+
Der Initiator der Brauneck-Bergbahn GmbH ist heute 98 Jahre alt. Walter Knirk, hier in seinem Wohnzimmer am Fuße des Braunecks, hat mit Einheimischen den Bau der Seilbahn möglich gemacht.

60 Jahre Bergbahn

Im Baukübel aufs Brauneck

  • schließen

Dass Lenggries zu einem Zentrum des Skitourismus wurde, liegt auch an Walter Knirk. Der Mann, der heute 98 Jahre alt ist, bereitete mit Mitstreitern aus dem Isarwinkel dem Bau der Brauneck-Bergbahn den Weg. Die Talstation hätte er damals am liebsten am Bahnhof gesehen.

Lenggries – Um eine Seilbahn zu bauen, braucht man vor allem eines: eine Seilbahn. Eine, die Baumaterial und Maschinen dorthin schleppt, wo Stützen hochgezogen und die Bergstation errichtet wird. Die Materialbahn, die in den Fünfzigern aufs Koteck am Brauneck fuhr, transportierte nicht nur Sand und Werkzeug – sondern auch Walter Knirk.

„Meine erste Fahrt aufs Brauneck war in einem Baukübel.“ Das sagt der Mann, der bei der Inbetriebnahme der Brauneckbahn im November 1957 der erste Geschäftsführer war. An einem verregneten Vormittag im Jahr 2017 sitzt Knirk in der Stube seines alten Bauernhauses. Wäre da nicht dieser Baum, könnte er das Brauneck perfekt vom Fenster aus sehen. Walter Knirk ist 98 Jahre alt und einer der wenigen, die heute noch detailliert von den Anfängen der Bergbahn erzählen können. Ob es sie in der Form ohne ihn gegeben hätte, weiß niemand.

Menschen in der Materialbahn: So etwas war schon in den Fünfzigern verboten. Doch Knirk – und auch so mancher Arbeiter – dachte sich: „Wenn das Material ohne Beschädigung nach oben kommt, kann ich mich da auch reinsetzen.“ Als die Bauarbeiten damals liefen, hatte Knirk sein Ziel schon erreicht. Er hatte mit Landwirten über Grundstücke verhandelt und mit seinen Mitstreitern dafür gesorgt, dass die Trasse dort freigeschlagen wurde, wo die Bahn noch heute durch den Bergwald klettert.

Die Brauneck-Bergstation im Sommer 1957 kurz vor der Fertigstellung.

Forciert von Knirk, gründeten die Gemeinde Lenggries um Bürgermeister Franz Xaver Taubenberger, der Landkreis Bad Tölz und elf Einheimische 1952 die Brauneck-Bergbahn GmbH. Ein Jahr zuvor hatte die Wallbergbahn den Betrieb aufgenommen. Eine Inspiration für Knirk, der damals über den Lift auch im Tölzer Kurier berichtete. Kein Wunder also, dass die Brauneckbahn beinahe baugleich mit der am Wallberg über dem Tegernsee ist. „Dort waren sie nicht so erfreut, als sie von den Plänen erfuhren“, berichtet Knirk. Man konkurrierte damals um Wanderer und Tagestouristen. Heute gehören beide Betriebe der gleichen Gesellschaft an. Im Gegensatz zum Wallberg war das Brauneck sehr beliebt bei Skifahrern – und zwar schon bevor es einen Lift gab. „Die sind schon lange vorher zu Fuß rauf“, erzählt Knirk. „Der Wintersport war der Ausgangspunkt und Ursprungsgedanke für den Bau der Bahn.“

Ihr erster Geschäftsführer war nach eigener Aussage „ein schlechter Skifahrer“. Den gebürtigen Münchner verschlug es nach Lenggries, weil seine Frau dort im Kindergarten arbeitete. In seinem Wohnzimmer zieht Walter Knirk ein altes Fotoalbum aus dem Schrank. Ein Bild zeigt die Bergstation im Sommer 1957, daneben hat er notiert: „kurz vor der Fertigstellung“. Dass es soweit kommen konnte, dafür brauchte man einen Geldgeber. Die Firma Krupp, schon damals weltweit tätig, übernahm den Bau und als Mehrheitseigner auch das finanzielle Risiko. Ende 1967 schied die Firma Krupp, die laut Knirk übrigens nie Seilbahnen bauen wollte, aus. Der Münchner Bauunternehmer Josef Schörghuber übernahm die Anteile. Mehrheitseigner ist heute das Gut Bohmerhof in Wackersberg, das der Familie Schörghuber gehört.

