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Der Lenggrieser Dorfbach plätschert normalerweise friedlich durch den Ortskern. Bei einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt, könnte er aber die gesamte Dorfmitte überschwemmen.

Hochwasserschutz für den Lenggrieser Dorfbach

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Lenggries - Die Überflutungen in Simbach hat gezeigt, welche Gefahr von kleinen Bächen ausgehen kann. Mit Sorge blicken daher nun einige auf den Lenggrieser Dorfbach. Diese Sorge teilt das Wasserwirtschaftsamt. 

Die Hochwasserschutzpläne für den Bach, der sich durch den Lenggrieser Ortskern zieht, sind bereits einige Jahre alt. Allerdings ging bei der Realisierung nichts vorwärts. Vor etwa einem Jahr hat sich das geändert. Markus Brandtner, Projektleiter am Wasserwirtschaftsamt, investiert einen Großteil seiner Arbeitszeit in den Dorfbach. „Er ist ein wirklich drängendes Problem“, sagt er.

Rund fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde bewältigt der schmale Bach im Moment. Ein zehnjährliches Hochwasser könne er abfangen, bei einem 100-jährlichen Ereignis sehen die Prognosen allerdings düster aus. Das Wasser würde sich seinen Weg durch die Straßen im Ortskern bahnen und in die Häuser laufen. „Bis zum Bahnhof“ würden die Überschwemmungen reichen, erklärt Brandtner. Bürgermeister Werner Weindl kennt dieses Szenario: „Vielleicht sagt da jetzt einer: So ein Schmarrn. Aber das hat in Simbach vielleicht auch mal jemand gesagt“, sagt er mit Blick auf die Flutkatastrophe in dem niederbayerischen Ort.

Das letzte größere Hochwasser am Dorfbach habe es wohl in den 1950er-Jahren gegeben, berichtete der Rathauschef am Mittwoch bei der CSU-Veranstaltung im „Neuwirt“. 1999 trat er auf Höhe des Kindergartens über die Ufer, 2005 sei es „knapp gewesen“, so Weindl.

Überlegungen, die Gefahr zu verringern, gab es einige. Ursprünglich wollte das Wasserwirtschaftsamt die Bachsohle einfach tieferlegen und so die Aufnahmefähigkeit auf acht bis zehn Kubikmeter pro Sekunde zu erhöhen. Erst später zeigte sich, dass diese Variante nicht realisierbar ist, weil beispielsweise Gas- und andere Versorgungsleitungen unter der Bachsohle liegen.

Zwei Jahre später, 2012, lagen neue Pläne auf dem Tisch. Den Vorzug bekam Variante 3a. Diese soll durch Maßnahmen an den Zuflüssen dafür sorgen, dass erst gar nicht zu viel Wasser im Dorfbach ankommt. Dafür würde im Ernstfall das überschüssige Wasser aus Reiter- und Halsbach in den Weiherbach übergeleitet und dann über eine Rohrleitung an die Isar abgegeben.

Der Vorentwurf für die Planung ist abgeschlossen, mit der naturschutzfachlichen Begleitplanung wurde begonnen. Und die dürfte umfangreich ausfallen. Die Maßnahme tangiert nämlich FFH-Flächen, das Landschaftsschutzgebiet Isar und mehrere Biotope. Und sie wird einige Zeit dauern. „Wichtig ist, dass wir eine ganze Vegetationsperiode mitnehmen“, sagt Brandtner. Nur so kann man feststellen, welche geschützten Pflanzen- und Tierarten auf der Fläche vorkommen.

Auch die Baugrunderkundung läuft bereits. „Hier wird an verschiedenen Stellen gebohrt“, sagt Brandtner. Die ersten Ergebnisse würden übrigens „gar nicht so gut ausschauen“. Das heißt: Die Maßnahme wird aufwändiger, die Baukosten steigen. Von 6,3 Millionen Euro war das Wasserwirtschaftsamt 2012 ausgegangen. „Hier zeichnet sich eine Steigerung ab“, sagt Brandtner.

Umfangreich dürften sich auch die Verhandlungen mit den Grundeigentümern gestalten. Über 60 sind betroffen. Wer die führen wird, ist noch offen. Verantwortlich wäre eigentlich das Wasserwirtschaftsamt. Aussichtsreicher ist vielleicht die Gemeinde. Sollte sie diesen undankbaren Part übernehmen, könnte man vielleicht über die Höhe der Kostenbeteiligung reden, lockt Brandtner. Normalerweise würden sich WWA und Gemeinde die Kosten teilen.

Brandtner hofft, dass zum Jahreswechsel mit dem Wasserrechtsverfahren begonnen wird. Optimistisch geschätzt geht er von einem Baubeginn „frühestens im Winter 2019/20 aus – wenn keiner gegen die Pläne klagt“.

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