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Doppelte Freude im Sonnenschein: Die Jugend des Trachtenvereins „Stamm“ begeistert die Zuschauer.

Markt ums Rathaus

Flößerfest mit Tanz, Musik und Handwerk

Lenggries – Flößerhandwerk bei Sonnenschein: Das Markttreiben lockte am Samstag viele Besucher nach Lenggries. Von Holzarbeiten für den guten Zweck, Sägen zum Mitmachen und fantasievollen Stelzengehern.

Dem Himmel sei Dank: Den gut 6000 Besuchern des Lenggrieser Flößerfests ist Sonnenschein vergönnt, was alle Mühen der Veranstalter belohnt. Handwerker und Marktstände, Kulinarisches sowie Unterhaltung: Fast 60 Namen von Firmen und Anbietern listet das Programm am Samstag auf.

„Dass das so aufreißt“, bemerkt eine Besucherin vor dem Heimatmuseum, vor dem die Jugend des Trachtenvereins „Stamm“ auf der Bühne getanzt hat. Das Zelt über der Blaskapelle Lenggries schützt die Musiker nun vor Hitze – nicht vor Regen. Die Tische entlang der Marktstraße sind voll besetzt, wie auch die Parkbänke und Sitzgarnituren, die im Kurpark stehen.

Vom Museum bis dorthin bieten die Stände den Besuchern Vielfalt. Der Handwerker- und Gewerbeverein bietet Scherzlschneiden für den guten Zweck. Die Holzscheiben mit bis zu drei Zentimetern Dicke und 60 Zentimetern Durchmesser gehen gut weg, wie Georg Wasensteiner berichtet. Er schlägt einen Brunnen aus einem Baumstamm, Grandhacken wird das genannt.

„Wenn er bei der Versteigerung etwas einbringt, freut es uns“, meint Wasensteiner. Das Geld ist für das Brunnenbohrprojekt von Pater Josef Wasensteiner in Brasilien bestimmt. Neben Georg Wasensteiner schlägt Georg Willibald einen lebensgroßen Kuhkopf aus einem Kieferblock heraus. Die Kuhschelle, Ohren und Hörner liegen schon fertig daneben. Hinter ihm dürfen Gäste mit der Handsäge Scheiben von einem dünnen Baumstamm abschneiden. Ein kleines Mädchen hilft seinem Papa. Dahinter löst ein alter, großer Hobel schöne Holzlocken von einem Scheit.

Benedikt Kloiber zeigt das Drexlerhandwerk. In einer großen Holzschale testen Kinder seine feinen Kreisel. Am Stand daneben gibt es handgefertigte Schalen, Löffel und andere Holzarbeiten für den Tisch. Viele Familien betrachten das vom Kutschenfuhrwerk aus, das den ganzen Nachmittag vollbesetzt Runden durchs Dorf dreht.

Weitere Pferde sind bei Hufschmied Michael Probst zu sehen, der drei prächtige Rösser von Sepp Bichlmair beschlägt. Kinder staunen, wie die Pferde die lauten Schläge ruhig über sich ergehen lassen. Metallbauunternehmer Markus Schwarzenberger zeigt das alte Handwerk mit Esse und Amboss. „Früher hieß das einfach Schmied“, sagt er schmunzelnd.

Mitten auf der Straße tritt ein Bub, Anderl Baumgärtl, eifrig das Rad unter der Feuerstelle. „Die ist 100 Jahre alt und steht bei uns in der Werkstatt“, erklärt Schwarzenberger. Aus den rotglühenden Eisenstücken schlägt er die Werkzeuge, mit denen Holzhacker und Flößer früher die Baumstämme bewegten.

Das Ehepaar Evelyne und Bernhard Weigl vom „Rottaler Staatszirkus“ zeigt Kunst statt Handwerk und bezaubert im Kurpark auf Stelzen. Blasmusik aus Slowenien begleitet sie spontan. Die Musiker gehören zu den 300 Flößern, die zum internationalen Flößertreffen nach Lenggries gekommen sind.

Ursula Grottenthaler, Leiterin der Gästeinformation, ist heilfroh, dass der heftige Schauer am Mittag nur von kurzer Dauer war. „Unsere Gäste haben durchgehalten und sind geblieben“, sagt sie. Am Sonntag schüttet es umso mehr. Den Flößervereinen aus neun Ländern kann der Regen aber nichts anhaben: Sie präsentieren ihre Trachten beim Festzug nach dem Gottesdienst einfach unterm Regenschirm.

Birgit Botzenhart

Bilder: Flößerfest mit Markttreiben

Bilder: Flößervereine trotzen dem Regen

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