+
Eine Lenggrieserin soll illegal Strom abgezapft haben.

Verhandlung am Amtsgericht

Illegal Strom abgezapft: Lenggrieserin bestreitet Tat

  • schließen

Weil sie illegal Strom abgezapft haben soll, stand eine Lenggrieserin jetzt vor Gericht.

Lenggries/Wolfratshausen Die Anklage umfasste nur wenige Sätze. Eine Lenggrieserin, deren Familie der Strom abgestellt worden war, soll die Sperre an den Stromzählern entfernt und so in der Zeit vom 8. Januar 2017 bis zum 1. August 2019 mittels eines Leiters unberechtigter Weise Strom bezogen haben. Den so entstandenen Schaden beziffert die „Bayernwerk Netz“ mit 8271 Euro. Wegen Entziehung elektrischer Energie wurde die Verkäuferin (39) vom Amtsgericht Wolfratshausen zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt.

Illegal Strom abgezapft: Angeklagte bestreitet Vorwurf

Die Angeklagte bestritt den Vorwurf entschieden. „Ich war’s definitiv nicht“, beteuerte sie. Zuvor hatte ihr Verteidiger den Sachverhalt aus Sicht seiner Mandantin zusammengefasst. Demnach gibt es eine längere Vorgeschichte. Schon im Jahr 2014 hätte der Familie die Stromlieferung gekappt werden sollen. Weil der Ehemann jedoch mit einem Attest nachweisen konnte, dass er krankheitsbedingt häufig auf ein Beatmungsgerät angewiesen ist, habe das Energieunternehmen die Leitung sofort wieder entsperrt. Als zwei Jahre später wieder gesperrt werden sollte, habe man darauf hingewiesen, dass dies nicht gehe. Der Mann habe gesagt, „das sei ihm scheißegal“, erklärte die Beschuldigte. Sie sei dann weggegangen. „Aber als ich später wieder ins Haus kam, war der Strom da, noch am gleichen Tag“, beteuerte die Frau. Womöglich habe der Monteur sich doch erweichen lassen, mutmaßte Verteidiger Peter Huber.

Der Zählermonteur wies diese Vermutung zurück. Er habe seinerzeit gesagt, dass er den Krankheitszustand des Mannes nicht beurteilen könne und deshalb sperren müsse. Dass der Strom anschließend sofort wieder geflossen sei, halte er für höchst unwahrscheinlich, sagte der Zeuge. Er wies vor Gericht auch darauf hin, dass es aufgrund der hohen Spannung gefährlich sei, den Stromzähler zu manipulieren. Ohne eine gewisse Vorkenntnis „könnte es das Letzte sein, was man tut“, so der Monteur. 

Gericht glaubt der Schilderung der Angeklagten nicht

Fakt ist, dass der Stromzähler lief, als ein Polizist ihn im Auftrag des Lieferanten im Sommer vorigen Jahres fotografierte. Während Verteidiger Huber darauf beharrte, man könne seiner Mandantin aufgrund der durchgeführten Hauptverhandlung die Tat nicht nachweisen („sie ist nicht die Einzige, die Interesse hatte, wieder Strom zu bekommen“), gab es für Staatsanwaltschaft und Gericht keine Alternative.

 „Wer hätte es sonst machen sollen?“, fragte Richter Helmut Berger. Irgendein Dritter sei als Täter ebenso auszuschließen wie die Vorstellung, dass der Monteur aus Mitleid den Strom wieder entsperrt habe. Er verurteilte die Lenggrieserin zu 90 Tagessätzen zu je 15 Euro. Zudem ordnete er die Einziehung von Wertersatz an – in diesem Fall sind das die 8271 Euro, die die Verurteilte dem Stromversorger schuldet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  

Lesen Sie auch:

Exhibitionist oder Wild-Biesler? Tölzer (50) verhält sich seltsam vor Gericht

Abgase in Wohnung der Nachbarn geleitet: Rentner (77) verurteilt

Bad Tölz-Wolfratshausen: Welche Themen interessieren Sie im Landrats-Wahlkampf am meisten?

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Heute Abend: Heilbrunns Bürgermeisterkandidaten diskutieren im Kursaal - und hier im Live-Stream
Die Bad Heilbrunner haben am 15. März die Wahl. Konrad Specker (Freie Wähler) fordert Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) heraus. Am 18. Februar treffen sich beide zur …
Heute Abend: Heilbrunns Bürgermeisterkandidaten diskutieren im Kursaal - und hier im Live-Stream
Walchensee-Konzept: 200 neue Parkplätze an den Mautstellen
Im Innenministerium wurden nun in großer Runde die nächsten konkreten Umsetzungsschritte besprochen.
Walchensee-Konzept: 200 neue Parkplätze an den Mautstellen
Tölzer Feuerwehr hilft über Landesgrenzen hinweg
„Ein besonders ereignisreiches Jahr“ nannte Vorstand Michael Lindmair die vergangenen zwölf Monate, als er die Hauptversammlung der Feuerwehr Bad Tölz eröffnete.
Tölzer Feuerwehr hilft über Landesgrenzen hinweg
Kommunalwahl in Bichl: 24 Kandidaten auf einer gemeinsamen Liste
Zum zweiten Mal nach 2014 wird es bei der Kommunalwahl in Bichl keine Partei-Listen mehr geben, sondern eine gemeinsame Liste. Die 24 Männer und Frauen stellten sich …
Kommunalwahl in Bichl: 24 Kandidaten auf einer gemeinsamen Liste

Kommentare