+
Hier wird eine der Schütztafel-Hälften in die Grundablasskaverne geschoben. Nach ihrem Einbau regulieren diese Stahltafeln die Menge, die im Hochwasserfall an die Isar abgegeben wird.

Stippvisite des Umweltministers aus Stausee

Investition am Sylvenstein: Zwölf Millionen Euro für ruhigeren Schlaf

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
    schließen

Seit Jahren wird am Sylvensteindamm gebaut. Über 100 Millionen Euro hat der Freistaat seit Mitte der 90er-Jahre investiert, um das Bauwerk fit für die Zukunft zu machen. Nun ist der nächste Bauabschnitt fertig. 

Lenggries – „Das ist eine der wichtigsten Baustellen Bayerns“, sagte Umweltminister Thorsten Glauber am Donnerstagnachmittag bei seinem Besuch am Sylvensteinspeicher. „Die Menschen verlassen sich auf die Arbeit, die hier geleistet wird.“ Zuletzt sei der Speicher beim Hochwasser 2013 die Lebensversicherung für viele Orte gewesen. Nicht vergessen dürfe man aber auch seine regulierende Funktion in Trockenperioden. „Auch da ist der Sylvenstein ein Segen“, sagte Glauber.

Über 100 Millionen Euro seit Mitte der 90er-Jahre investiert

Damit der in den 1950er-Jahren errichtete Speicher für alle künftigen Ereignisse gerüstet ist, wird er seit Mitte der 90er-Jahre kontinuierlich modernisiert. Investitionsvolumen: über 100 Millionen Euro. Es waren zum Teil spektakuläre Bauvorhaben, die dort umgesetzt wurden. 2012 beispielsweise musste in den Damm eine neue Dichtwand eingezogen werden. Bis zu 70 Meter bohrten sich die riesigen Maschinen, die auf der Fahrbahn auf der Dammkrone standen, dafür in die Tiefe. Vier Monate lang wurde fünf Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet.

Ein neuer Stollen am Fuß des Damms

Ein Jahr später erfolgte der Bau des Sickerwasserstollens am Dammfuß. Dafür waren Sprengungen notwendig. Danach fraß sich eine Tunnelbohrmaschine durch den Untergrund. 175 Meter ist die begehbare Röhre lang.

Freuten sich über den Abschluss der Stahlwasserbau-Sanierung am Sylvenstein (v. li.): Roland Kriegsch, Umweltminister Thorsten Glauber, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber, Tobias Lang, Andreas Riesch  und Steffen Lehmann.

Eine weitere spektakuläre Aktion erfolgte 2015. Der Grundablassstollen erhielt ein neues Revisionsschütz, das nachts von einem Autokran eingehoben wurde. Dieser „Stöpsel“ wird geschlossen, wenn im Stollen gearbeitet werden muss. Nebeneffekt der Arbeiten: Der Wasserspiegel des Sees musste für einige Wochen um 13 Meter abgesenkt werden, die Überreste von Alt-Fall kamen zum Vorschein. Eine Attraktion, die tausende Besucher anlockte und durch den Schlamm waten ließ.

Nächtliche Aktion und ein Spaziergang durch Alt-Fall

Der Einbau des Revisionsschützes war zudem der Auftakt des nun abgeschlossenen Sanierungsabschnitts. Der gesamte Stahlwasserbau wurde überholt. Kostenpunkt: zwölf Millionen Euro. „Beim Hochwasser 2013 war das maximale Stauvolumen erreicht“, erinnerte Roland Kriegsch, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim. Nach dieser „besonderen Belastung“ musste die Sanierung des Stahlwasserbaus in Angriff genommen werden.

Die spezielle Herausforderung war das Bauen im Bestand unter sehr beengten Platzverhältnissen. Die Arbeiten fanden im Prinzip unbemerkt von der Öffentlichkeit statt – etwa 40 Meter unter der Oberfläche. Durch den Grundablass wird das Wasser aus dem Speichersee im Hochwasserfall in die Isar abgegeben. Um die Menge zu regulieren, gibt es zwei hintereinanderliegende Schieber, die hoch- und runtergefahren werden können. Diese bestehen aus dickem Stahl – und mussten ersetzt werden. Außerdem gibt es nun moderne Hydraulikantriebe statt der bisher mechanischen.

Umweltminister: „Können alle ein Stück beruhigter schlafen“

Als dieser Abschnitt 2017 abgeschlossen war, erfolgte der Austausch des Stahlwasserbaus auf der anderen Seite, am sogenannten Triebwasserstollen. Durch diesen fließt das Wasser im Normalfall aus dem See durch die beiden Kraftwerke in die Isar. Aber auch in diesem Ablass gibt es zwei hintereinander liegende Schütz-Tafeln, die im Hochwasserfall geöffnet werden können.

„Es wurden zwei Siphons eingebaut, die die Badewanne Sylvenstein richtig ablaufen lassen können“, verdeutlichte Glauber. Er dankte allen Beteiligten, die dafür gesorgt hätten, „dass wir alle wieder ein Stück beruhigter schlafen können“.

Auch interessant

Kommentare