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Diese Fichten-Monokultur in Fall möchte die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft umgestalten. Dafür sind Helfer gefragt – und natürlich auch Spenden. Unterstützung gibt’s vom Tölzer Forstbetrieb.

Projekt der Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft

Hier entsteht der „Therapieraum Natur“

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In Fall kocht die Gerüchteküche. Die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), die dort mehrere Häuser betreibt, will ein Stück Wald einfach einzäunen und für die Bevölkerung sperren – heißt es. Alles Quatsch, sagt Stiftungsvorsitzender Berend Jochem.

Fall–Tatsächlich plant er zusammen mit dem Tölzer Forstbetrieb – den Bayerischen Staatsforsten gehört das Waldstück – ein Aufforstungsprojekt. Und aussperren wolle er auch niemanden, sagt Jochem – eher einladen: zum Mithelfen und zum Spenden.

In den Häusern der Stiftung können sich Mitarbeiter aus Blaulichtberufen – also Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst – nach einem traumatischen Erlebnis erholen. Auch Angehörige von verwundeten oder getöteten Einsatzkräften finden dort Ruhe. Werden die Unterkünfte – es gibt weitere in Lenggries und Niedernach – nicht für Stiftungsfälle benötigt, können sie von Rettern als Ferienwohnungen gebucht werden.

Die Faller Häuser grenzen an ein 1,4 Hektar großes Waldstück. Momentan ist die Fichten-Monokultur weder besonders schön noch nützlich. „Unsere Idee ist, sie in einen Bergmischwald umzubauen, der ebenerdig begangen werden kann“, sagt Jochem. So hätten beispielsweise auch Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwagen die Möglichkeit, diesen Naturraum zu erleben. Gute begehbare Wege, Klang-, Barfuß- und Lehrpfade könnten den „Therapieraum Natur“, wie Jochem das Projekt nennt, ergänzen.

Und wenn der Wackersberger einmal eine Idee gefasst hat, hat er ein ziemliches Talent, andere zur Unterstützung zu bewegen. Bei den Bayerischen Staatsforsten war allerdings gar nicht so viel Überredungskunst notwendig: Beim Vorstandsvorsitzenden Martin Neumeyer stieß er auf offene Ohren – genauso wie bei Rudolf Plochmann, Chef des Tölzer Forstbetriebs, und seinem Stellvertreter Robert Krebs. „Wir finden das Projekt sehr positiv“, sagt Krebs.

Angelegt ist die Umgestaltung des Waldstücks auf die nächsten zehn Jahre. Als erstes werden einige Fichten gefällt, um Platz zu schaffen für andere Arten. „Tannen, Eiben, aber auch Eichen und Linden“, kann sich Krebs vorstellen. Am Ende soll dort ein gesunder Bergmischwald stehen. Rund um das 1,4 Hektar große Stück wünscht sich Jochem zudem eine Wildhecke aus blühenden Gehölzen wie Weißdorn, Holler und Haselnuss, die Lebensraum für Insekten und Vögel bieten soll. „Momentan gibt es da nur Springkraut“, sagt der Wackersberger. Um diese Hecke – und daher kommt das eingangs erwähnte Gerücht – müsse ein Zaun gezogen werden, damit das Wild nicht die zarten Triebe abfrisst. „Es gibt aber ein Tor. Wer in den Wald möchte, kann da jederzeit durch.“

Fachlich begleitet wird das Ganze von einem jungen Förster des Tölzer Forstbetriebs. Für die Arbeiten selbst setzt Jochem auf freiwillige Helfer aus den Reihen der Polizei. Jeweils eine Woche im Frühjahr und im Herbst sollen sie in den Stiftungshäusern wohnen können und gleichzeitig unter Anleitung eines pensionierten Försters bei der Neugestaltung des Areals anpacken. In der jüngsten Ausgabe des „Polizeispiegels“ – einer Zeitung der Gewerkschaft – hat Jochem einen Aufruf veröffentlicht und Hilfsangebote aus ganz Deutschland erhalten.

Gefragt ist aber nicht nur Muskelkraft, sondern auch Geld. Zwar hat Jochem einen größeren Sponsor in Aussicht, und die Staatsforsten unterstützen mit Material und Arbeitseinsatz. Rund 65 000 Euro muss Jochem aber als Eigenanteil auftreiben. Wobei – so ganz stimmt das nicht mehr, „denn 25 000 Euro habe ich schon zusammen von Leuten, die das Projekt gut finden“, erzählt er nicht ohne Stolz.

Jochem freut sich auf die Umsetzung, die im Frühjahr beginnen soll, sobald der Schnee weg ist. „Die Gewinner werden am Ende alle sein“ – die Urlauber, aber auch der ganze Isarwinkel, der dieses Stück Bergwald „von uns als Geschenk bekommt“.

Weitere Infos

Wer sich näher für das Projekt interessiert und es unterstützen möchte, kann sich an die Stiftung unter Telefon 0 80 42/97 25 20 wenden.

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