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Erfolgreiche Sportlerin: Transgender-Frau Amanda Reiter aus Lenggries gewann den Hohenburger Schlosslauf. Immer wieder ist sie mit Fragen konfrontiert.

Interview mit der Lenggrieserin Amanda Reiter

Als Transgender-Sportlerin nicht im Vorteil

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Lenggries - Was transsexuelle Sportler angeht, sind bei Olympia neue Zeiten angebrochen. Sie dürfen auch dann antreten, wenn sie sich (noch) keiner geschlechtsangleichenden Operation unterzogen haben. Dennoch bleiben bei manchen Menschen Zweifel: Sind Athletinnen, die in einem männlichen Körper geboren wurden, im Vorteil? Mit dieser Frage war auch die Lenggrieserin Amanda Reiter (49) schon konfrontiert, die 2015 ihr Geschlecht operativ anpassen ließ.

Amanda Reiter ist  als Läuferin für den PTSV Rosenheim aktiv und gewann zuletzt den Hohenburger Schlosslauf.

Frau Reiter, welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer Leistungsfähigkeit als Transgender-Sportlerin gemacht?

Amanda Reiter: 2010 habe ich bei der bayerischen Meisterschaft bei den Herren den 3. Platz belegt und wurde Mannschaftsmeister. 2011 habe ich die Raiffeisen-Oberland-Challenge in der Altersklasse 40 gewonnen. Damals bin ich 10 Kilometer in 35 Minuten gelaufen. Nach einer Pause durfte ich 2014 dank einer großzügigen Geste bei den Frauen starten. Zu dieser Zeit hatte ich schon weibliche Hormone, aber es war vor meiner OP.

Wie war das Ergebnis?

Reiter: Als ich an den Start gegangen bin, haben mich alle angeschaut und gedacht, ich laufe jetzt wieder 35 Minuten. Es wurden 43 Minuten – eine gute Frauenzeit, aber weit von den früheren Zeiten entfernt.

Sie hatten also keinen körperlichen Vorteil gegenüber den Konkurrentinnen?

Reiter: Nein, eher einen Nachteil. Durch die Hormonbehandlung wurde mein Testosteronwert auf nicht mehr messbare Werte reduziert. Der Testosteronwert ist ausschlaggebend für die körperliche Leistungsfähigkeit. Viele glauben es mir nicht, aber ich habe einfach nicht die Kraft wie ein Mann. Dazu kam, dass ich als Nebenwirkung der Behandlung 15 Kilo zugenommen hatte – trotz sportlicher Aktivitäten.

Und wie ist es heute?

Reiter: Nach der OP habe ich Testosteronwerte wie jede andere biologische Frau auch. Ich habe als Transgender-Sportlerin keinen körperlichen Vorteil gegenüber anderen Frauen. Als Mann hatte ich einen Körperfettanteil von unter zehn Prozent. Heute sind es etwa 20 Prozent. Als Mann wog ich in meinen besten Zeiten 73 Kilo, jetzt wiege ich 68 Kilo, habe weniger Muskelmasse und mehr Fett. Meine Leistungen gehen auf harte Arbeit zurück. Ich mache jeden Tag Sport, laufe 120 Kilometer in der Woche.

Wirklich gar keinen Vorteil?

Reiter: Ich habe den Vorteil, dass ich seit zehn Jahren professionell laufe. Ich habe ein gute Lauftechnik, ich weiß, wie ich mich taktisch verhalte. Ich bin nicht zur Anfängerin operiert worden. Geblieben sind auch meine Bänder, Sehnen und Knochen. Ich habe einen stabilen Körperbau und bin mit 1,80 Metern größer als manche andere Frauen. Aber all das kann auch bei jeder anderen Frau so sein.

Stehen Sie trotzdem bisweilen im Verdacht, auf unfaire Art bessere Voraussetzungen zu haben?

Reiter: Klar, dieser Gedanke ist immer wieder da: Ich würde sozusagen bescheißen. Selten sagt mir das jemand ins Gesicht, eher geht es hintenrum, manchmal rutscht es einem heraus. Als ich den Schlosslauf gewann, waren einige verstört oder haben dumm gekuckt. Dabei habe ich 1:1 die gleichen Blutwerte wie jede andere Frau. Ich würde jeden Dopingtest bestehen.

Was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Reiter: Im Marathon möchte ich an eine Zeit von drei Stunden herankommen. 2010 bin ich noch 2:46 Stunden gelaufen. Letztes Jahr in München waren es 3:31 Stunden. Für den 4. Dezember bin ich beim Marathon in Singapur angemeldet.

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