+
Die letzten Wochen in der Jausenstation Aquila: Claudia und Sepp Bichlmair haben den Pachtvertrag gekündigt.

Beliebtes Ausflugsziel

Jausenstation Aquila vor dem Aus

  • schließen

Die Österreichischen Bundesforste wollen die Jausenstation Aquila in ein Forsthaus umwandeln. Die Pächter finden das nicht weiter schlimm.

Lenggries – Verliert der Isarwinkel eine Attraktion? Die Österreichischen Bundesforste denken darüber nach, die Jausenstation Aquila im Bächental zu schließen und in ein Forsthaus umzuwandeln. „Die Zukunft ist offen“, teilt die Pressestelle mit. Doch egal wie die Entscheidung am Ende ausfällt – Claudia und Sepp Bichlmair führen die Jausenstation nur noch bis zum Ende der Saison an Kirchweih und ziehen sich dann nach 13 Jahren zurück.

Die Jausenstation Aquila ist ein ganz besonderer Platz für einen Ausflug. Es gibt nur wenige im Landkreis, die noch abgeschiedener sind. Die Aquila liegt mitten in einem Handy-Funkloch. Um Empfang zu haben, müssen Radler mindestens vier Kilometer fahren. Noch weiter ist es bis zur nächsten Straßenlaterne. Sie steht im Lenggrieser Ortsteil Fall am Sylvenstein-Stausee und ist neun Kilometer entfernt. „Hier gibt es überhaupt keinen Lichtsmog“, sagt Claudia Bichlmair. „In der Nacht ist es richtig, richtig dunkel.“

Die beiden Lenggrieser hatten schon immer davon geträumt, solch eine abgelegene Berghütte zu betreiben. Vor 13 Jahren kam den beiden zu Ohren, dass seit geraumer Zeit die Aquila leer steht. Die Bichlmairs interessierten sich zunächst nur für die kleine Hütte neben dem Forsthaus. Die Bundesforste wollten jedoch den gesamten Komplex verpachten. Nach „reiflicher Überlegung“ stimmten die Bichlmairs zu – und führten nun plötzlich ein stattliches Haus mit 15 Betten, 30 Plätzen im Gastraum und 100 Plätzen auf der Terrasse. Zu Beginn hatten die Wirtsleute noch ein vergleichsweise ruhiges Leben. Richtig spannend wurde es nur, wenn ein Unwetter die Telefonleitung zerstörte. „Da habe ich dann Gäste bitten müssen, dass sie bei meiner Mama anrufen, damit sie weiß, was sie für uns einkaufen soll.“ Als Konsequenz installierten die Bundesforste wenig später ein Satellitentelefon, das jedoch auch nicht immer zuverlässig funktioniert.

Gästezahl kontinuierlich gestiegen

Im Laufe der Jahre sprach sich herum, dass man in der Aquila gut essen kann. Rad- und Wanderführer machten Ausflügler auf das Ziel aufmerksam. Hinzu kam der Boom der E-Bikes. Egal ob Jung oder Alt – die Jausenstation ist mittlerweile für jeden problemlos erreichbar. Die Gästezahl stieg. „Irgendwann ist es zu viel geworden“, sagt Claudia Bichlmair. Zumal sie jeden Tag zwischen Lenggries und dem Bächental hin- und hergependelt. Nur wenn sich mindestens zehnköpfige Gruppen ansagen, bleibt sie nachts im Haus und sperrt die Schlafräume auf: „Der Aufwand muss sich rentieren.“

Ein weiterer Grund für den Rückzug: Sepp Bichlmair hat mit 63 Jahren nun fast das Rentenalter erreicht, beide wollen es deshalb ruhiger angehen lassen: „Wir möchten jetzt einfach ein bisschen auf uns selbst schauen“, sagt Claudia Bichlmair. Sie räumt ein, dass der Rückzug mit einem lachenden und einem weinenden Auge erfolgt, „weil wir hier viele nette Leute kennengelernt haben“.

Die Nachricht, dass die Aquila schließt, hat sich im Isarwinkel mittlerweile herumgesprochen: „Uns sprechen brutal viele Leute an“, sagt Bichlmair. „Sie sind traurig, dass jetzt womöglich ein Ausflugsziel wegfällt, das sie seit ihrer Kindheit kennen.“ Sie macht aber auch deutlich: „Ich will hier nicht als alte, fade Wirtin enden.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Auf geht’s in die Hütten-Saison

Taucher aus Erding im Walchensee vermisst: Tauchroboter bringt noch kein Ergebnis

Raubüberfall in Lenggries: Polizei sucht nach diesem Mann mit Foto

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Brauneck-Drama: Münchner rutscht aus und stürzt in den Tod
Am Brauneck kam es zu einem tödlichen Bergunglück. Ein Mann stürzte 100 Meter in die Tiefe und starb. Er war zusammen mit seiner Ehefrau wandern.
Brauneck-Drama: Münchner rutscht aus und stürzt in den Tod
Kommunalwahl 2020: CSU will stärkste Kraft in Heilbrunn bleiben
Der CSU-Ortsverband Bad Heilbrunn scheint gut gerüstet für die Kommunalwahl im März 2020.
Kommunalwahl 2020: CSU will stärkste Kraft in Heilbrunn bleiben
Wie oft sollen künftig Busse im Tölzer Land fahren?
Weitreichende Entscheidung in Sachen Busverkehr fällte der Kreis-Infrastrukturausschuss in seiner Sitzung in Bad Tölz.
Wie oft sollen künftig Busse im Tölzer Land fahren?
Grüne wollen im  Sachsenkamer Rathaus mitmischen
Die Grünen wollen‘s wissen: Sie treten in Sachsenkam mit einer eigenen Liste zur Gemeinderatswahl an.
Grüne wollen im  Sachsenkamer Rathaus mitmischen

Kommentare