70 Hundetoiletten gibt es im Gemeindegebiet von Lenggries. Deren Anschaffung, das Bestücken mit Tüten und das Leeren kosten Geld.
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70 Hundetoiletten gibt es im Gemeindegebiet von Lenggries. Deren Anschaffung, das Bestücken mit Tüten und das Leeren kosten Geld.

Neue Steuersatzung

In Lenggries werden Kampfhunde richtig teuer

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Das bayerische Innenminister hat nach 40 Jahren eine neue Mustersatzung für die Hundesteuer aufgelegt. Ein guter Anlass für viele Gemeinden, auch die eigene Satzung einmal zu überarbeiten und neue Steuersätze festzulegen. In Lenggries befasste sich am Montag der Hauptausschuss mit diesem Thema.

Lenggries - Wer im Brauneckdorf einen Hund hat, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Für den ersten Hund werden 84 Euro (bislang: 50,40 Euro) fällig, für jeden zweiten Hund 168 Euro (110,40 Euro). Jeder weitere Hund kostet dann 252 Euro (200,40 Euro). Eine kurze Diskussion gab es über den Satz für Kampfhunde. Kämmerer Michael Wenig hatte dafür 840 Euro (bisher: 700,80 Euro) veranschlagt. Roman Haehl (Grüne) war das zu wenig. Schließlich solle der Satz auch eine gewisse abschreckende Wirkung haben. Tobias Raphelt (SPD) hatte ebenfalls „keine Bauchschmerzen bei einem höheren Satz“, der schließlich auf 1200 Euro festgelegt wurde.

Noch lieber sehen würde Raphelt allerdings eine Ermäßigung für Rentner. „Gerade in Zeiten von Corona ist der Hund für viele der letzte Begleiter und Freund“, sagte Raphelt. Darüber könne man diskutieren, sicherte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FW). Raphelt wies auch darauf hin, dass in Bad Tölz der erste Hund nur 60 Euro koste. Er habe sich mal mit Tierärzten unterhalten. Die gingen davon aus, dass nur 60 Prozent aller Hunde überhaupt gemeldet sind. Die Erhöhung des Steuersatzes trage vermutlich nicht dazu bei, diese Dunkelziffer zu senken, sagte Raphelt. 382 Ersthunde gibt es übrigens im Moment in Lenggries.

Steuerermäßigung für Tiere aus dem Tierheim

Derzeit sieht die Satzung Ermäßigungen beziehungsweise zeitweise Befreiungen von der Steuer unter anderem für Halter vor, die ihren Vierbeiner aus dem Tierheim geholt haben und für jene, die einen Hundeführerschein absolviert haben. Für Letzteren werden genaue Kriterien in der Satzung aufgelistet. „Gibt es da keinen Standard, oder warum steht dazu so viel in der Satzung?“, fragte Josef Wasensteiner (CSU). Es gebe verschiedene Anbieter, antwortete Wenig. Da man keinen Anbieter vorschreiben könne, habe man Mindestanforderungen definiert. Dass derjenige, der einen Hundeführerschein macht, nur ein Jahr von der Steuer befreit ist, ist Raphelt zu wenig Anreiz. „Der Schein kostet etwa 110 Euro. Die Steuerermäßigung hilft zwar, aber es fördert die Bereitschaft nicht unbedingt.“ Er regte eine mehrjährige Befreiung an. Haehl fände es eher besser, dass auch diejenigen profitieren, die bereits vor der Satzungsänderung einen Hundeführerschein absolviert haben – die Befreiung also rückwirkend möglich ist.

Jedes Hundeklo kostet 500 Euro

Markus Ertl (FW) störte sich an einigen Bezeichnungen im Zusammenhang mit der Steuerbefreiung von Hunden für Menschen mit Behinderung. Hier ist in der Satzung unter anderem von „völlig Hilflosen“ die Rede. „Was heißt das? Das ist ein nicht definierter Begriff“, sagte Ertl. Hier müsse man nacharbeiten. Er bat zudem darum, auch sogenannte Signalhunde von der Steuer zu befreien. „Das sind Hunde, die beispielsweise erkennen, wenn jemand droht, in Unterzucker zu fallen und das dann anzeigen.“

Gegen die Stimme von Raphelt erfolgte der empfehlende Beschluss an den Gemeinderat. Bis zu dessen Sitzung werden die diskutierten Änderungen ergänzt. Klaffenbacher warb um Verständnis für die Anpassung. Es gebe 70 Hundetoiletten im Gemeindegebiet, ein Großteil werde vom Bauhof betreut. „Da sind zwei Leute zwei halbe Tage in der Woche beschäftigt.“ Jedes Klo koste 500 Euro. Dazu kommen 2500 Euro pro Jahr für die Müllbeutel. „Der Aufwand hat sich in den letzten Jahren einfach enorm erhöht“, so Klaffenbacher. Diese Meinung teilte Wasensteiner. „Es ist ein riesiges Gemeindegebiet. Die Erhöhung ist gerechtfertigt.“

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