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Verwaltungsgericht

Immer Ärger mit Schäferhund Charly

Jahrelanger Streit zwischen Hundehalter und Gemeinde kann vor Gericht nicht geklärt werden. Jetzt sorgt Hund Burli für Verwirrung.

Wegscheid/München – War’s Charly oder doch etwa Burli? Das ist die entscheidende Frage in dem Verfahren, mit dem sich derzeit die 22. Kammer des Verwaltungsgerichts München um den Vorsitzenden Richter Johann Haider beschäftigt. In dem Streit zwischen der Gemeinde Lenggries und dem Hundehalter, der in Wegscheid lebt, geht es um den Schäferhund Charly.

Seit etwa sieben Jahren ist Charly der treue Begleiter des Klägers. Doch die gemeinsame Zeit wäre, wenn es nach der Gemeinde Lenggries gehen würde, schon im November zu Ende gewesen. Denn die Verwaltung hat einen Bescheid erlassen, der anordnete, dass Charly bis zum 22. November abzugeben sei. Zudem wurde dem Wegscheider ein unbefristetes Haltungsverbot von Hunden aller Arten und Rassen auferlegt. Dagegen hat das Herrchen von Charly Klage eingereicht.

Gestern beschäftigte sich das Verwaltungsgericht mit dem Fall. Der Kläger erschien zusammen mit seinem Anwalt vor Gericht, für die Gemeinde war Helmut Potstada vom Ordnungsamt mit Rechtsanwältin nach München gekommen.

Bis die Sache vor Gericht landete, hat es immer wieder Zwischenfälle mit dem Schäferhund gegeben, die zu Beginn der Verhandlung vorgetragen wurden. Die ersten Beschwerden gingen im Jahr 2011 bei der Gemeinde ein: Charly würde regelmäßig unbeaufsichtigt durch die Gegend streunen. Im Dezember 2012 biss er einen jungen Mann aus der Nachbarschaft in die Wade, sodass dieser Schürfwunden erlitt. Daraufhin hat die Gemeinde einen Leinenzwang angeordnet. Zudem wurde der Hundehalter aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass der Hund das Grundstück des Besitzers nicht verlassen kann.

Im Juni 2013 hat Charly dann frei herumlaufend einen Nachbarshund gebissen und im August 2015 noch einen anderen Hund. Die Gemeinde verhängte ein Zwangsgeld. Immer wieder wurde gemeldet, dass der Schäferhund freilaufend gesehen worden sei. Es hagelte ein Zwangsgeld, ein Maulkorb für den Hund wurde angeordnet. Schließlich wurde dem Besitzer auferlegt, dass er einen Zwinger für Charly bauen muss. Die Gemeinde drohte an, ein Hundehaltungsverbot zu erteilen, sollte Charly noch einmal ausbüchsen. Doch auch nachdem der Zwinger fertiggestellt war, wurde Charly mehrere Male dabei beobachtet, wie er in dem Viertel herumstreunte – von seinem Herrchen keine Spur. Daraufhin erging der Bescheid, dass der Schäferhund abzugeben und ein unbefristetes Hundehaltungsverbot einzuhalten sei. Der Kläger behielt seinen Schäferhund und zog vor Gericht.

Zu Beginn der gestrigen Verhandlung sah es so aus, als ob der Lenggrieser keine Chance hätte, seinen Hund behalten zu können: „Charly muss weg“, stellte Richter Haider seine vorläufige Meinung klar. Er halte es aber für unangemssen hart, dem Kläger ein generelles Hundehaltungsverbot zu erteilen. „Von einem Schoßhund geht nicht die Gefahr aus wie von einem Schäferhund.“

Dann wendete sich das Blatt: Ein Freund des Klägers sagte als Zeuge aus, dass er seinen Freund täglich zu den unterschiedlichsten Tageszeiten besuche. „Ich bin unregelmäßig da, aber eigentlich allaweil.“ Und immer habe er seinen Schäferhund Burli dabei, der Charly zum Verwechseln ähnlich sehe. Doch während Charly immer angeleint oder im Haus sei, laufe Burli ständig ohne Leine frei herum. „Wer da frei herumläuft, is der Meine“, sagte der Zeuge. Nachdem die Freunde Bilder ihrer Hunde gezeigt hatten, musste der Vorsitzende einräumen: „Sie schauen schon ähnlich aus.“ Er sehe weiteren Aufklärungsbedarf.

Auch die Anwältin der Gemeinde sah weiteren Aufklärungsbedarf bezüglich der Frage, ob denn nun Burli oder Charly in Wegscheid frei herumlaufe. Sie kündigte an, auch für Burli einen Leinenzwang zu verhängen. „Einigen Sie sich auf irgendetwas“, riet der Richter den Streitenden zum Schluss.

Das Verfahren dauert an.

Kathrin Hauser

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