Wanderparkplätze im Isarwinkel sollen für Einheimische günstiger werden. Das ist die Grundidee hinter dem Vorschlag zur Einführung eines gemeindeübergreifenden Jahrestickets.
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Wanderparkplätze im Isarwinkel sollen für Einheimische günstiger werden. Das ist die Grundidee hinter dem Vorschlag zur Einführung eines gemeindeübergreifenden Jahrestickets.

Gemeindeübergreifendes Jahresticket angedacht

Idee für Einheimische: Grenzenlos parken im Isarwinkel

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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In vielen Gemeinden im Isarwinkel werden zurzeit Parkgebühren eingeführt oder erhöht. Nun gibt es einen Vorstoß aus Lenggries, der Einheimische entlasten soll.

Lenggries – Der Trend geht in den meisten Gemeinden in die gleiche Richtung: Zur Ordnung des Parkchaos’, das gerade im vergangenen Sommer vielerorts neue Dimensionen annahm, setzt man auf höhere oder neu erhobene Parkgebühren. Aus Lenggries kommt nun der Vorstoß zur Einführung eines gemeindeübergreifenden Jahres-Parktickets. Profitieren sollen davon vor allem Einheimische. Bei den Nachbargemeinden, die im besten Fall alle mitmachen sollten, fällt die Resonanz unterschiedlich aus.

Einheimische denken, die haben ein „Geburtsrecht“ darauf, in der eigenen Gemeinde zu parken

Im Lenggrieser Gemeinderat hatte die SPD-Fraktion den Vorschlag eingebracht. Die Gemeinde Lenggries hat wie berichtet von den Staatsforsten 14 Wanderparkplätze angepachtet, bewirtschaftet diese selbst und verlangt Parkgebühren. Dies, so erklärt SPD-Gemeinderat Tobias Raphelt gegenüber dem Tölzer Kurier, sei richtig und notwendig. Einen Nachteil aber sieht er darin, dass auf diese Weise nicht nur die Ausflügler, sondern auch Einheimische zur Kasse gebeten werden.

Er habe von vielen gehört: „Gefühlt steht ihnen eine Art Geburtsrecht zu, in der eigenen Gemeinde zu parken.“ Und tatsächlich sei es ja auch so, dass die Lenggrieser Bürger die Unterhaltskosten für die Parkplätze schon über ihre Steuern mitfinanzieren würden und mit der Parkgebühr quasi doppelt bezahlen müssten.

Lenggrieser gehen im Walchensee genauso gern baden wie im Sylvensteinsee

Ein Lenggrieser Jahresticket gibt es schon – das, so erklärt Bürgermeister Stefan Klaffenbacher, sei naturgemäß für den ganzjährig ansässigen Einheimischen interessanter als für den Kurzzeit-Urlauber oder Ausflügler.

Doch weil die Heimat für die Menschen nicht an der Gemeindegrenze endet, sondern der Lenggrieser zum Beispiel genauso gern im Sylvensteinsee wie im Walchensee baden geht, hat die SPD-Fraktion darüber hinaus die Idee eines kommunenübergreifenden Jahres-Parkausweises entwickelt. Wenn die Nachbarn in der Jachenau, Wackersberg, Gaißach und Kochel mitmachen, so die Grundidee, hätten alle etwas davon, um kostengünstiger die heimische Berg- und Seenwelt zu genießen. Der Lenggrieser Gemeinderat beschloss einstimmig, dass die Verwaltung Gespräche mit den Nachbarkommunen aufnehmen sollte.

Gemeinde Jachenau hat Jahresticket am Walchensee beriets verworfen

Und was sagen die Nachbarn spontan zu dem Vorstoß? „Der Vorschlag ist ja nicht neu und wird auf Verwaltungsebene schon länger diskutiert“, erklärt dazu auf Anfrage der Kochler Rathauschef Thomas Holz. „Natürlich wäre das überlegenswert.“ Die Gemeinde Kochel jedenfalls sei „gesprächsbereit“.

Die Gemeinde Jachenau hingegen , die mit dem Walchensee-Südufer wohl einen der attraktivsten Parkbereiche zu bieten hätte, hat die Idee eines Jahrestickets bereits durchdiskutiert – und für sich verworfen. Dort hatten sich zum Beispiel Fischer oder Segler gewünscht, dass sie an der Mautstraße nicht jedes Mal aufs Neue 5 Euro Parkgebühr bezahlen müssen. „Das Problem ist aber: Wenn ich ein Jahresticket verkaufe, muss ich demjenigen auch garantieren, dass er tatsächlich parken kann“, sagt Bürgermeister Klaus Rauchenberger. Am Walchensee aber ist geplant, dass die Mautstraße bei Überfüllung geschlossen wird. Falls aus Lenggries aber nun eine offizielle Anfrage komme, werde er das Thema dem Gemeinderat gern noch einmal vorlegen, sagt Rauchenberger.

„Stelle mir die praktische Umsetzung etwas schweirig vor“

Zu Gesprächen bereit ist der Gaißacher Bürgermeister Stefan Fadinger. Er gibt aber zu bedenken: „Ich stelle mir die praktische Umsetzung etwas schwierig vor. Da steckt der Teufel im Detail.“ In jedem Fall sei wohl „viel Vorarbeit“ nötig, um eine gemeinsame Basis und ein Abrechnungssystem zu entwickeln. „Das Beste wäre aber, wenn die Menschen, die ortsnah in der Region ihre Freizeit verbringen, so viel wie möglich mit dem Radl fahren“, ergänzt Fadinger.

Als „schöne und schlüssige Sache“ bezeichnet der Wackersberger Bürgermeister Jan Göhzold den Vorschlag aus Lenggries. Das Jahresticket für alle Isarwinkler könne zu einer „Win-win-Situation“ führen. In Wackersberg wird es allerdings noch ein wenig dauern, bis dort auf den gemeindlichen Wanderparkplätzen am Lehrbienenstand und an den ehemaligen „Hochtannerstunen“ überhaupt Parkgebühren erhoben werden. Beide sollen erst einmal umgebaut und vergrößert werden. „Das liegt gerade zur Genehmigung beim Landratsamt“, sagt Göhzold. Der Blomberg-Parkplatz wäre als Privatgelände beim gemeinsamen Jahresticket wohl außen vor.

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