderverein Burgruine Hohenburg), Claus janßen (Historischer Verein Bad Tölz) und Projektleiter Max Raeder (v. li.) präsentieren die „umgeschriebene“ Glonner-Chronik.

Glonner-Chronik „umgeschrieben“

Isarwinkler Geschichte lesbar gemacht

Geschichte sichtbar zu machen, gelingt selten. Dem Projekt von Max Raeder aus Lenggries ist mit der Umschrift der „Chronik der Hofmark Hohenburg im Isarthal“ von Pfarrer Stephan Glonner ein Coup gelungen.

Lenggries Das 150 Jahre alte Geschichtsbuch, verfasst in Sütterlinschrift, die heute nur noch wenige lesen können, liegt nun „übersetzt“ in lateinischer Schrift vor und ist bald auch online zu lesen. Am Freitag stellte Raeder das neue Werk und die Mitarbeiter im „Neuwirt“ vor.

An einem Sonntag im 18. Jahrhundert, ausgerechnet nach dem Kirchgang, brach der Isarsteg bei Lenggries, und 20 Menschen stürzten in den Fluss, darunter 13 „Weiberleut“. Ein Knecht aus Wegscheid starb. 1809 warf sich der Lenggrieser Pfarrer Aloys Zahrmann selbst in den Kampf, als die Tiroler einfielen. In dieser Kriegszeit kam ein Trupp von 120 Mann in Lenggries an, um einen Angriff von Süden her abzuwehren. Die Soldaten waren acht Tage lang von Ingolstadt unterwegs gewesen und mussten untergebracht werden. Solche Begebenheiten, dazu ein ausführliches Familienregister des Isarwinkels, hatte der Geistliche Stephan Glonner in nur vier Jahren zusammengetragen – handschriftlich, auf 426 Seiten.

Die Chronikseiten sind in Sütterlinschrift eng beschrieben, wie die rund 40 Anwesenden im „Neuwirt“ feststellen konnten. Denn Claus Janßen, Vorsitzender des Historischen Vereins Bad Tölz, hatte das Original aus dem Tölzer Archiv mitgebracht. Für die Umsetzung in eine Textdatei und in neuer Druckform durfte das Projektteam – als Träger fand Raeder den Förderverein Burgruine Hohenburg mit Vorsitzendem Stephan Bammer – die Originalseiten fotografieren und bearbeiten. 15 Ehrenamtliche, die per Zeitungsanzeige gefunden wurden, übertrugen die Chronik in die lateinische Schrift. Von der Anzeige bis zur Präsentation der in vier Ordnern abgehefteten Abschrift vergingen eineinhalb Jahre.

„Genau 150 Jahre nach der Fertigstellung der Handschrift liegt nun die Umschrift vor“, freute sich Raeder. Der 75-Jährige ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand, stammt aus Ingolstadt, war in München und Germering Seelsorger und wählte vor zwölf Jahren Lenggries als Wohnsitz.

In den vier Ordnern, die in der Lenggrieser Gemeindebücherei eingesehen werden können, stehen Sütterlin- und moderne Version einander gegenüber. Die Chronik sei eine umfassende Orts-, Herrschafts-, Kirchen- und Familiengeschichte des gesamten Isarwinkels, von Lenggries bis Königsdorf, betonte Raeder. Die Ehrenamtlichen seien mit Begeisterung am Werk gewesen. „Als wir mit der Umsetzung fertig waren, fragte das Team: Und was machen wir jetzt?“

Birgit Botzenhart

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