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Der alte und neue Vorstand beim Verein „Rettet die Isar jetzt“ (v. li.): Vizevorsitzender Franz Speer, Kassier Fritz März, Vorsitzender Karl Probst, Vizevorsitzender Werner Weindl und Schriftführer Andreas Pfirstinger.

Isar-Retter müssen dicke Bretter bohren

Eine aktuelle Bestandsaufnahme der Situation an der oberen Isar sowie ein Expertenstreit über Sinn und Nutzen des Geschiebeeintrags waren bestimmende Themen in der Hauptversammlung des Vereins „Rettet die Isar jetzt“.

Lenggries– Nach Einschätzung des im Amt bestätigten Vorstands wird in nächster Zeit wenig passieren. Alles fokussiert sich bei den Verantwortlichen der Isar-Schutzgemeinschaft jetzt auf das Jahr 2020, denn dann können die Wasserrechte gekündigt und für die Zeit nach 2030 neu verhandelt werden. Vorsitzender Karl Probst: „Es geht nur sehr langsam voran, wir bohren dicke Bretter!“ Er beschrieb zunächst die zahlreichen Ableitungen an der oberen Isar, die er insbesondere im Hinblick auf den Rißbach ein „ökologisches Desaster“ nannte.

Beim Kampf des Vereins um mehr Restwasser für die Isar nach 2030 sieht Probst auf der politischen Ebene derzeit Verbündete und Gegner: „Die Gemeinden Wallgau und Krün werden uns unterstützen.“ Darüber hinaus sehe es noch düster aus: „Bei der Dürrach-Ableitung und dem unterbrochenen Achensee-Abfluss tut sich nichts“. Warum das so ist? „Österreich zelebriert hier seine Souveränität“, sagte Probst. Auf entsprechende Anfragen hätten sowohl Wien als auch Brüssel dem Verein keine Antwort gegeben.

Dazu Probst: „Im vereinten Europa kann man sich nicht hinter Grenzen verschanzen“ – und es könne natürlich auch kein „ewiges Wasserrecht“ mehr geben.“ Das Flecker Wehr entspricht laut Probst „nicht dem Stand der Technik“. Er sprach sich für den Bau eines Wasserkraftwerks in Farchet aus, „sofern damit keine präjudizierende Wirkung für das Walchenseekraftwerk begründet wird“.

Und wie kann es bei der Freizeitnutzung der Isar weitergehen? „Es soll niemand ausgesperrt werden“, versicherte Probst, „aber wir sind für ein ruhiges und authentisches Naturerlebnis und gegen einen kommerziellen Event-Tourismus“. Der ökologisch besonders sensible Flussabschnitt zwischen Wallgau und Fall solle aber von einer Nutzung möglichst ausgeklammert werden.

Über Sinn und Nutzen des Geschiebeeintrags unterhalb des Sylvenstein-Staudamms entwickelte sich in der Diskussion ein beinahe verbissen geführter Streit unter Fischern. Manfred Haff: „Kies ist nicht gleich Kies, Feinmaterial bringt nichts, nur grobes Material und Totholz nützen was.“ Hans Simon hielt auch davon wenig: „Nur Sohlschwellen, also Querverbauungen können den Fluss stabilisieren und eine weiter fortschreitende Eintiefung aufhalten.“

Zum Abschluss zeigte Franz Speer aufschlussreiche Bilddokumente, die alle Isar-Regulierungen in den letzten 100 Jahren und deren drastische Auswirkungen veranschaulichten.

Bei den turnusmäßigen Neuwahlen sind alle fünf Vorstandsmitglieder einstimmig im Amt bestätigt worden: Vorsitzender bleibt Karl Probst, Bürgermeister Werner Weindl und Franz Speer sind seine Stellvertreter, Andreas Pfirstinger ist Schriftführer und Fritz März weiterhin Kassier.

Rainer Bannier

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