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Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft

In der Natur finden Helfer Hilfe

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7422 Fälle von verbaler oder physischer Gewalt gegen Polizeibeamte gab es im Jahr 2016. Die „Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft“ kümmert sich seit 20 Jahren um traumatisierte Polizisten – und stellte jetzt in Fall ein neues Projekt vor.

Fall– „Es ist ein Segen, dass es Wasser gibt“, sagte Berend Jochem, als er die Gäste in Fall begrüßte. Damit spielte er auf den strömenden Regen an, der während der gesamten Veranstaltung auf das Dach des Zelts prasselte. Und mit einem Augenzwinkern ergänzte er: „Ich freue mich, dass es regnet. Sonst hätten einige Kollegen nicht kommen können, weil sie Heu einfahren hätten müssen.“

Der Grund für die Zusammenkunft war, dass die „Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft“ ihren 20. Geburtstag feierte. Viele Ehrengäste kamen, um vor allem die Arbeit von deren Vorsitzendem Jochem zu loben.

Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Polizisten zu helfen, die traumatische Erlebnisse verarbeiten müssen. „Hier können sie sich erholen“, sagte der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl, der vorausblickte. „Ich glaube nicht, dass die Arbeit der Stiftung weniger wird. Ganz im Gegenteil.“ Die Gewalt gegen Polizeibeamte nehme zu. Hier müsse die Politik Mittel und Wege finden gegenzusteuern.

„Sicherheitskräfte können von einer Sekunde auf die nächste in lebensgefährliche Situationen geraten“, sagte Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck. Am Beispiel der Polizistin, die vor einem Jahr in einer Münchner S-Bahn attackiert worden war, sagte er: „Es macht mich betroffen, wie es Menschen ergehen kann, die uns schützen.“ Man wolle die zunehmende Zahl an Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte nicht im Raum stehen lassen. Es habe sich einiges getan, wie beispielsweise eine Verbesserung der Schutzausrüstung. Die Stiftung habe eine wichtige Aufgabe.

„Man sieht hier gut, wie die Polizeifamilie zusammenhält“, fand auch Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), nur lobende Worte für die Stiftung. „Eine tolle Einrichtung“, betonte auch Rainer Nachtigall, Landesvorsitzender Bayern der DPolG.

Es sei eine große Freude, das ehemalige Forstamt in solcher Fürsorge zu wissen, sagte Herzogin Elisabeth in Bayern. Bereits ihr Ururur-Großvater Luitpold von Bayern habe Fall geliebt. „Er hat es einmal ein Paradies genannt. Hier war er frei, hier gab es keine Zwänge oder Termine.“ Hier ging er gerne auf die Jagd. „Der Prinzregent hätte sich nichts Schöneres für das Forstamt vorstellen können. Er hätte sich darüber sicher sehr gefreut.“

Von der schönen Natur in Fall und Umgebung schwärmten fast alle Redner. Genau darum dreht sich auch das neueste Projekt der Stiftung. Im „Therapieraum Natur“ sollen traumatisierte und geschädigte Menschen die Möglichkeit finden, durch Arbeit in der Natur Erholung zu finden.

„Anfänglich dachte ich, jetzt möchte sich der Berend Jochem auch noch mit Waldbewirtschaftung beschäftigen“, sagte Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs, in seinem Grußwort schmunzelnd. „Aber die Idee hat mir gut gefallen.“ Der Wald habe eine wohltuende Wirkung auf das Gemüt des Menschen. „Er gibt Menschen, die ihr inneres Gleichgewicht verloren haben, die Möglichkeit, dieses wieder zu finden.“

Wie die Idee entstand, berichtete schließlich der Festredner Lutz Spandau von der Allianz Umweltstiftung. Diese hat das Projekt mit einem Zuschuss über 60 000 Euro unterstützt.

„Wir hatten mit dem ZUK in Benediktbeuern die Aktion ,Hoffnungsstark’ gestartet“, sagte Spandau. Diese biete jugendlichen Erststraftätern die Chance, durch Betätigung in der Natur einer Gefängnisstrafe zu entgehen. „Die Jugendlichen haben geholfen, das Moor zu renaturieren.“ Nachdem er das Projekt beim Jahressymposium vorgestellt hatte, sei Berend Jochem, der im Publikum saß, auf ihn zugekommen und habe gesagt, ob man so etwas nicht auch für traumatisierte Polizisten anbieten könne. Daraus sei das Konzept für den „Therapieraum Natur“ entstanden. Jochem habe schnell die Staatsforsten mit im Boot gehabt.

Die ersten Erfolge hätten sich auch bereits bei einem der ersten Fälle gezeigt: Ein Polizist, der nach dem Attentat von Winnenden vor Ort war und nicht mehr durchschlafen habe können, hätte zum ersten Mal wieder Ruhe gefunden. Spandau: „Allein für diesen einen Fall hat sich die Arbeit gelohnt.“

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