Dialekt-Kenner: Willy Kometer mit seinem Wörterbuch mit über 5000 Isarwinkler Mundart-Ausdrücken. Foto: Pröhl

Isarwinkler Dialekt-Buch erschienen

Den Leuten aufs Maul geschaut

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Lenggries - Willy Kometer mag‘s gern Bairisch – nicht nur äußerlich. „Ich bin ein Verfechter des Dialekts“, sagt der Lenggrieser. Er hat ein Buch mit über 5000 Isarwinkler Mundart-Ausdrücken zusammengestellt.

Lenggries – „Im Laufe weniger Jahre gehen so viele Dialekt-Begriffe verloren“, hat Willy Kometer festgestellt. Zugleich finden seiner Meinung nach immer mehr Anglizismen Eingang in die Alltagssprache. Das ärgert den 73-jährigen Rentner. Er ist überzeugt: „Wer mit dem Dialekt aufgewachsen ist, der tut sich leichter beim Lernen von Fremdsprachen.“ Kometer ist in einem Elternhaus groß geworden, in dem Mundart gesprochen wurde. „Meine Mutter war eine echte Lenggrieserin, mein Vater stammte aus dem Chiemgau.“ Er selbst habe sich mit Englisch und Französisch immer leichtgetan. Kometer fühlt sich mit seiner Heimat verbunden. Er hat sich bei der Bergwacht und im Alpenverein engagiert. Vor gut drei Jahren reifte bei ihm der Plan, ein kleines Wörterbuch zusammenzustellen: „Isarwinkler Boarisch im 20. Jahrhundert“ – so heißt der Sammelband, in dem er 5080 Begriffe aufgeschrieben hat. Ein Wiort nach dem anderen ist so im Laufe der Zeit zusammengekommen. „Ich war immer mit Notizblock und Stift unterwegs“, sagt der Lenggrieser. Manchmal sei er auch zu eingesessenen Isarwinklern gegangen und habe sich über den einen oder anderen Begriff erkundigt. Ein über 80-jähriger Austragsbauer aus Fleck habe ihm beispielsweise geholfen, alte Begriffe aus der Landwirtschaft zu erklären.

Kometer hat sich bei seinen Nachforschungen auf die Gemeinde Lenggries konzentriert. „In Gaißach, Wackersberg und Jachenau gibt es schon wieder leichte Abweichungen“, sagt er. Für seine Sammlung hat er sich eine eigene Lautschrift ausgedacht, um alle Klangfarben darstellen zu können. So kennzeichnet er ein helles a wie in dem Wort fárm (für färben) mit einem Accent aigu. Ein dunkles o wie in Bòn (für Baden) ist mit einem Accent grave versehen. Diese und weitere Vorschläge würden laut Kometer auch „die ebenfalls charmanten Dialekte der Allgäuer, Schwaben, Franken, Niederbayern und Oberpfälzer korrekt schreib- und lesbar machen“. Denn jeder Dialekt habe seinen eigenen Reiz.

Kometer hat sein Wörterbuch in erster Linie „für sich selbst gemacht“. Bei einer Veranstaltung in Lenggries hat er seine Sammlung kürzlich dem Dialekt-Forscher Anthoney Rowley vorgestellt. Dem Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler hat er ein Ringbuch-Exemplar mit der Post geschickt. Zudem hat er den Gemeinden Lenggries, Wackersberg und Gaißach sowie der Stadt Bad Tölz jeweils eine Ausgabe „Isarwinkler Boarisch“ geschenkt.

„Ich schreibe halt gern“, sagt Kometer. Bereits vor knapp zehn Jahren hat er seine Biografie „Das bisschen Leben“ veröffentlicht. Sein Wörterbuch nun sei ein Vermächtnis an die Heimat.

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