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Privater „Buhurt“ bei Innsbruck mit den „Gerüsteten“ aus dem Oberland, unter ihnen Johannes Schöttl (2. v. re.) und Helmut Hanus (re.).  

Historischer Kampfsport

Ja, so san’s, die Lenggrieser Rittersleut

Gerüsteter Vollkontakt-Kampf? Hört sich sperrig an – und ist es auch. In Kettenhemd und wuchtiger Rüstung gehen Mittelalterfans dabei in den Ring. Beim „Buhurt“ kämpfen auch Isarwinkler in der mittelalterlichen Kampfdisziplin.

Lenggries – Stahl trifft auf Stahl, Schwerter knallen auf Rüstungen, Beile schlagen Kerben in Helme, und Männer ringen miteinander – bis einer mit drei Punkten des Körpers den Boden berührt. Die Rede ist vom gerüsteten Vollkontaktkampf, genauer gesagt vom „Buhurt“. Zwei schwierige Begriffe. Gemeint sind Kämpfe in Ritterrüstung. Beim „Buhurt“ kämpfen die Gerüsteten in Gruppen. Mindestens drei gegen drei Personen treten in einem abgesteckten Bereich an.

„Buhurt“ ist eine mittelalterliche Turnierform. Der Wortstamm geht möglicherweise auf das englische Verb to hurt zurück. Das heißt: jemanden treffen oder verletzen.

Zehn Jahre ist Johannes Schöttl schon Darsteller auf Mittelaltermärkten. Mit der Wikinger-Lagergruppe, der er angehört, kampiert der Lenggrieser regelmäßig in historischer Kleidung zwischen Met- und Handwerksständen nach Vorbild des Mittelalters. Seit Kurzem betreibt der 27-Jährige auch den mittelalterlichen Kampfsport, zusammen mit Florian Gerg aus Arzbach und Helmut Hanus aus Wegscheid. „Wir treffen oft die Innsbrucker Kämpfergruppe zum Training, das ist eine Riesen-Gaudi“, sagt Hanus. Irgendwann entstand die Idee, selbst einen „Buhurt“ anlässlich seines Geburtstags zu veranstalten. Am 13. Januar veranstaltet der Holzknecht nun eine „Geburtstagsprügelei“ in der Arzbacher Turnhalle. Die Innsbrucker Sportfreunde sind auch dabei. „Wer mag, darf ab 13 Uhr zum Zuschauen kommen“, sagt Hanus.

Dass es „Buhurt“ gibt, weiß Schöttl schon lange. „Oft habe ich den Kämpfern auf den Märkten in ihre Rüstungen geholfen, ihnen Wasser gebracht oder die Ersatzwaffen bereitgehalten“, erinnert sich Schöttl. Dann kämpfte er probeweise bei einem privaten „Buhurt“ mit. „Das ist einfach echt. Es ist anstrengend, eine richtige sportliche Herausforderung“, sagt Schöttl. Grinsend fügt er hinzu: „Gelegentlich tut es auch ein bisschen weh“ und zeigt auf die Kerben in seinem Helm. Der ist Schöttls ganzer Stolz. Erst vor Kurzem kaufte sich der Ofenbaumeister das gute Stück gebraucht. Innen ist er mit einer Polsterhaube versehen. In der Nackenregion sind schützende Stahlplatten befestigt.

„Einsteiger-Rüstungen bekommt man ab 1500 Euro,“ so Schöttl. Die gesamte Rüstung muss sicher sein. „Vor dem Kampf machen die Kampfrichter einen Rüstungs-Check. Dabei kontrollieren sie, ob alle wichtigen Körperregionen durch die Ausrüstung geschützt sind“, sagt Schöttl. Zur Absicherung, damit nichts passiert. Und: „Auch Schilde und Waffen werden geprüft.“

Gekämpft wird laut Schöttl und Hanus nicht mit scharfem Kampfgerät. „Die Schwerter und Beile sind stumpf, mit einer zirka drei Millimeter dicken Schlagkante. Langäxte und Hellebarden dürfen nur eine bestimmte Länge und ein maximales Gewicht haben“, so Schöttl. Geprüfte Waffen würden mit Aufklebern als „zugelassen“ gekennzeichnet. Wenn alle Rüstungen abgenommen sind, geht’s los: „Erlaubt sind aber nur Schläge, keine Stiche, keine gezielten Schläge ins Genick, auf den Hintern, in die Genitalien oder die Kniekehlen“, sagt Schöttl. Denn die meisten Rüstungen seien von hinten schlecht gepanzert. „Sinn ist nicht, den Gegner zu verletzen, sondern ihn zu Fall zu bringen.

Für ihr Training suchen die Kampfsportkumpanen aus dem Oberland noch Trainingspartner: „In München gibt es sogar ein Fitnessstudio für den Buhurt. Dort wird auch viel ohne Rüstung trainiert, beispielsweise Ringen. Mit genügend Leuten könnten wir das hier auch machen“, so Schöttl. Dessen Freundin ist ebenfalls schon angesteckt. Sie wird demnächst an einem Frauen-Buhurt teilnehmen. 

von Nora Linnerud

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