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Stellten das Projekt vor: (v. li.) Bauamtsmitarbeiter Martin Sappl, Bürgermeister Werner Weindl und Planer Christian Schuhmacher vor der neuen Hackschnitzelheizung. 

Projektvorstellung

Jetzt wird’s warm: Neue große Hackschnitzelheizung in Lenggries in Betrieb

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650 Tonnen CO2 pro Jahr spart die Gemeinde Lenggries ab sofort ein. Die neue Hackschnitzelanlage, die neben der Schule entstanden ist, ersetzt über das Nahwärmenetz nämlich in vielen kommunalen Gebäuden die zum Teil bis zu 48 Jahre alten Ölheizungen.

Lenggries – 240 000 Liter Heizöl pro Jahr könnten so eingespart werden, sagt Planer Christian Schuhmacher. Zusammen mit Bürgermeister Werner Weindl und Bauamtsmitarbeiter Martin Sappl stellte er das Projekt am Dienstag bei einem Pressetermin vor.

Der Bau der Heizzentrale begann im Sommer 2018. Eine der größten Herausforderungen war, den mehrere Meter hohen Pufferspeicher, der 30 000 Liter Wasser fasst, einzubauen. „Das ging nur, so lange noch kein Dach auf dem Gebäude war. Vor dem Winter mussten wir es aber auch dicht bekommen“, sagte Weindl. Eine Herausforderung stellte auch der Bau der Nahwärmeleitungen dar. „Das war ein Kraftakt, vor allem, weil wir den Dorfbach unterqueren mussten“, erklärt Planer Schuhmacher. Von der Geiersteinstraße bis zum Alpenfestsaal wanderte die Baustelle in diesem Sommer – verbunden mit zahlreichen Verkehrsbehinderungen. „Die Bevölkerung hat es geduldig aufgenommen“, sagt Weindl und lacht. „Aber es hat sich rentiert“, findet der Rathauschef. Der Schulkomplex mit beiden Turnhallen und dem Hallenbad, das Rathaus, die Tourist-Info, Alpenfestsaal und Bücherei werden nun mit Wärme aus Hackschnitzeln – sie stammen aus Hohenwiesen – versorgt. Auch das ehemalige Gasthaus Post, das die Gemeinde gerade zu Kindergarten, Mehrzwecksaal, Büros und zwei Wohnungen umbaut, wird nach der Sanierung am Nahwärmenetz hängen. Ein weiterer Ausbau ist denkbar. Kindergarten, neues Pflegeheim, Haus der Senioren und eine eventuell in der Zukunft nötige Erweiterung der Schule könnte ebenfalls mitversorgt werden.

Anders als in Reichersbeuern geplant, werden aber keine Privathaushalte anschließen können. „Dafür müssten wir ein eigenes Unternehmen gründen und bräuchten Personal“, sagt Weindl. Das wiederum mache die Energieversorgung teurer. „Wir beschränken uns deshalb auf die kommunalen Liegenschaften.“

Ertüchtigt wurde im Zuge der Arbeiten auch das benachbarte Blockheizkraftwerk (BHKW). „Es hat einen neuen Motor bekommen“, sagt Weindl. Seit zehn Jahren versorgt es den Schulkomplex mit Strom und Wärme. Angetrieben wird es mit Erdgas. „Mittelfristig wäre denkbar, dass wir es auf Biogas umstellen“, sagt der Rathauschef. Für die Spitzenlast im Winter gibt es zudem noch zwei Gaskessel, die zugeschaltet werden können. Sie übernehmen auch komplett, wenn BHKW und Hackschnitzelheizung zeitgleich ausfallen sollten. „Sie reichen, damit wir weder Schule noch Rathaus evakuieren müssen“, sagt Schuhmacher.

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Sorgen, dass beständig Lastwagen am Schulgelände vorbeifahren, um Hackschnitzel zu liefern, muss sich auch niemand machen. In den kältesten Monaten rechnet Sappl mit elf Lieferungen pro Monat. „Und die koordinieren wir mit dem Schulbetrieb“, ergänzt Weindl. Die Hackschnitzelbunker ist nur während der Anlieferung geöffnet und zudem mit Geländer und Absturzsicherung versehen.

Rund 3,5 Millionen Euro hat die Gemeinde investiert. „Wir rechnen mit einer Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro.“ 50 Prozent davon stammen aus einem europäischen Programm, zehn Prozent steuert der Freistaat bei.

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