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Das ist der Ausweis, der vor 50 Jahren in der Papierfabrik Fleck gefunden wurde.

Vor 50 Jahren 

Hedwig Courths-Mahler in der Papierfabrik

Manchmal lohnt es sich, sich zu bücken und etwas aufzuheben. So kam der Tölzer Kurier exakt vor 50 Jahren zu einer Geschichte über die Bestsellerautorin Hedwig Courths-Mahler. Es geht um einen Zufallsfund in der Papierfabrik Fleck.

Lenggries/Fleck – Aufgetan hat die Geschichte im Juni 1967 Kurat Jakob Ostler, der aus Lenggries-Wegscheid stammte. Er war Verfasser der wöchentlichen Mundartglosse Schleifermanndl, die bis heute in vielen Buchauflagen erschienen ist. Ostler wurde viel zugetragen, darunter wohl auch folgende Geschichte:

In der Papierfabrik Fleck stand ein sogenannter Pulper, ein Reißwolf für Altpapier. In einer Pause zwischen Befüllen und Leeren des „Pulpers“ fiel einem Arbeiter ein kleines graues Papier am Boden auf, das aus einem Altpapierbündel gefallen war. Es war ein Personalausweis. Da der italienische Arbeiter der deutschen Schrift unkundig war, gab er den Ausweis an einen deutschen Kollegen weiter, der wiederum den Betriebsleiter informierte, der für eine musische Ader bekannt war.

Mit Musik hatte der Ausweis nichts zu tun. Aber der Mann erkannte umgehend, was ihm da ein unglaublicher Zufall in die Hände gespielt hatte: Nämlich den Ausweis von Deutschlands einstmals bekanntester Romanschriftstellerin Hedwig (eigentlich Elisabeth) Courths-Mahler. Geboren am 18. Februar 1867 in Nebra/Thüringen, starb sie am 26. November 1950 in Tegernsee, wo sie ihren Lebensabend verbracht hatte.

Jakob Ostler erinnert daran, dass die Vorgängerin von Simmel und Konsalik mit ihren über 200 Romanen und Erzählungen vielen Menschen in der Kriegszeit den grauen Alltag vergessen ließ und sie „lange vor Kino, Radio und Fernsehen teilnehmen ließ an den Wunschträumen ihres eigenen Lebens“.

Um ihre Bedeutung zu messen, muss man erwähnen, dass die Gesamtauflage ihrer Werke nach Schätzung ihres Biografen bei 80 Millionen liegt. Zum Vergleich: Der Bestseller der Neuzeit, die Harry-Potter-Romane, kommen weltweit auf 325 Millionen Exemplare. Hedwig Courths-Mahler war vor 50 Jahren also eine echte Schriftsteller-Größe. Ihre Liebesromane werden bis heute verfilmt.

Wie ihr Ausweis 17 Jahre nach ihrem Tod in die Papierfabrik Fleck kam, hat auch Jakob Ostler nicht klären können. Vermutet werden darf, dass irgendwann der Nachlass der Schriftstellerin entsorgt wurde. Wo der Ausweis hingekommen ist, wusste Ostler nicht zu sagen.

Wo ist der Ausweis?

Vielleicht liegt der Ausweis von Courths-Mahler ja noch irgendwo in einem Isarwinkler Haushalt herum. Das Heimatmuseum in Nebra-Thüringen, wo das Hedwig-Courth-Mahler-Archiv ist, würde sich bestimmt freuen. Telefon: 0 34 46 1/2 29 70.

Christoph Schnitzer

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