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Es hat gleich gepasst: Sepp Müller und Francesco Putz.

Sepp Müller und Francesco Putz

Im Tölzer „Gasthaus“: Kabarettist trifft Lagerfeuer-Rock’n’Roller

Unter dem Motto „Kabarettist trifft Lagerfeuer-Rock’n’Roller“ begrüßte Kabarettist und Musiker Sepp Müller jetzt Liedermacher Francesco Putz im Tölzer „Gasthaus“.

Bad Tölz Vorstellen muss man Sepp Müller, den Mü Sepp, eigentlich nicht mehr. Er spielt in der Formation „Housemusi“, er wandelt auf kabarettistischen Solopfaden und er hat seine Musikschule „Müsikwerkstatt“ in Lenggries. Seit einiger Zeit stellt er selbst vor – und zwar in seinem Format „Oberbayer trifft...“. Er teilt sich dabei mit anderen Künstlern die Bühne. Daraus entsteht ein kurzweiliger Abend und eine interessante Koproduktion zweier, oft ganz unterschiedlicher Typen mit Musik, Kabarett, Gedichten und Geschichten.

Diesmal hatte Müller unter dem Motto „Kabarettist trifft Lagerfeuer-Rock’n’Roller“ den Dietramszeller Musiker und Liedermacher Francesco Putz auf die Bühne des Tölzer „Gasthaus“ eingeladen. „Eigentlich hätte es ja heute heißen müssen ,Oberbayer trifft Oberbayer‘“, erklärte Müller, und dann wird sich erst einmal warmgefrotzelt.

Warum ein Dietramszeller Francesco heißt, will der „Mü“ von seinem Gast wissen. „Wenn man sich mit Franz vorstellt, hat man bei den Frauen nicht so einen Stich“, sagte Putz augenzwinkernd. „Bei uns hoaßn’s alle Sepp. Bis aufn Schorsch, der hoaßt Girgl“, kommentierte Müller trocken. Das Publikum, das die Bankreihen fast vollzählig besetzt hatte, amüsierte sich bestens.

Saftige Watschn an die ewig Gestrigen verteilt

Dann gehörte erst mal Müller und seiner Steirischen die Bühne und er bewies, dass er genau da auch hingehört. Er gab Teile seines Soloprogramms zum Besten und da hagelte es – lustig verpackt natürlich – Kritik am Schulsystem. „Wann ist aus der Mittelschule der große Bruder der Förderschule geworden?“, fragte er sich, denn von früher kenne er den „Quali“ eigentlich noch eher als „die kleine Schwester der Mittleren Reife“. Er beklagte, dass durch das heutige System die Wege der Kinder früh auseinandergehen. „Hauptschüler und Akademiker treffen sich erst wieder, wenn der Maurer in der Arztpraxis sitzt, und der Arzt ihn nach Schwarzarbeit fragt.“

Auch das Thema Heimat war Müller wichtig. „Ja, wo is’ eigentlich dahoam?“, fragte er, und wer ihn kennt, der weiß, dass er dabei mitnichten musikantenstadlerisch daherkommt, sondern auch ein paar saftige Watschn an  die ewig Gestrigen verteilt.

Auch Francesco Putz denkt, fühlt und singt Bairisch. „Ned denga sondern doa“, ist die erste Nummer, die mit kraftvollen, mitreißenden Rhythmen daherkommt, die das Publikum mitrissen. Er sei ein „Liederschreiber und Geschichtenerzähler“ sagte Putz, wobei die Geschichten nicht immer nur lustig seien. Putz ließ mit seinen Texten tief in seine Gefühle blicken.

Forderung nach weniger Hetze, weniger Hass

Er beschäftigte sich mit dem Leben, dem Glück und dem Erreichen der eigenen Zufriedenheit. „Hey Spezi“, sang er, „fühlst du dich in deinem Leben wohl oder willst du lieber wer anders sein?“ Es geht dabei um die Frage, ob der Typ im Porsche glücklicher sei als der, der nur ein altes Radl hat. Man kann sich diese nachdenklichen Stücke gut an einem Lagerfeuer vorstellen, vor allem, weil Putz die Kunst beherrscht, die Stimmung auch wieder durch einen Witz oder einen Spruch ins Heitere zu ziehen.

Berührend war auch sein „analog gelesener Facebook-Kommentar“, in dem er mitteilte, was er sich wünscht: Weniger Hetze, weniger Hass, und dass sich die Menschen „mal mit den Themen beschäftigen und nicht nur mit ihrem eigenen Ego“.  Ines Gokus

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