Pressetermin im Wald: Ende August trafen sich Anhänger eines Wald-vor-Wild-Bündnisses im Hartpenninger Revier (v. li.) Hans Kornprobst, Sprecher des BN-Landesarbeitskreises Wald, BN-Landesvorsitzender Richard Mergner, Michael Lechner (WBV Holzkirchen) und Revierförster Robert Wiechmann.
+
Pressetermin im Wald: Ende August trafen sich Anhänger eines Wald-vor-Wild-Bündnisses im Hartpenninger Revier. Auf deren Aussagen reagierte nun der Kreisjagdverband Bad Tölz mit deutlichen Worten. Auf dem Bild zu sehen sind: (v. li.) Hans Kornprobst, Sprecher des BN-Landesarbeitskreises Wald, BN-Landesvorsitzender Richard Mergner, Michael Lechner (WBV Holzkirchen) und Revierförster Robert Wiechmann.

Kreisjagdverband

Jäger schießen gegen Wald-vor-Wild-Bündnis

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
    schließen

Naturschützer fordern höhere Abschusszahlen, um den Wald zu schützen. Der Kreisjagdverband Bad Tölz wirft ihnen nun vor es gehe ihnen um wirtschaftliche statt um ökologische Interessen.

  • Mehr Wild abschießen, damit der Wald weniger geschädigt wird: Diese Forderung stellte jüngt das Bündnis „Wald vor Wild“ auf.
  • Nun kontert der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Bad Tölz. Wolfgang Morlang sagt, bei der Forderung gehe es in Wirklichkeit um rein wirtschaftliche Interessen.
  • Die Auseinandersetzung spielt sich vor dem Hintergrund der anstehenden Novellierung des Bundesjagdgesetzes ab.

Lenggries – Heuchelei und plumpe Argumente wirft der Kreisjagdverband Bad Tölz einem Wald-vor-Wild-Bündnis aus dem Nachbarlandkreis Miesbach vor. Wie berichtet fordern Vertreter von Bund Naturschutz (BN), Waldbesitzer und Revierförster höhere Abschusszahlen. So soll Wildverbiss eingedämmt werden – und der Umbau hin zu klimastabilen Wäldern gelingen.

Kreisjagdverbandsvorsitzender Wolfgang Morlang aus Lenggries findet dazu deutliche Worte: „Die von den selbst ernannten Ökojägern, vom BN und manchen Teilen der Waldbauern wiederkehrenden Forderungen nach höheren Abschusszahlen für Reh, Rotwild und Gams haben allein wirtschaftliche Interessen und nicht – wie heuchlerisch ständig wiederholt – die Sorge um den Wald als Ökosystem“, heißt es in einer von ihm verfassten Pressemitteilung. Keines der Argumente drehe sich darum, die natürliche Waldzusammensetzung zu stabilisieren. Es gehe allein darum, ökonomisch verwertbare Baumarten ohne viel Aufwand hochzubringen. Diese wirtschaftlichen Interessen seien zwar ein legitimes Ziel eines jeden Waldbauern. „Dann aber sollte das auch ehrlich so als rein wirtschaftliches Ziel verkauft werden, statt den Retter des Ökosystems Wald vorzugaukeln“, findet Morlang.

Streit um Abschussquoten: „Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“

Der Lenggrieser reagiert damit unter anderem auf Aussagen des BN-Landesvorsitzenden Richard Mergner. Der hatte bei einem Pressetermin Ende August in Hartpenning gesagt: „Wir brauchen eine Jagd, die mithilft, dass der Wald wachsen kann.“ Der Wald zeige, „ob die Jagd stimmt“. Als Beispiel diente das Hartpenninger Revier: 180 Rehe im Jahr werden hier pro Jahr geschossen. „Als wir mal nur 20 Stück weniger geschossen haben, war das im Wald deutlich abzulesen“, sagte der zuständige Jagdvorsteher. Aus Sicht der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen heißt das: Die 180er-Quote ermöglicht es dem Wald, aus eigener Kraft den Umbau hin zu einem klimafesten Mischbestand mit Tanne, Buche und Eiche zu bewerkstelligen. Ziel sei es, dass standortheimische Baumarten ohne Schutzmaßnahmen aufwachsen könnten.

Wolfgang Morlang, Vorsitzender Kreisjagdverband.

In mehr als der Hälfte der bayerischen Jagdreviere seien die Wildbestände aber so hoch, dass Laubbäume und Tannen nicht ohne teure Schutzmaßnahmen wachsen könnten.

Der Kreisjagdverband kontert, dass nicht einmal klar sei, wie viele Rehe, Hirsche und Gämsen es im Freistaat gebe, heißt es in der Pressemitteilung. Trotzdem werde gepredigt, dass es zu viel Wild gebe und dass deshalb der Wald kurz vor dem Untergang stehe. „Sicher, es ist halt einfach, den Jägern und dem Wild die Schuld in die Schuhe zu schieben, um von eigenen Fehlern abzulenken“, sagt Morlang. Die Jagd könne den Waldumbau zwar unterstützen. Sie könne aber nur eine von vielen Baustellen sein.

Es reicht nicht, plump nach immer höheren Abschusszahlen zu rufen.

Wolfgang Morlang, Vorsitzender Kreisjagdverband Bad Tölz.

Der Zeitpunkt der öffentlichen Auseinandersetzung kommt nicht von ungefähr. Die Novellierung des Bundesjagdgesetzes steht an. Der Entwurf müsse unbedingt im Sinne einer waldfördernden Jagd nachgeschärft werden, sagt BN-Landesvorsitzender Richard Mergner. Nach Ansicht des Kreisjagdverbands Bad Tölz muss in den Entwurf dagegen den Wildtieren ein viel höherer Stellenwert eingeräumt werden. Der Schwerpunkt liege aktuell ausschließlich auf der Situation der Waldbestände. „Es wird aber nicht das Waldgesetz novelliert, sondern das Jagdgesetz“, heißt es in der Pressemitteilung.

Morlang zufolge sei ein ausgeklügeltes, auf lange Zeit angelegtes und auf wildbiologischen Erkenntnissen basierendes Konzept nötig. Dieses müsste waldbauliche Maßnahmen ebenso wie jagdliche Methoden berücksichtigen. Es reiche nicht, „plump nach immer höheren Abschusszahlen zu rufen“.

Lesen Sie auch:

Zuletzt war zwischen dem Jagdverband und der Grünen-Landtagsfraktion ein Streit ausgebrochen, als letztere forderte, bei der Jagd Nachtsichtgeräte einzusetzen.

Bei der Kommunalwahl im März hatte Wolfgang Morlang sich um das Amt des Lenggrieser Bürgermeisters beworben.

Einen Einblick ins vergangene Jagdjahr hatte der Kreisjagdverband zuletzt in Frühjahr bei der Hegeschau in Lenggries gewährt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mit voller Absicht: Mann (17) hustet Urlauber ins Gesicht - und bedroht ihn dann mit zerbrochener Bierflasche
Mit voller Absicht: Mann (17) hustet Urlauber ins Gesicht - und bedroht ihn dann mit zerbrochener Bierflasche
Tölz live: Im Landkreis aktuell nur wenige Corona-Neuinfektionen
Tölz live: Im Landkreis aktuell nur wenige Corona-Neuinfektionen
Gaißacher tobt: „I bring Euch um, aa den Richter und Staatsanwalt“
Gaißacher tobt: „I bring Euch um, aa den Richter und Staatsanwalt“

Kommentare