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Die Gondeln der Brauneck-Bergbahn sind nicht behindertengerecht. 

Kreis-Sozialausschuss

Grüne wollen Brauneck-Bergbahn behindertengerecht ausbauen

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Ein Antrag der Kreistags-Fraktion der Grünen für mehr Barrierefreiheit am Brauneck könnte im Sozialausschuss am 3. Dezember für Diskussionen sorgen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Kreistags-Fraktion der Grünen dringt auf mehr Barrierefreiheit für die Brauneck-Bergbahn. Ein entsprechender Antrag wird voraussichtlich an diesem Montag ab 14 Uhr im Sozial- und Kulturausschuss behandelt. Landrat Josef Niedermaier reagiert im Vorfeld mit Unverständnis.

Konkret wollen die Grünen erreichen, dass der Landrat und die Geschäftsführung der Bergbahn gemeinsam ein Konzept für den barrierefreien Transport von Rollstuhlfahrern erstellen und auf dessen baldige Umsetzung hinwirken. Niedermaier ist Mitglied im Aufsichtsrat der Bergbahn. Außerdem hält der Landkreis drei Prozent der Anteile der Bergbahn. Ferner gehört es zu den Aufgaben des Kreises, die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum – vor allem bei touristischen Einrichtungen – zu verbessern.

Es fehlt eine barrierefreie Gondel

In einem Schreiben an die Geschäftsstelle des Kreistags erklären Fraktionsvorsitzender Klaus Koch sowie die beiden Kreisrätinnen Barbara Schwendner und Mechthild Felsch im Namen der Kreis-Grünen die Hintergründe ihres Ansinnens. Demnach sei die Bergbahn ein wichtiges touristisches Angebot im Landkreis und stelle einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor dar. „Der Ski- und Wandersport, die Erholung in der Höhe und der Blick in die Alpen erfreuen viele Einheimische und Gäste“, heißt es in dem Brief. „Leider ist dieses wunderbare Angebot Rollstuhlfahrern nicht zugänglich, da die Brauneckbergbahn über keine barrierefreie Gondel verfügt.“

Ralph Seifert kennt die Problematik. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises sitzt selbst im Rollstuhl. Er und sein Gefährt passen zwar durch die engen Türöffnungen. Wegen des Höhenunterschieds zwischen Einstieg und Boden sei er aber auf die Bergbahn-Mitarbeiter angewiesen: Sie müssen ihn in die Gondel heben. Das sei beschwerlich für die Angestellten und berge ein gewisses Verletzungsrisiko. „Und es widerspricht dem Ziel des selbstbestimmten Lebens.“

Fülligere Menschen mit breiteren Rollstühlen kommen Seifert zufolge überhaupt nicht durch die schmalen Türöffnungen. Bereits in der Vergangenheit hat sich der Behindertenbeauftragte mit dem Thema auseinandergesetzt. Seine nüchterne Bilanz: „Eine passende Gondel zu finden dürfte sich eher schwierig gestalten.“ Dennoch glaubt Seifert fest daran, dass es Lösungen gibt.

Technische Umrüstung nicht realisierbar

Den Grünen schwebt eine spezielle, baulich veränderte Gondel vor. Sie wissen aber auch um die technischen Hürden. Und um das Problem der „Bergungssicherheit durch die Bergwacht“. Aus Sicht von Bergbahn-Geschäftsführer Peter Lorenz sprechen sie in ihrem Brief damit selbst die beiden zentralen Knackpunkte an. Die Bahn sei zu alt, um technisch umgerüstet werden zu können. Und im Falle eines Stillstands hätte die Bergwacht keine Chance, Menschen mit Handicap aus den Kabinen evakuieren zu können.

Auch der Landrat hält wenig vom Plan der Grünen. „Wenn es technisch so einfach wäre, hätten wir das schon lange gemacht.“ Das Personal tue, was möglich sei. Das Problem gelöst werden könnte laut Niedermaier und seinem aktuellen Kenntnisstand aber nur durch einen Neubau der Bahn. Und der sei momentan keine Option. Die Thematik befinde sich aber bereits auf dem Prüfstand. „Seit Juni dieses Jahres laufen diesbezüglich intensive Gespräche“, sagt Niedermaier. „Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, warum nun noch einmal ein Antrag dazu kommt.“

Tag der Behinderung

Unter dem Titel „Barrierefreiheit – die Tür ins Leben“findet an diesem Montag im Landratsamt eine Veranstaltung zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung statt. Parallel zu der Sitzung des Kreis-Sozialausschusses informieren zwischen 13 und 18 Uhr Experten an vier Infoständen über Barrierefreiheit bei Hör-, Seh- und Körperbehinderungen sowie bei kognitiven Einschränkungen. Zu jeder vollen Stunde werden Rundgänge angeboten.

Lesen Sie auch: Neue Wirte – und alter Leerstand

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