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In dem runden Gebäude befindet sich unterhalb der Zwischendecke die Schlammfaulung, oberhalb ist das Maschinenhaus entstanden.

Großprojekt abgeschlossen

In der Lenggrieser Kläranlage wird aus Faulgas Strom und Wärme

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Aus Faulgas wird in der Lenggrieser Kläranlage Strom und Wärme gewonnen. Das könnte mittelfristig dafür sorgen, dass die Gebühren für die Bürger sinken.

Lenggries – Über zwei Jahre wurde auf dem Gelände der Lenggrieser Kläranlage gebaut. Drei Millionen Euro hat die Gemeinde investiert, um die Einrichtung fit für die Zukunft zu machen. Seit wenigen Wochen wird nun das entstehende Faulgas genutzt, um daraus Strom und Wärme zu gewinnen. Am Donnerstagnachmittag gab es einen Presserundgang.

„Das ist das Herzstück“, sagt Bürgermeister Werner Weindl und zeigt auf das runde Gebäude mit Holzverschalung im oberen Bereich. Vor dem Umbau diente der Turm als Schlammlager. Nun hat er ein Dach und eine Zwischendecke bekommen. Oberhalb der Decke ist das Maschinenhaus entstanden, unterhalb fault der Klärschlamm unter sauerstoffarmen Bedingungen aus. Das dabei entstehende Gas – ein Gemisch aus Methan und Kohlendioxid – wird im benachbarten Gastank gespeichert. Im Blockheizkraftwerk (BHKW) im Maschinenhaus wird es verbrannt. Dabei entstehen Strom und Wärme. Letztere wird für die Gebäude auf dem Gelände genutzt, aber auch für die Schlammfaulung selbst. Der Schlamm brauche nämlich immer eine Temperatur von 37 Grad, berichtet Weindl.

Lenggrieser Kläranlage: Auch die PV-Anlagen liefern Strom

Auch der Strom wird direkt vor Ort verbraucht. Zusammen mit den Photovoltaikanlagen (PV) auf zwei Dächern und einer Böschung „können wir unseren Strombedarf in Zukunft zu wesentlichen Teilen decken“, sagt der Bürgermeister. Eine weitere PV-Anlage könnte auf dem Dach des Maschinenhauses errichtet werden. Rund 300 Quadratmeter stehen dort noch zur Verfügung.

Seit etwa drei Wochen läuft das BHKW. Die Klärschlammfaulung brauchte einige Zeit, bis sie in die Gänge kam. Der Prozess ist nicht ganz einfach. Zum Auftakt wurde Impfschlamm benötigt. Der kam aus der Anlage in Bad Tölz, wie Josef Waldinger vom Planungsbüro Diepold & Gerold erklärt. Bis das Gas die richtige Zusammensetzung hatte, musste es einige Tage über die große Fackel, die neben dem Speicher steht, verbrannt werden.

Teer in einem Gebäude sorgte für große Probleme

Ganz ohne Probleme gingen die Bauarbeiten, die im Mai 2017 begannen, nicht über die Bühne. Beim Umbau des Turms war im Inneren Teer entdeckt worden. Was bei der Errichtung der Anlage Ende der 60er-Jahre ein normaler Baustoff war, ist heute verboten. Teer enthält Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserregend gelten. Zudem waren Asbestfasern eingeschlossen. Das Entfernen und Entsorgen ging nur unter diversen Sicherheitsvorkehrungen. Rund 100 000 Euro an Mehrkosten seien so entstanden, sagt Weindl. Zudem verlor man durch die zusätzlichen Arbeiten etwa ein halbes Jahr. Die Verzögerung führte dazu, dass die Firma, die fürs Dach zuständig war, den Auftrag nicht mehr ausführen konnte. Die Gemeinde musste neu ausschreiben.

Die Betriebskosten sinken - das ist gut für die Gebührenzahler

Was jetzt noch fehlt, ist die maschinelle Schlammentwässerungsanlage. „Dazu müssen wir erst schauen, welcher Schlamm bei uns anfällt“, sagt Weindl. Prinzipiell gebe es zwei Press-Verfahren, ergänzt Waldinger. Man müsse sehen, welches für den Lenggrieser Schlamm besser geeignet sei. Rund 200 000 Euro wird die Anlage kosten, eine Ausgabe, die sich bald amortisieren dürfte. Momentan muss nämlich eine Fachfirma dafür bezahlt werden, die viermal im Jahr mit einer mobilen Presse aufs Gelände kommt, wie Klärwerksleiter Florian Willibald erklärt.

„Wir sparen insgesamt einiges an Betriebskosten“, sagt Weindl. Die Abwassergebühren, die wegen der Investitionen in die Anlage zuletzt gestiegen sind, dürften mittelfristig also wieder sinken. Ganz allein muss die Gemeinde die Drei-Millionen-Euro-Investition übrigens auch nicht stemmen. Der Freistaat bezuschusst das Ganze mit rund 320 000 Euro. Gerüstet für die Zukunft ist man jetzt auf alle Fälle. War die alte Anlage nach der Erweiterung 2001 auf 10 000 so genannte Einwohnergleichwerte ausgelegt, sind es jetzt 20 000.

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