„Käferparade“ am Parkplatz der alten Talstation. Die Skifahrer kamen in Scharen nach Lenggries.

Walter Knirk hat seine Anteile an seine beiden Kinder weitergegeben. Dank der Initiative der Einheimischen in den Fünfzigern gehört die Bergbahn noch heute zu kleinen Teilen Isarwinkler Familien. In dem Bauernhaus an den Gilgenhöfen, in dem Knirk im Fotoalbum blättert, befand sich einst auch das Bergbahn-Büro. „Das ist heute mein Gartenzimmer“, sagt er. Auf der anderen Straßenseite, wo heute die Skischule „Hiski“ sitzt, stand bis Anfang der Neunziger die Talstation.

Jahrzehntelang mussten die Angestellten die einfahrenden Gondeln per Hand abbremsen, um das Rondell schieben und neu im Seil einklinken. Die Gondeln schwebten von hier zunächst 800 Meter über Weideflächen, ehe es bergaufwärts ging. „Wir wollten so nah wie möglich an den Ort“, sagt Knirk. Weil die meisten Ausflügler mit der Eisenbahn in Lenggries ankamen, hätte man die Talstation am liebsten gleich am Bahnhof gebaut.

Bis 1986 war Knirk Geschäftsführer. Als letzte Amtshandlung leitete er den Kauf der Fläche in die Wege, auf der 1993 die neue Talstation in Betrieb ging. Dort gab es viel mehr Parkplätze, die Skifahrer kamen mittlerweile vor allem mit dem Auto. 2001 gab’s dann auch noch neue, modernere Gondeln. Mit einer davon möchte Walter Knirk demnächst fahren. „Ich will noch einmal hoch. Das Panorama ist so gigantisch.“

Ein großes Jubiläumsfest

Ein großes Jubiläumsfest feiert die Bergbahn am Sonntag, 3. September. Den Tag an der Bergstation umrahmen u.a. die Band „The Heimatdamisch“, Goaßlschnalzer, Jodler, Plattler, eine Greifvogelschau sowie eine Märchenerzählerin für große und kleine Zuhörer. Auch die Lenggrieser Bergwacht und die lokale Gleitschirmschule ebenso wie die Hütten lassen sich für den Festtag etwas Besonderes einfallen. Los geht’s um 10 Uhr, Ende ist um 20 Uhr, wenn die letzte Bahn zu Tal fährt. Berg- und Talfahrt kosten wie immer 20 Euro pro Kopf, Kinder zahlen die Hälfte. Der Eintritt zum Jubiläumsfest ist allerdings frei.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Bad Tölz ist eine der fotogensten Kleinstädte Deutschlands
Bad Tölz gehört zu den fotogensten Kleinstädten Deutschlands. Das sagt zumindest ein neues Ranking.
Bad Tölz ist eine der fotogensten Kleinstädte Deutschlands
Massiven Blumentopf zerstört
Eine ärgerliche Sachbeschädigung meldet die Tölzer Polizei aus Gaißach. In den frühen Morgenstunden des Montags wurde ein massiver Blumentopf aus Stein vor einem Anwesen …
Massiven Blumentopf zerstört
Hoher Sachschaden bei Auffahrunfall
Ein Auffahrunfall hat sich am Montagabend am Greilinger Berg kurz vor Bad Tölz ereignet.
Hoher Sachschaden bei Auffahrunfall

Kommentare